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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Die Apostolische Kirche des Ostens

  • Gläubigeca. 400.000 im Iran, Irak, Indien, Syrien, Libanon, Kaukasus, Nordamerika und Australien
  • SitzMorton Grove bei Chicago, Illinois (USA)
  • Diözesen12 (+ 5 der "Alten Kirche des Ostens")
  • RitusOstsyrisch
  • LiturgiespracheSyrisch
  • KalenderGregorianisch
  • Titel des ErsthierarchenKatholikos-Patriarch der Kirche des Ostens

Welche Kirche hatte im Mittelalter die größte geographische Ausdehnung? Wer errichtete im 7. Jahrhundert, während der Herrschaft der Tang-Dynastie, in Peking einen Bischofssitz? Durch wen gelang der christliche Glaube in die Mongolei, die Mandschurei und auf Sumatra? – Auf alle drei Fragen lautet die korrekte Antwort „Die Heilige Apostolische Katholische Assyrische Kirche des Ostens“, so ihr heutiger vollständiger Name.

Weitere Informationen über die Apostolische Kirche des Ostens

Diese Kirche, die im Folgenden kurz Kirche des Ostens genannt werden wird, ist wohl die große Unbekannte in der westlichen Wahrnehmung. Dies liegt wohl zu einem daran, dass sie mit gerade 400.000 Gläubigen, die auf der ganzen Welt verstreut leben, die mit Abstand kleinste ostkirchliche Konfession bildet – im Vergleich zu den knapp 180 Millionen Orthodoxen, den 60 Millionen Orientalisch-Orthodoxen, den 18 Millionen Gläubigen einer Katholischen Ostkirche oder den über eine Millionen Angehörigen einer Evangelischen Ostkirche. Zum anderen dürfte dies aber vor allem daran liegen, dass ihre Kirchengeschichte sich auf einem Territorium abspielte, das in der westlichen eurozentrierten Wahrnehmung nicht im Fokus steht: in Mesopotamien und Zentralasien. Bei der Betrachtung kirchengeschichtlicher Entwicklungen wird neben den beiden großen Traditionssträngen des Lateinischen Westens und des Griechischen Ostens (den slawischen Raum mit eingeschlossen) leider oftmals vergessen, dass es noch eine dritte wichtige Säule gibt: den Syrischen Orient, der einen genuin eigenen und unverwechselbaren kostbaren Schatz an theologischem Denken, christlicher Kunst und gewachsener Spiritualität hervorgebracht hat.

In älteren konfessionskundlichen Werken begegnet einem die Kirche des Ostens unter verschiedenen Bezeichnungen, von denen einige aus Gründen der ökumenischen Sensibilität tunlichst vermieden werden sollten, zumal sie vom historisch-kritischen Standpunkt aus gesehen schlichtweg falsch sind.

Sehr häufig liest man die Bezeichnung Nestorianische Kirche. Damit wird die Kirche des Ostens von den anderen Christen einer Irrlehre des 5. Jahrhunderts bezichtigt. Diese Irrlehre begreift die Gottheit und Menschheit in Jesus Christus als zwei vollkommene Subjekte, die nur moralisch, nicht aber wirklich ontologisch verbunden seien. Nestorius, dem Patriarchen von Konstantinopel wurde diese Lehre zugeschrieben, der sie nachweislich jedoch so nie vertreten hat. Da die Kirche des Ostens nie eine „nestorianische Christologie“ verfocht, wie sie seit dem Mittelalter immer wieder selbst betont hat, und Nestorius auch nie ihr Patriarch gewesen ist oder ihre Sprache gesprochen hat, ist die Bezeichnung „Nestorianische Kirche“ in mehrfacher Hinsicht falsch und sollte aus den Geschichtsbüchern verschwinden. Dass Nestorius in der Kirche des Ostens als Heiliger und Kirchenlehrer verehrt wird, widerspricht dem in keiner Weise, da Nestorius selbst, wie gesagt, kein „Nestorianer“ gewesen ist!

Eine anderer irreführender und negativ konnotierter Name für die Kirche des Ostens ist vorephesinische Kirche. Diese Bezeichnung spielt darauf an, dass die Kirche des Ostens die Beschlüsse des dritten Ökumenischen Konzils von 431 in Ephesus nicht angenommen hat. Sie weckt aber die falsche Assoziation, als ob die Kirche des Ostens an den ersten beiden Ökumenischen Konzilien von Nikaia (325) und Konstantinopel (381) teilgenommen hätte und eine konfessionelle Spaltung mit dem Konzil von Ephesus stattgefunden hätte. Tatsächlich fanden alle so genannten „Ökumenischen Konzilien“ auf dem Gebiet des Römischen Reichs statt und wurden auch nur von Bischöfen dieses Reiches beschickt. Die Kirche des Ostens lag jedoch immer außerhalb des Römischen Reiches und nahm daher an keinem der Ökumenischen Reichskonzilien teil. Erst auf der Synode von Seleukia-Ktesiphon (410) rezipierte die Kirche des Ostens, als autokephale Kirche, die Beschlüsse der beiden ersten Reichskonzilien, bevor sie sich 424 von den „westlichen Patriarchen“ für vollständig unabhängig erklärte. – Eine Kirche außerhalb des Imperium Romanum mit einer eigenen Konziliengeschichte sollte man nicht nach den Konzilien der Römischen Reichskirche benennen!

Die seltener anzutreffende Bezeichnung Persische Kirche hat zwar keinen negativen Beigeschmack, wird aber der geographischen Ausbreitung der Kirche des Ostens nicht wirklich gerecht: Sie war ja nicht nur auf das persische Sassanidenreich beschränkt, das im 7. Jahrhundert durch die Araber verdrängt wurde, sondern griff bis nach Indien, Zentralasien und China aus.

Ostsyrische oder Assyrische Kirche sind dagegen Namen, die von den Gläubigen der Kirche des Ostens selbst verwendet werden: Sie nehmen Bezug auf die spezifische – vor allem liturgische – Tradition ihres Glaubenslebens und die syrisch-aramäische Sprache, die in ihrer Kirche lebendig ist.

Ihre Ursprünge sieht die Kirche des Ostens in der Missionstätigkeit des Apostels Thomas und des Herrenjüngers Addaï – einer der im Neuen Testament erwähnten 72 Jünger, die Jesus zur Mission ausgesandt hat – und seiner beiden Schüler Aghaï und Mari. Historisch greifbar werden die ersten christlichen Gemeinden im Perserreich jedoch erst im 3. Jahrhundert. In dieser Zeit bringt die Ostsyrische Kirche auch ihre ersten großen Theologen hervor, die bis heute in fast allen Kirchen des Ostens und Westens hoch in Ehren gehalten werden, und zwar Aphrahat († 350) und Ephräm der Syrer († 373). Letzterer gilt als Gründungsvater der Schule der Perser in Edessa (heute Urfa in der Türkei), deren bedeutendster Denker Theodor von Mopsuestia († 428) werden sollte. Diese Schule wurde formend für die Theologie des Christentums syrischer Tradition. Nach der Auflösung dieser Schule durch Kaiser Zeno im Jahr 489, fand sie ihre Nachfolgerin in der Schule von Nisibis (das heutige Nusaybin an der türkisch-syrischen Grenze), als deren bedeutendster Theologe Narsai von Nisibis († 502) zu nennen ist. Er war ein Schüler des Theodor und betrieb die zu dieser Zeit im Römischen Reich geächtete syrisch-antiochenische Theologie weiter, die aber nichts mit einer angeblich „nestorianischen Irrlehre“ zu tun hatte. Sie betonte vielmehr die Notwendigkeit der Zweinaturenlehre im christologischen Denken, nämlich dass in der Person Jesu Christ zwei Naturen unvermischt vereinigt seien: die göttliche und die menschliche. Sie warnte vor der Gefahr, die menschliche Natur Jesu völlig in seiner göttlichen aufzulösen. Der so genannte „Nestorianismus“ hingegen spaltet die Menschheit Jesu von seiner Gottheit fast völlig ab: Beide seien nur moralisch verbunden nicht aber wirklich ontologisch (seinshaft) Einer. Es würden demnach zwei Personen beziehungsweise zwei Subjekte existieren. Nestorius hat diese Extremposition, die ihm seine theologischen Gegner unterstellten, wie bereits erwähnt, selbst niemals vertreten.

Als zu Beginn des 5. Jahrhunderts die Kirche des Ostens ihr jurisdiktionelles Zentrum in Seleukia-Ktesiphon (in der Nähe der heutigen irakischen Hauptstadt Bagdad), in der Hauptstadt des 226 errichteten Sassanidenreichs nahm, konnte sie schon auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, in der sie teils blutig verfolgt wurde. Durfte sie sich anfangs im Sassanidenreich unbehelligt entfalten, wie auch schon unter den zuvor herrschenden iranischen Parthern, begann die Zeit der staatlichen Diskriminierung im Jahr 286 als die Religion Zarathustras zur Staatsreligion erklärt wurde. Diese Repressionen wuchsen unter Shapur II. zwischen 339 und 379 zu einer regelrechten Verfolgung an, da im Römischen Reich das Christentum zur Staatsreligion erhoben worden war und dadurch die Christen im Sassanidenreich sich des Bündnisses mit Rom verdächtig machten.

Im 7. Jahrhundert eroberten schließlich die Araber Mesopotamien und die christlichen Assyrer wurden einer Jahrhunderte dauernden Islamisierung ausgesetzt: Entweder sie waren bereit gewisse staatliche Einschränkungen, wie etwa eine Sondersteuer für Christen, mitzutragen oder sie mussten zum Islam konvertieren. So führte die Kirche des Ostens das Leben einer geduldeten Minderheit an der Grenze zwischen dem Imperium Romanum und dem Perserreich beziehungsweise der arabischen Welt.

Trotz dieser denkbar ungünstigen Ausgangsposition entfaltete die Kirche des Ostens ab dem 7. Jahrhundert eine äußerst dynamische und effektive Missionsarbeit im Fernen Osten, die in der gesamten Kirchengeschichte ihresgleichen sucht und die Kirche des Ostens zur weltweit größten christlichen Gemeinschaft des Mittelalters machte. So konnte die Kirche des Ostens kirchliche Strukturen in Zentralasien, in Indien, in Tibet und bis nach China aufbauen. Es gab Diözesen in der Mandschurei und in der Mongolei, auf Sumatra und in Quanzhu. Bischofssitze reihten sich wie die Perlen einer Schnur entlang der berühmtesten Handelsroute Zentralasiens, der so genannten Seidenstraße: Samarkand, Taschkent, Buchara, Kaschgar. Besonders im 13. und am Anfang des 14. Jahrhunderts, im mongolischen Weltreich Dschingis Khans, konnte die Kirche des Ostens ihre Stellung festigen, da die Khane der Goldenen Horde die ostsyrischen Christen wegen ihrer Gelehrsamkeit schätzten und ihnen wichtige Aufgaben in der Verwaltung ihres Großreichs übertrugen. – In dieser Zeit betrug die Zahl der Gläubigen der Kirche des Ostens mehrere Millionen Gläubige, die in 27 Metropolien und 230 Diözesen in ganz Asien organisiert waren und die alle dem in Bagdad residierenden Katholikos unterstellt waren.

Mit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts begann für die Kirche des Ostens eine lange Periode des Niedergangs und der blutigen Verfolgung. Diese begann damit, dass die seit 1368 in China herrschenden Kaiser der Ming-Dynastie der Kirche des Ostens ihre Unterstützung entzogen, und sie gipfelte in den systematischen Christenverfolgungen eines Timur-Leng (1360–1405), der in Zentralasien sein neues Mongolenreich aufbaute. Die assyrischen Christen zogen sich immer mehr in ein geschlossenes Siedlungsgebiet im heutigen türkisch-irakischen Grenzgebiet zurück und führten ein Leben in Zurückgezogenheit. In dieser Zeit avancierte der Katholikos vom rein geistlichen Ersthierarchen auch zu einem weltlichen Oberhaupt. Zudem wurde dieses Amt ab der Mitte des 15. Jahrhunderts zu einer erblichen Würde, die in der Regel vom zölibatär lebenden Onkel auf den Neffen überging. Die Unzufriedenheit darüber bewog einen Teil der ostsyrischen Christen im 16. Jahrhundert einen Unionsabschluss mit Rom zu suchen, aus dem dann die Chaldäische Kirche hervorging.

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bedeutete für die Kirche des Ostens beinahe ihre völlige Vernichtung. Sie zählte um 1900 etwa 150.000 Gläubige, die sich fast alle auf ein geschlossenes Siedlungsgebiet um das unwegsame Bergland von Hakkari im heutigen türkisch-irakischen Grenzgebiet beschränkten. (Hinzu kamen noch etwa 100.000 katholische Chaldäer, die aber weiter im Süden, im heutigen Irak siedelten.) Der Patriarch der Kirche des Ostens, der seit 1826 in Qudshanis residierte, war nicht nur kirchliches Oberhaupt, sondern auch weltlicher Führer, der seit diesem Zeit vom Westen Assyrer genannten Christen. Im Ersten Weltkrieg wurde eben dieses Gebiet um Qudshanis im Hakkari-Bergland zum Kriegsschauplatz zwischen den Jungtürken und Russland. Nachdem es zu wiederholten Massakern von türkischer Seite an den christlichen Assyrern kam, erklärten die Assyrer 1915 der Türkei den Krieg und verbündeten sich mit Russland. Nach der Oktoberrevolution zogen sich die russischen Truppen aber aus der Türkei zurück, so dass die Assyrer Zuflucht bei den Briten im heutigen Irak suchten. Waren durch die Massaker und die Kriegshandlungen bereits 80.000 Assyrer getötet worden, mussten auf der 500 Kilometer langen Flucht weitere 20.000 ihr Leben lassen: Hunger, Epidemien und kurdisch-türkische Überfälle rafften fast jeden Dritten dahin. Am Ende des Ersten Weltkriegs 1918 waren nur noch 50.000 Assyrer am Leben, wobei von den Bischöfen und Priestern fast niemand überlebt hatte. 1918 wurde der Katholikos ermordet, sein Nachfolger stirbt 1920 im Flüchtlingslager.

In den Flüchtlingslagern im Irak bei Mossul, Kirkuk und Bagdad hofften die Assyrer vergeblich auf eine Lösung der Assyrer-Frage: Die Versprechungen auf einen eigenen Staat beziehungsweise auf eine Teil-Autonomie innerhalb eines zu gründenden Kurden-Staates wurden nicht erfüllt. Mit Ende des britischen Mandats im Irak (1933) kam es wieder zu Massakern an der christlichen Bevölkerung, so dass viele Assyrer Zuflucht in der weltweiten Diaspora suchten: Ein wichtiges Zentrum wurden die USA, vor allem in der Gegend um Chicago, andere bauten sich eine neue Existenz in Syrien, im Libanon, im Iran, auf Zypern, in Frankreich, in Großbritannien oder in Australien auf. Die wenigen Gläubigen der Kirche des Ostens lebten nun verstreut in der ganzen Welt. Ihr Katholikos Mar Eshai Shimun XXI. (Katholikos von 1920 bis 1973) wurde 1933 aus dem Irak ausgewiesen und verlegte seinen Sitz zunächst nach Zypern und dann – nach Zwischenstationen in Genf, Paris und London – ab 1940 in die USA, zunächst nach San Francisco, später nach Morton Grove bei Chicago am Michigansee.

Mar Eshai Shimun gelang es, in den USA seine Kirche mit Beharrlichkeit zu reorganisieren und in bescheidenem Maße wieder zu konsolidieren, indem er vor allem neue kirchliche Strukturen aufbaute und sich um die Heranbildung eines neuen Klerus bemühte, der ja kurz zuvor fast völlig ausgelöscht worden war. Darüber hinaus machte er sich um die Herausgabe und Übersetzung der syrischen Väterliteratur verdient.

Im März 1964 verabschiedete Mar Eshai Shimun ein Dekret für seine Metropoliten und Bischöfe, in welchem er einige Kirchenreformen ankündigte. Dabei ging es um die Einführung des gregorianischen Kalenders, die Verkürzung der Fastenzeiten und um einige liturgische Reformen. Diese als „westlich“ gebrandmarkten Reformen stießen, nicht in der Diaspora wohl aber im Irak selbst, auf erheblichen Widerstand, der 1968 sogar zu einem, bis heute andauernden, Patriarchalschisma führte: Mar Thomas Darmo begründete die Patriarchenlinie der altkalendarischen Alten Kirche des Ostens, zu der heute etwa 70.000 Gläubige gehören.

In letzter Zeit mehren sich aber die Anzeichen dafür, dass dieses Schisma innerhalb der Kirche des Ostens bald überwunden werden kann, da zwischen den beiden voneinander getrennten Kirchenzweigen keine Glaubensfragen stehen. Bei eingehender Untersuchung der Gründe für das Schisma wird deutlich, dass es der Oppositionsgruppe nicht um die Reformen selbst, sondern vor allem um die als Missstand empfundene Erblichkeit des Katholikos-Patriarchenamtes ging und darum, dass die Reformen nicht synodal beschlossen worden waren; hinzu kam eine scharfe Kritik an der über dreißigjährigen Abwesenheit des Patriarchen vom Irak. Dadurch dass der Nachfolger von Mar Eshai Shimun, Katholikos-Patriarch Mar Dinkha IV. Khananya, am 17. Oktober 1976 in London durch kanonische Wahl in sein Amt kam, nachdem die patriarchale Erbfolge schon 1973 auf einer Synode abgeschafft worden war, ist das größte Hindernis auf dem Weg der Wiedervereinigung der beiden getrennten Kirchenzweige inzwischen beseitigt.

Auch wenn die Kirche des Ostens mit keiner anderen Kirche in Glaubensgemeinschaft steht, zeichnet sie sich durch eine aktive Teilnahme an der Ökumenischen Bewegung aus. Seit 1950 ist sie Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und seit 1984 steht sie in einem intensiven Dialog mit der Römisch-Katholischen Kirche, die am 11. November 1994 zur historischen Gemeinsamen Christologischen Erklärung von Papst Johannes Paul II. und Katholikos-Patriarchen Mar Dinkha IV. führte. Mit dieser Erklärung wurden offiziell jahrhundertealte christologische Differenzen beseitigt. Die Stiftung PRO ORIENTE hatte am Erfolg dieses Dialog-Prozesses wesentlichen Anteil. Sie initiierte auch die seit Juni 1994 regelmäßig stattfindenden Syrer-Konsultationen, in dem Vertreter aus allen Kirchen der verschiedenen syrischen Traditionen sich zu einem theologischen Austausch treffen, in dem vor allem Fragen der Christologie und der Sakramententheologie behandelt werden.

1996 wurde zwischen dem Patriarchen der Kirche des Ostens, Mar Dinkha IV. Khananya, und dem Patriarchen der mit Rom in Communio stehenden Chaldäischen Kirche, Mar Raphael I. Bidawid, ein offizieller Prozess der Zusammenarbeit der beiden Kirchen auf pastoraler und praktischer Ebene ins Leben gerufen. Im Juli 2001 führte diese Annäherung der beiden aus der ostsyrischen Tradition stammenden Kirchen zu einem großen ökumenischen Durchbruch: einer offiziell gestatteten begrenzten eucharistischen Gemeinschaft zwischen einer mit Rom in Einheit stehender und einer von Rom getrennten Kirche.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB