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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Gemeinsam Geschichte schreiben (Mai)

Abschlusstagung in Alba Iulia (Rumänien)

Am 25. Mai fand im Senatssaal der Universität in Alba Iulia ein Abschlusssymposion in Rumänien statt. Neben der elf MitarbeiterInnen des zehnjährigen Projektes, nahmen auch die Vizerektorin Andrea Mutean sowie Professoren der Universität teil.

Teilnehmende an der Abschlusstagung

Am 25. Mai fand im Senatssaal der Universität in Alba Iulia ein Abschlusssymposion in Rumänien statt. Neben der elf MitarbeiterInnen des zehnjährigen Projektes, nahmen auch die Vizerektorin Andrea Muntean sowie Professoren der Universität teil.
Die Veranstaltung begann mit einer Schweigeminute im Gedenken an Prof. Marza, der für die dauerhafte Kooperation zwischen PRO ORIENTE und der Universität mitverantwortlich war. PRO ORIENTE-Präsident Johann Marte begrüßte im Anschluss die Teilnehmenden und nannte Anlass, Zweck und Ziel des Projekts „Union von Siebenbürgen“ und dankte den Teilnehmenden für die gute Zusammenarbeit über viele Jahre sowie Prof. Stanciu, die die Tagung orgnaisierte.
Vizerektorin Muntean dankte ebenfalls von Seiten der Universität für die Kooperation; diese sei bei einer Evaluierung der Universität als Forschungsstandort hervorgehoben worden und sei für die gute Beurteilung mitverantwortlich gewesen.
Prof. Barta überbrachte Gruß- und Segenswünsche des Griechisch-katholischen Kardinals Lucian Muresan. Das ökumenische Forschungsprojekt sei für die Annäherung zwischen der Griechisch-katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche in Rumänien sehr wichtig gewesen. Weiter Themen könnten mit der hier angewendeten Arbeitsmethode verfolgt werden, z. B. „Die Zusammenarbeit der Griechisch-katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirchen bei der Emanzipation aller Rumänen“. Diesem Vorschlag stimmte auch Prof. Campeanu zu. Er lobte die beiden im Rahmen des Forschungsprojektes veröffentlichten Bände, da sie die aktuellen Forschungsergebnisse widerspiegeln. Die Annäherung zwischen den Kirchen könne auch im Rahmen wissenschaftlicher Forschung gefördert werden.
Prof. Mitrofan betonte die hohe Sensibilität, die für dieses PRO ORIENTE-Forschungsprojekt notwendig war. Es gebe nach wie vor Missverständnisse zwischen den Kirchen, aber auch in Bezug auf die Ökumenische Bewegung. Den Worten müssen nun auch Handlungen folgen, resümierte Mitrofan.
Dr. Dumitru kritisierte, dass man bei der konfessionellen Perspektive hängen geblieben sei. Er habe Zweifel an dem Versöhnungspotenzial der beiden veröffentlichten Bände. Er habe sich eine umfassendere, überkonfessionelle Zusammenschau der Ergebnisse gewünscht.
Prof. Marton gratulierte zum Projekt, das seiner Meinung nach sehr wohl zur Annäherung beigetragen habe. Streitigkeiten konnten aufgrund des Projektes – insbesondere auf ExpertInnen-Ebene – ausgeräumt und Freundschaften geschlossen werden.
Prof. Chifar meinte, dass das Projekt nötig war, um der Gesellschaft vor Augen zu führen, was sich im 17./18. Jahrhundert ereignet hatte. Nun gelte es, die Ergebnisse zu verbreiten. Die Arbeit am Projekt war über die Jahre nicht ganz konfliktfrei, inhaltliche Auseinandersetzungen haben aber zum Erfolg beigetragen, da sie im Rückblick viel Klärung brachten.
Dr. Sasaujan verwies auf das hohe Niveau des Projektes. Die beiden Bände könnten aber nur einen kleinen Beitrag auf dem Weg zur Versöhnung zwischen den Kirchen leisten. Die belastete Vergangenheit habe sich zu tief ins kollektive Gedächtnis eingeprägt.
Dr. Botond hob noch einmal hervor, dass alle Kirchen in das Projekt einbezogen wurden und somit auch den Minderheiten-Kirchen eine Stimme gegeben wurde. Damit verbunden sei auch die Schaffung einer Basis für eine gemeinsame Gegenwart und Zukunft.
Der Mitherausgeber der beiden Bände, Prof. Ioanita, meldete sich mehrmals zu Wort. Die Rumänisch-orthodoxe Kirche habe das Projekt von Beginn an sehr begrüßt, er selbst habe Patriarch Daniel mehrfach über die Entwicklungen informiert. Metropolit Andrej von Alba Iulia habe sich auch persönlich in die Arbeit eingebracht. Das Projekt sei ein dialogischer Versuch gewesen, die gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten; dies könne nur ein Anfang sein und daher sei die Verbreitung der Forschungsergebnisse und der gemeinsam gemachten Erfahrungen von zehn Jahren von besonderer Bedeutung. Problematisch sehe er die derzeitigen Entwicklungen in der Orthodoxie hin zu einem Fundamentalismus, der ein solches Projekt schlichtweg unmöglich mache. Die Kirchenleitung der Orthodoxie sei ökumenisch offen, die Basis werde jedoch von fundamentalistischen Bischöfen und Priestern „geimpft“, sodass der Widerstand gegen eine solche Öffnung sehr groß sei.
Prof. Stanciu betonte, dass die gemeinsame Arbeit von HistorikerInnen und TheologInnen die Sichtweisen beider verändern konnte. Die Arbeitsgruppe aus vier Frauen und elf Männern habe viel und hart gearbeitet. Das Projekt sei in Summe ein großer Gewinn - für die Forschung, für die Kirchen und für PRO ORIENTE, so Prof. Stanciu.


Sektion: Wien