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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Kirche von Finnland

  • Gläubigeca. 60.000 in Finnland
  • SitzKuopio (Finnland)
  • Diözesen1 autonomes Erzbistum (Karelien mit Sitz in Kuopio) und 2 Metropolien (Helsinki und Oulu)
  • Statusautonom
  • Ritusbyzantinisch
  • LiturgiespracheFinnisch und Kirchenslawisch
  • Kalendergregorianisch
  • Titel des ErsthierarchenErzbischof von Karelien und ganz Finnland
  • e-mailKirkollishallitus@ort.fi

Die Finnische Orthodoxe Kirche ist eine Kirche mit autonomen Status: Ähnlich wie die autokephalen Kirchen ist sie in der Regelung ihrer innerkirchlichen Angelegenheiten völlig frei, nur ihre Bischöfe kann sie nicht selbst ernennen und weihen – letzteres unterscheidet sie von einer autokephalen Kirche. Die Wahl der Bischöfe der Finnischen Kirche müssen vom Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel bestätigt werden, der sie dann auch ernennt und weiht. Sie untersteht demnach als autonome Kirche mit großen eigenständigen Freiheiten der Jurisdiktion des Ökumenischen Patriarchats.

Weitere Informationen über die Kirche von Finnland

Dieser Rechtsstatus wird seit 1957 auch von der Russischen Orthodoxen Kirche anerkannt. Zuvor waren nämlich die orthodoxen Christen Finnlands, bis zur staatlichen Unabhängigkeit des Landes 1918, Teil der Russischen Orthodoxen Kirche. Im Zuge der Staatswerdung begann sich aber die Orthodoxe Kirche Finnlands neu zu organisieren und erklärte sich für autonom – unter der Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats. Der Moskauer Patriarch erkannte diesen Schritt 1921 an, widerrief ihn aber 1923 wieder, als sich die Finnische Kirche dem Ökumenischen Patriarchat unterstellte. Hauptgrund für die Neuorientierung nach Konstantinopel war der von staatlicher finnischer Seite vorgetragene Wunsch, nicht in zu große Nähe und Abhängigkeit zur Sowjetunion zu geraten.

Tatsächlich kam es während des so genannten Winterkrieges von Ende November 1939 bis März 1940 zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Staaten, in denen Finnland ein Großteil Kareliens an die Sowjetunion verlor und damit auch die Finnische Orthodoxe Kirche 90 Prozent ihres Besitzes. Viele orthodoxe Finnen flohen gen Westen und zahlreiche kirchliche Institutionen, die im nun im sowjetisch besetzten Teil Kareliens lagen, wurden in Zentralfinnland wiedererrichtet. Das berühmte Valamo-Kloster in Karelien (seit 1993 wieder als Stari-Valamo wiederbesiedelt) etwa, wurde als „Neu-Valamo“ in Heinävesi wiederbegründet. Das Finnische Orthodoxe Priesterseminar wurde von Karelien 1940 nach Helsinki transferiert, existierte von 1945–1988 in Kuopio am Sitz des Erzbischofs, bis es 1988 als Abteilung für Orthodoxe Theologie der Universität von Joensuu angegliedert wurde.

Das bereits erwähnte Kloster Valamo hat eine eminent wichtige Bedeutung für die Finnische Kirche. Der Tradition nach gründeten die beiden russischen Mönche Sergej und German Ende des 10. Jahrhunderts auf einer Insel im Ladogasee, nördlich von St. Petersburg, dieses Kloster, das in den folgenden Jahrhunderten der kriegerischen Auseinandersetzungen und wechselnden verschieden-konfessionellen Landesherren zu einem bewahrenden Ort der finnischen und orthodoxen Identität wurde.

Im 13. Jahrhundert war das Gebiet Finnlands Streitobjekt zwischen dem katholischen Schweden und dem orthodoxen Russland: Der Großteil Finnlands ging an Schweden, Karelien jedoch an Russland. 1617 jedoch stand Karelien fast zur Gänze unter der Herrschaft der inzwischen lutherisch gewordenen Schweden, bis es 1721 von Russland zurückerobert wurde. 1809 wurde sogar ganz Finnland dem Russischen Reich eingegliedert.

Im nunmehr vom Russland abhängigen Großherzogtum Finnland wurde die Eparchie von Vyborg (westlich des Ladogasees) errichtet, die zur Keimzelle der modernen Finnischen Orthodoxen Kirche werden sollte. In dieser Zeit begann man in Finnland auch immer mehr das Finnische dem Kirchenslawischen als Liturgiesprache vorzuziehen, auch wenn es bis heute nicht völlig verdrängt wurde, da in Finnland auch heute immer noch eine Reihe russischsprachiger Gemeinden existieren.

Die Finnische Orthodoxe Kirche genießt in Finnland eine hohe Reputation und wird vom Staat neben der dominierenden Lutherischen Kirche als zweite Nationalkirche anerkannt. Vorbildhaft ist das friedliche Miteinander der finnisch- und russischsprachigen Gemeinden unter einem gemeinsamen Kirchendach. Seit 1979 dem Erzbischof von Karelien ein Suffraganbischof mit dem Titel eines Bischofs von Joensuu beigeordnet wurde und 1980 die Metropolie Oulu als dritte Diözese (neben den bereits bestehenden Karelien und Helsinki) der Finnischen Orthodoxen Kirche kanonisch errichtet wurde, sucht die Kirche von Finnland um die Gewährung der Autokephalie an. Seit 1980 besteht der Episkopat nämlich aus vier statt bislang nur zwei Bischöfen, so dass sie selbst in der Lage wäre Bischöfe zu weihen, wofür drei Bischöfe notwendig sind.

Ein Unikum innerhalb der Orthodoxie stellt die Berechnung auch des Ostertermins nach dem gregorianischen Kalender dar: Die Finnische Orthodoxe Kirche ist damit die einzige Orthodoxe Kirche, die zusammen mit den Christen lateinischer Tradition das jährliche Osterfest begeht.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB