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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Evaluation und Zukunftsperspektiven (März)

Tagung der Konsultorinnen und Konsultoren der Stiftung PRO ORIENTE

Von 16.-19. März 2017 tagten die KonsultorInnen der Stiftung PRO ORIENTE im Kardinal König Haus in Wien.

KonsultorInnen_2017

Regelmäßig versammeln sich die KonsultorInnen der Stiftung PRO ORIENTE, um deren Arbeit zu evaluieren und Zukunftsperspektiven bzw. Themen für die Weiterberarbeitung vorzuschlagen. Zu den Fachleuten zählen neben TheologInnen aus den verschiedenen Kirchen (orthodox, orientalisch-orthodox, katholisch und evangelisch), auch HistorikerInnen sowie WissenschaftlerInnen aus den Bereichen Linguistik und Sozialwissenschaft sowie MedienvertreterInnen.

Berichte aus den PRO ORIENTE-Arbeitsbereichen
Im Rahmen der Tagung berichteten die Leiterin des Generalsekretariates Dr. Regina Augustin, Fr. Frans Bouwen, Mitglied der PRO ORIENTE-Commission for Ecumenical Encounter between the Oriental Orthodox Churches and the Catholic Church, Dr. Ioan Moga, Gründungsmitglied der PRO ORIENTE-Kommission junger orthodoxer und katholischer TheologInnen, Prof. Harald Heppner, wissenschaftliche Leiter der Kommission für südosteuropäische Geschichte sowie Prof. Dietmar W. Winkler, wissenschaftlicher Leiter des Forum Syriacum über die Arbeit der Jahre 2013-2017 unter Berücksichtig aktueller Entwicklungen.
Dr. Augustin ging in ihrem Bereich vor allem auf die allgemeinen Veränderungen und Herausforderungen ein, die PRO ORIENTE vor neue Aufgaben stellen. U. a. habe man zwei neue Großprojekte entwickelt, den PRO ORIENTE Summer Course und das filmische Projekt „12 Kurzclips zur Ökumene“ (ab Mitte Juni online zu sehen), um gerade auch die jüngere Generation für die Ökumene und ihre Anliegen zu sensibilisieren. Die Veränderungen im Bereich der Subventionsvergaben seien sehr umfangreich, sodass die Erstellung von Projektanträgen wesentlich umfangreicher geworden ist als noch vor zehn Jahren.
Fr. Bouwen informierte die Teilnehmenden über die aktuellen Entwicklungen der International Commission for Theological Dialogue between the Catholic and the Oriental Orthodox Churches. Die sogenannte offizielle Ebene sei geprägt von einem guten und freundschaftlichen Miteinander, das über die Jahre wachsen hätte können. Zugleich betonte Bouwen aber auch die Notwendigkeit der inoffiziellen wissenschaftlichen Arbeit, die die PRO ORIENTE Commission leisten könne, da die Möglichkeit bestehe, „frei zu sprechen“ und man gemeinsam in der Lage sei, über neue Modelle der Einheit, Ideen des Zusammenlebens in der Diaspora und über unüberwindbar scheinende Herausforderungen nachzudenken.
Prof. Heppner betonte die Bedeutung der Geschichtswissenschaft für die ökumenischen Versöhnungsprozesse. Die Entwicklung eines historischen Bewusstseins in den Kirchen und den heterogenen Gesellschaften Südosteuropas sei zu fördern. Insbesondere verwies Heppner auch auf die Notwendigkeit, den akademischen Nachwuchs auszubilden. Die Zusammenarbeit von sozialwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher Forschung könne einen wesentlichen Beitrag für den Versöhnungsprozess innerhalb Europas und der christlichen Kirchen leisten.
Dr. Moga hielt fest, dass derzeit zwei Einschätzungen im Bereich des orthodox-katholischen Dialogs vorherrschend sind, eine pessimistische Strömung, die vom ökumenischen Winter spreche und eine optimistische Linie, die die „echten Fortschritte“ aufzeige. Er verweist zugleich auf eine neue Ebene des Dialogs, man bemühe sich verstärkt um Lösungen im Bereich sozialer, pastoraler und ethischer Fragestellungen. Die Arbeit von PRO ORIENTE sah er weiterhin als notwendig an, da sie auf vielen Ebenen gleichzeitig ansetze, wie z. B. der Summer Course, einzelne Tagungen und Konferenzen belegen.
Prof. Winkler stellte den PRO ORIENTE-Dialog mit den neun Kirchen syrischer Tradition seit 1994 vor. Ab 2006 habe sich die Situation für die syrischen Kirchen v. a. im Nahen Osten drastisch verändert. Das Erstarken eines exklusivistischen Islam, der auch vor Terror nicht zurückschreckt, habe die thematische Ausrichtung des Forum Syriacum deutlich geprägt. Zunächst standen der historische Dialog und die Formen friedlicher Koexistenz mit dem Islam im Fokus der wissenschaftlichen Beratungen, seit 2017 ist nun das Leben in der Diaspora und die damit verbunden Herausforderungen ins Blickfeld gerückt. Im Namen der Mitglieder des Forum Syriacum verwies er auf die weltweit einzigartige Möglichkeit der Vernetzung der syrischen Tradition, die durch PRO ORIENTE gewährleistet werde.

Es berichteten auch …
Im Anschluss an die PRO ORIENTE-Berichte stellten 17 KonsultorInnen die Arbeitsschwerpunkte und die Ausrichtung ihrer jeweiligen Einrichtung vor. Diese Gelegenheit nutzten: Dr. Stefanos ATHANASIOU, Departement für Christkatholische Theologie der Universität Bern; Dr. Sergii BORTNYK, Charitable foundation “Academic Initiative"; Dr. Konrad CLEWING, Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung; Doz. Dr. Dr. h.c. Jasmine DUM-TRAGUT, Zentrum zur Erforschung des Christlichen Ostens (ZECO); Prof. Dr. Hans-Jürgen FEULNER, Institut für Historische Theologie, Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie; Dr. Daniel GALADZA, „Euchologion Project“ (Wien); Prof. Dr. Basilius J. GROEN, Society of Oriental Liturgy; Prof. em. Dr. Theresia HAINTHALER, Offizieller orthodox-katholischer Dialog, Patrologen-Tagungen; Prof. Dr. Martin HAUSER, Akademische Beteiligung am rumänischen Transformationsprozess unter der Ägide der UNESCO; Prof. Dr. Harald HEPPNER, Zentrum für Südosteuropastudien; Prof. Dr. Assaad Elias KATTAN, Arbeitskreis St. Irenäus; Prof. em. Dr. Grigorios LARENTZAKIS, Panorthodoxe Synode, Kreta 2016; DDr. Thomas Mark NEMETH, Ostkirchliches Institut an der Universität Würzburg/Deutschland; Dr. Johannes OELDEMANN, Gemeinsame Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Bischofskonferenz, Studienkolleg St. Irenäus/Stipendienprogramm der Deutsche Bischofskonferenz für orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Theologen; Msgr. Gabriel QUICKE, Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen; Dr. Hermann-Josef RÖHRIG, Kirchlich Pädagogische Hochschule Wien/Krems; Dr. Nikodemus SCHNABEL OSB, „Jerusalemer Institut der Görres-Gesellschaft”; Prof. Dr. Dietmar WINKLER, Masterlehrgang Syrische Theologie.
Daraus wird das große und umfassende Netzwerk von PRO ORIENTE sichtbar.

Fazit
Am 18. März wurde in Rahmen von drei Workshops, Dialog mit der Orthodoxie, Dialog mit den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen und Geschichte Südosteuropas konkreten Fragen nachgegangen, die die Entwicklung von Arbeitsfeldern und –Strategien für PRO ORIENTE zum Ziel hatten.
Genannt wurden u. a.: die Verstärkung der Präsenz in den Heimatländern der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen, die Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die Intensivierung von Kooperationen mit ökumenischen Einrichtungen und Universitäten, die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit anti-ökumenischen Strömungen in den Kirchen, die Berücksichtigung anderer Religionen, besonders des Islam …
Am Sonntagmorgen wurde ein katholischer Gottesdienst in der Kapelle des Kardinal König Hauses gefeiert bevor man sich zur letzten Beratungseinheit traf und PRO ORIENTE-Präsident Dr. Johann Marte die Gelegenheit nutzte, um abschließende Dankesworte zu sprechen und sein nahekommendes Ausscheiden bei PRO ORIENTE anzukündigen.
Dr. Marte betonte am Ende der Tagung, dass er die Bereitschaft der KonsultorInnen, ehrenamtlich die Stiftung PRO ORIENTE wissenschaftlich zu beraten und an einzelnen Projekten mitzuarbeiten, außerordentlich schätze. Ausdrücklich freute er sich über den großen Anteil junger WissenschaftlerInnen, die extra angereist waren und bedanke sich auch im Namen des Vorsitzenden des Kuratoriums, Kardinal Christoph Schönborn, bei allen Anwesenden.
Im Anschluss an die Tagung der KonsultorInnen sind nun der Vorstand und das Generalsekretariat gefordert, sie werden die von den KonsultorInnen geleistete Beratung in die Arbeitsprozesse von PRO ORIENTE unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Mittel integrieren. Die Herausarbeitung von mittelfristigen Projekten wird entscheidend sein.


Sektion: Wien