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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Äthiopisch-Katholische Kirche

  • Gläubigeca. 230.000, davon etwa 160.000 in Eritrea und etwa 70.000 in Äthiopien
  • SitzAddis Abeba (Äthiopien)
  • Diözesen6 Diözesen (davon jeweils drei in Äthiopien und Eritrea)
  • Ritusäthiopisch
  • LiturgiespracheGe'ez (Alt-Äthiopisch)
  • Kalendergregorianisch (Hauptfeste aber teils mit der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche)
  • Titel des ErsthierarchenErzbischof von Addis Abeba und der Äthiopier

Erste Unionsüberlegungen vonseiten Roms in Hinblick auf die Äthiopische Kirche sind unter Papst Alexander III. (1159–1181) nachweisbar, die aber Jahrhunderte lang von keinem Erfolg gekrönt waren: Die westlichen Missionare scheiterten kläglich. Sie fanden ein vitales Christentum mit einer langen, genuin eigenen Tradition vor, das sich zudem gegenüber dem Islam behaupten musste. Gerade im 13. und 14. Jahrhundert erlebte die Äthiopische Kirche einen unvergleichlichen Aufschwung: Das theologische Schrifttum entfaltete in den Klöstern eine regelrechte Blütezeit. Das Christentum in seiner abendländischen Ausprägung konnte dem wenig entgegensetzen.

Weitere Informationen über die Äthiopisch-Katholische Kirche

Die Konzilsakten des Konzils von Ferrara-Florenz (1441) verzeichnen Unterschriften einer äthiopischen Mönchs-Delegation unter einem Unionsdekret, dieses gelang aber nie bis nach Äthiopien und wurde von der Äthiopischen Kirche nie rezipiert.

Erst Mitte des 16. Jahrhunderts wandte sich der äthiopische Negus (König) an den Papst und an Portugal, um Unterstützung im Kampf gegen die muslimisch-arabischen Truppen zu bitten, die im äthiopischen Hochland das heimische Christentum ernsthaft in Bedrängnis gebracht hatten. 1541 intervenierten portugiesische Einheiten erfolgreich und konnten die Lage entspannen, was dazu führte, dass der Negus kein Interesse mehr an einer kirchlichen Union mit Rom hatte und dem vom Papst Julius III. 1551 zum Patriarchen von Äthiopien ernannten Jesuiten Nuñez Barreto die Einreise in sein Land verweigerte. Erst dessen Nachfolger konnte 1580 nach Äthiopien einreisen.

Dem Jesuiten Peter Paez gelang es mit Hilfe zahlreicher Ordensmitbrüder, den neuen Negus von Äthiopien, Susenyos (1607–1632), 1622 zum Übertritt zur Katholischen Kirche zu bewegen. Dieser erhob die Römisch-Katholische Kirche zur Staatsreligion. Papst Gregor XV. proklamierte die Union und der neue Patriarch von Äthiopien, der Jesuit Alfonso Mendez, begann mit einem intensiven Prozess der Latinisierung der Äthiopischen Kirche, in dessen Vordergrund vor allem die Wiedertaufe der Gläubigen und die Wiederordination des Klerus stand. Er wurde dabei von staatlicher Seite gestützt und gefördert. Nach der gewaltsam erzwungenen Abdankung von Susenyos 1632 widerrief dessen Nachfolger als Negus, Fasiladas, die Union mit Rom und wies alle Jesuiten aus seinem Land aus; rückkehrende Jesuiten wurden hingerichtet: Damit war diese Union gescheitert.

Erst 200 Jahre später, 1839, konnten katholische Ordensleute erneut ihren Fuß auf äthiopischen Boden setzen, und zwar Lazaristen und Kapuziner. Mit der Inthronisation König Meneliks II. (1889) durfte sich die katholische Missionstätigkeit wieder frei im Land entfalten. Besonders im heutigen Eritrea, das von 1890 bis 1941 italienische Kolonie wurde, hatte sie ihre größten Erfolge, so verwundert es nicht, dass heute die meisten Gläubigen der Äthiopisch-Katholischen Kirche im seit 1993 staatlich-souveränen Eritrea beheimatet sind. In Äthiopien selbst kam es ebenfalls zu mehreren Konversionen als es von 1938 bis 1941 von den Italienern besetzt war.

1919 wurde in Rom, inmitten der Vatikanischen Gärten, das äthiopische Priesterseminar gegründet. 1930 folgte die Errichtung einer eigenen Äthiopisch-Katholischen Hierarchie durch Papst Pius XI., die 1961 ausgebaut wurde. Unter Papst Johannes Paul II. wurden 1995 zwei Bistümer in Eritrea und 2003 eines in Äthiopien errichtet, so dass es zurzeit sechs Äthiopisch-Katholische Diözesen gibt, wovon jeweils drei in Äthiopien und drei in Eritrea liegen. In jüngster Zeit begegnet man in der Fachliteratur auch immer häufiger dem Terminus Äthiopisch-/Eitreisch-Katholische Kirche.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB