Pro Oriente Logo

Ökumene ist der
Imperativ des christlichen
Gewissens.

Erzbischof Alfons Nossol (Oppeln)

Pro Oriente

Veranstaltungen

Juni 2005

Donnerstag
30. Juni 2005 - Dienstag
5. Juli 2005
3. Tagung zur "Union von Siebenbürgen" 2005
Tagung
  • Datum30. Juni 2005 -
    05. Juli 2005
  • Ort
      Alba Iulia / Rumänien
  • Sponsor
      Generalvikar Mathias Schiltz, Luxemburg
  • Partner
      Universität "1 Decembrie 1918" in Alba Iulia
  • SektionWien
  • StatusNicht öffentlich

Vom 30. Juni bis 5. Juli 2005 fand im rumänischen Alba Iulia die dritte Tagung im Rahmen des Forschungsprojektes von PRO ORIENTE zur kirchlichen Union von Siebenbürgen in Zusammenarbeit mit der Universität „1. Dezember 1918“ statt. Das Projekt begann im Jahre 2001 mit der ersten Tagung in Wien und wurde mit der 2. Tagung 2003 in Alba Iulia fortgesetzt.

Die verschiedenen Kirchen schreiben und interpretieren ihre Geschichte oft sehr unterschiedlich und sogar gegensätzlich. Es werden oft über Jahrhunderte Vorurteile und Geschichtsmythen mitgeschleppt, die der angestrebten Gemeinschaft aller Christen trennend im Wege stehen. Dies geschieht vor allem im Zusammenhang mit Spaltungen, die in Folge der Union entstanden sind, wie im Falle Siebenbürgens. Diese hatten heftige Auseinandersetzungen und Spannungen zwischen der orthodoxen und griechisch-katholischen Kirche zur Folge, die sich zum Teil noch bis heute schmerzhaft auswirken.

Ein wichtiger Weg zum Abbau solcher Spannungen und zur Aussöhnung der Kirchen ist die „Reinigung bzw. Heilung des Gedächtnisses“ („purification of memory“ / „healing of memories“), wie sie auch von Papst Benedikt XVI. und seinem Vorgänger, sowie von der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) eingemahnt wurde. Das Forschungsprojekt der Stiftung PRO ORIENTE will eben dieses erreichen, indem Theologen und Historiker versuchen, die Ereignisse um die Entstehung und unmittelbaren Folgen der Union in der Zeit zwischen 1697 und 1761 mit den Mitteln der historisch-kritischen Quellenforschung aufzuarbeiten und in einer gemeinsam verfassten, ausgewogenen Publikation darzustellen. Mit der Arbeit an dieser Publikation wird ab sofort begonnen. Die siebzehn Wissenschaftler kommen aus allen fünf Konfessionen Siebenbürgens (orthodox, griechisch-katholisch, römisch-katholisch, evangelisch-lutherisch, kalvinisch) und aus den Universitäten Cluj, Sibiu, Arad, Blaj, Oradea, Alba Iulia und Wien, darunter drei Dekane.

Erst durch das Zusammenwirken von Theologen und Historikern ist es möglich, über die Klärung kirchengeschichtlicher Fragen auch eine versöhnende Wirkung zu erzielen. Das fach- und konfessionsübergreifende Projekt steht unter der wissenschaftlichen Leitung des Ostkirchenkundlers, Univ.Prof. em. Dr. Ernst Christoph Suttner, der vom rumänisch-orthodoxen Theologen und Studienleiter der Konferenz Europäischer Kirchen in Genf, Professor Viorel Ionita, und vom Dekan der Fakultät für Geschichte und Philosophie der Universität Alba Iulia, Univ.Prof. Dr. Iacob Marza, unterstützt wird.

In der dritten Tagung konnten noch weitere Fragenkomplexe untersucht werden und zwar: a) ob die unierte Kirche Siebenbürgens an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert für eine neu entstandene Kirchengemeinschaft gehalten wurde, b) ob es sich bei der Union um eine kollektive Annullierung des Schismas zwischen Ost und West handelte oder um nur individuelle Beitritte zur Union, c) ob die Annahme der Union gleichbedeutend war mit dem Übertritt zu einer anderen kirchlichen Gemeinschaft und d) welche Kriterien zur Unterscheidung zwischen Unierten und Nicht-Unierten es im Laufe des 18. Jahrhunderts gegeben hat.

Damit ist das Projekt seinem Ziel ein gutes Stück näher gerückt, wie auch Professor Ionita ausdrücklich hervorgehoben hat. Die Tagung verlief in einer sachlichen, konstruktiven und sehr freundschaftlichen Atmosphäre. Die restlichen offenen Fragen sollen bis 2007 untersucht und in einer Schlussrunde geklärt werden. Eine Präsentation des Projekts und der bisherigen Ergebnisse im Rahmen der im Jahre 2007 in Sibiu / Hermannstadt stattfindenden Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung wird angestrebt.

Die Tagungsbeiträge werden so wie im Fall der vorangegangenen Tagungen in den „Annales Universatis Apulensis“ von Alba Iulia publiziert.

Die Tagungsteilnehmer nahmen geschlossen an Vespern in der orthodoxen, der griechisch-katholischen und der römisch-katholischen Kirche in Alba Iulia teil und wurden vom orthodoxen Erzbischof von Alba Iulia, Andrei (Andreicut), empfangen. Im Rahmen der Tagung fand eine Exkursion nach Sibiu statt, wo die Orthodoxe Theologische Fakultät und die verschiedenen christlichen Kirchen besucht wurden.

Die Tagung wurde von Generalvikar Mathias Schiltz der Erzdiözese Luxemburg gesponsert, der mit Rumänien Verbindungen unterhält und an dem Projekt großes Interesse zeigt.