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Erzbischof Alfons Nossol (Oppeln)

Pro Oriente

Veranstaltungen

Dezember 2014

    22. bis 26. September 2009
Fünfte Patristische Tagung

Heiligkeit und Apostolizität der Kirche

5th Patristic Colloquy
  • Datum / Zeit
      22. bis 26. September 2009
  • Ort
      Higher Church Academy, Thessaloniki, Greece
  • Referierende
      25 Professoren und Patrologen, sowohl Orthodoxe wie Katholiken, aus 18 Ländern in West- und Osteuropa (Belgien, Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Großbritannien, Italien, Litauen, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Serbien, Slowakei, Tschechien, Ukraine und Ungarn)
  • Sponsor
      Higher Church Academy in Greece
      Metropolitanates of Thessaloniki, Neapolis and Stavropoulos
  • SektionWien
  • Statusöffentlich

Auf Einladung von Metropolit Anthimos von Thessaloniki und Metropolit Varnavas von Neapolis wie auch der Höheren Kirchlichen Akademie kam diese Konferenz nach Thessaloniki, einer Stadt, die bereits der Apostel Paulus besuchte und an deren christliche Gemeinde er seinen ersten Brief richtete.

Übereinstimmend sind die Teilnehmer der Auffassung, dass die Tagung in einer vertrauensvollen und freundschaftlichen Atmosphäre stattfand.

Die Gruppe katholischer und orthodoxer Patrologen der Stiftung PRO ORIENTE hat sich schon dreimal getroffen, um das Geheimnis der heiligen Trinität zu reflektieren: über Christus (Wien 2001), über den Heiligen Geist (Wien 2003) und über Gott als Vater und Schöpfer (Luxemburg, 2005). Eine neue Phase über die Ekklesiologie begann 2007 in Rumänien mit dem Studium von “Einheit und Katholizität der Kirche”. Die jetzige Tagung über “Heiligkeit und Apostolizität der Kirche”, die anderen beiden der vier Kennzeichen der Kirche, die von allen Christen im Glaubensbekenntnis von Nicaea-Konstantinopel bekannt werden, beschließt diese Reihe. Das Studium des Erbes der Kirchenväter ist eine der seltenen akademischen Disziplinen, die von beiden Kirchen zusammen durchgeführt werden kann.

Die Teilnehmer waren außerordentlich dankbar für die herzliche Aufnahme und Gastfreundschaft durch Metropolit Varnavas von Neapolis und die Höhere Kirchliche Akademie von Thessaloniki. Sie nahmen an der Vesper im Kloster Vlatadon teil, der Stelle, an der der hl. Paulus predigte, und wo sich heute der Hauptsitz des Zentrums Patristischer Studien des Ökumenischen Patriarchats befindet.

Die Tagung wurde eröffnet von Kardinal Christoph SCHÖNBORN, Vorstand des Kuratoriums von PRO ORIENTE und Initiator dieser Reihe von Patrologentagungen, von Metropolit Michael (Staikos) von Austria und von Prof. Dr. Christophoros KONTAKIS, Direktor der Akademie. Eine Einführung gab Prof. Dr. Theresia HAINTHALER, die wissenschaftliche Leiterin der Patrologentagungen. Während dieses seines ersten Besuchs in Griechenland wurde der Erzbischof von Wien mit seiner Delegation vom Erzbischof von Athen und ganz Griechenland, HIERONYMOS, von Metropolit ANTHIMOS von Thessaloniki und Metropolit PROKOPIOS von Kalamaria herzlich empfangen.

Nach zahlreichen reichen Vorträgen über die Kirchenväter stimmen die Teilnehmer darin überein, dass Apostolizität alle Aspekte des Lebens der Kirche betrifft. Die Diskussionen stellten heraus, dass das Wort “Apostel” verschiedene Bedeutungen in der frühen Kirche hat. Zwei Dimensionen solcher Apostolizität unterschieden die Teilnehmer:
a) eine missionarische und historische Dimension, entsprechend der Tatsache, dass die Apostel von Christus ausgesandt wurden, der selbst der erste “Apostel” des Vaters war;
b) eine eschatologische Dimension, die sich darauf bezieht, dass seit Pfingsten jede um einen Amtsträger geeinte eucharistische Versammlung die Sammlung der Apostel durch Christus am Letzten Tag vorwegnimmt.
In Bezug auf die erste Perspektive sind eine Anzahl von Ortskirchen historisch als apostolische Sitze definiert worden, insbesondere der Sitz Rom, wo die heiligen Apostel Petrus und Paulus das Martyrium erlitten. Bezüglich der zweiten, eschatologischen Perspektive, die im christlichen Osten vorherrschend ist, bringt jede Ortskirche die Apostolizität zum Ausdruck, da jede die Katholizität der Una Sancta im Glauben und den Sakramenten, die die anderen Ortskirchen teilen, manifestiert. Da die Entwicklung der Autorität gewisser Ortskirchen mit der Organisation ziviler Strukturen des christlichen römischen Reiches verbunden war, sind Apostolizität und Autorität vermutlich nicht streng verbunden. Obwohl die Teilnehmer die hervorragende Rolle des Petrus im Apostelkollegium anerkannten, drehten sich einige Diskussionen um die spezifisch römische Interpretation eines Petrus-Amtes, verbunden in exklusiver Weise mit den Bischöfen von Rom. In der Sicht des christlichen Ostens ist der Bischof, abgesehen davon dass er Christus repräsentiert, der Nachfolger des ganzen Apostelkollegiums, dessen Einheit Petrus darstellt. Einen ähnlichen Gedanken formulierte Cyprian von Karthago. Die römische Ekklesiologie, die auf Petrus zentriert ist, wie sie der hl. Leo von Rom (5. Jh.) bezeugt, ist so nicht vom christlichen Osten rezipiert worden.

Die Vorträge über die Heiligkeit der Kirche nach den Vätern haben das Alter dieses Attributs und die reiche Vielfalt der lokalen Traditionen im Schatz der universalen Kirche hervorgehoben. Die Väter bekräftigen übereinstimmend, dass die Heiligkeit der Kirche von Gott im Heiligen Geist kommt und dass die Kirche eine heilige Gemeinschaft ist, zusammengesetzt aus Menschen, die sich ihrer Sünden bewusst sind.

Die Gespräche haben gezeigt, dass die Schriften der Kirchenväter ein Licht auf heutige theologische und spirituelle Fragen werfen können, vor denen die Kirchen stehen. Für die jetzigen Begegnungen zwischen Kirchen sind die Kenntnis und damit das Studium der Lehre der Väter unverzichtbar.

Die Beiträge der Tagung werden bald in einem Band gesammelt publiziert wie die vier vorhergehenden Tagungen, die im Tyrolia Verlag (Innsbruck, Wien) 2003 (Christus bei den Vätern), 2005 (Der Heilige Geist im Leben der Kirche), 2007 (Gott, Vater und Schöpfer) und 2009 (Einheit und Katholizität der Kirche) erschienen sind.

Bei der Tagung wurde von katholischer Seite vorgetragen:
Taras KHOMYCH (Leuven/Lviv, Belgien/Ukraine ; Trajectories of the Notion of Apostolicity through the Writings of the Apostolic Fathers: From a Contested Terrain to an Ecumenical Potential), Ysabel DE ANDIA (Paris, Frankreich ; La tradition apostolique et la succession apostolique chez Irénée de Lyon), Paul MATTEI (Lyon, Frankreich; La notion d’apostolicité (ou de succession apostolique) selon la première tradition africaine (Tertullien ; Cyprien)), Gregor EMMENEGGER (Fribourg, Schweiz; Apostolizität im Kontext des Streites der Bischöfe Cyprian und Stephanus), Vittorino GROSSI OSA (Rom, Italien ; L’Apostolicità nell’ ecclesiologia agostiniana), Theresia HAINTHALER (Frankfurt, Deutschland ; Die Petrus-Idee bei Leo I. von Rom), Athanase OROSZ (Budapest, Ungarn ; L’apostolicité et la sainteté de l’Église chez saint Maxime le Confesseur), Joseph NAUMOWICZ (Warschau, Polen; «L’Église sainte» dans les anciens symboles de la foi), Lenka KARFÍKOVÁ (Prag; Die Heiligkeit der Kirche in der Hoheliedauslegung des Origenes), Franz MALI (Fribourg, Schweiz; Die Heiligkeit der Kirche beim hl. Ambrosius), Dominique GONNET SJ (Lyon, Frankreich; L’église comme temple du Saint Esprit ou sanctifiée par l’Esprit Saint – maintenant et dans la perspective eschatologique).
Von orthodoxer Seite kamen Beiträge von:
Vladan PERIŠIĆ (Belgrad, Serbien; Is the concept of 'Apostle' a well-defined concept?), Michel STAVROU (Paris, Frankreich; La continuité apostolique chez les Pères des trois premiers siècles), Andrew LOUTH (Durham, Großbritannien; St Andrew and the Apostolicity of the Church of Constantinople), Vaclav JEŽEK (Presov, Slowakei; Limits and possibilities of apostolicity), Ovidiu IOAN (Sibiu, Rumänien; Apostolizität und Petrustradition in der ostsyrischen Kirche), Archimandrit Cyril HOVORUN (Kiev, Ukraine; Apostolicity and right of appeal), Petr MIKHAILOV (Moskau, Russland; The image of Apostle Paul according to the Cappadocians and St John Chrysostomus), Alexei MURAVIEV (Moskau, Russland; Apostolizität der Kirche bei Mar Aphrem: De Ecclesia als Modell. Einige Beobachtungen und griechische Parallelen), Mykola MAKAR (Kiev/Mailand, Ukraine/Italien; The Church, holy and formed of sinners – according to St Augustine), Mariyan STOYADINOV (Veliko Tarnovo, Bulgarien; The Heavenly and Earthly Tabernacle – A Vision of St Gregory of Nyssa on Church in De vita Moisys), Daniel MUNTEANU (Bamberg, Deutschland/Rumänien; Die kosmische Heiligkeit der Kirche nach Maximus Confessor), Georgios MARTZELOS (Thessaloniki, Griechenland; Die Apostolizität der Kirche im theologischen Dialog zwischen der Orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche).

Die Aufgabe der 1964 vom verstorbenen Kardinal Franz KÖNIG (1905-2004) gegründeten Stiftung PRO ORIENTE mit ihrem Hauptsitz in Wien ist es, auf einer nicht-offiziellen Ebene Beziehungen zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und den Orthodoxen und Orientalisch-Orthodoxen Kirchen aufrecht zu erhalten und zu fördern im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Zu den hauptsächlichen Instrumenten von PRO ORIENTE gehören die Veranstaltung von wissenschaftlichen Tagungen, Symposien und theologischen Konsultationen, sowie die Herausgabe von Publikationen.

Thessaloniki, 26. September 2009
(Übersetzung des englischen Originals)