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einig werden, gehen wir
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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Koptisch-Katholische Kirche

  • Gläubigeca. 170.000
  • SitzKairo (Ägypten)
  • Diözesen7 Diözesen, davon alle in Ägypten
  • Rituskoptisch
  • LiturgiespracheKoptisch
  • Kalendergregorianisch (Hauptfeste aber teils gemeinsam mit der Koptisch-Orthodoxen Kirche)
  • Titel des ErsthierarchenPatriarch von Alexandrien und der Kopten

Im Hl. Land, in dem die Koptisch-Orthodoxe Kirche schon früh eine Diözese errichtete, gab es ab dem 13. Jahrhundert Kontakte zwischen Dominikanern und der Koptischen Kirche. Auf dem Konzil von Ferrara-Florenz nahm auch eine kleine Delegation von koptischen Mönchen aus dem Antoniuskloster teil, die das Unionsdekret Cantate Domino 1442 unterzeichneten. Es wurde jedoch nie von der Koptischen Kirche anerkannt. Auch wenn es zahlreiche Kontakte zwischen Vertretern der Koptischen Kirche und katholischen Ordensgemeinschaften gab, ist jedoch daraus nie eine Kirchenunion mit Rom erwachsen, da sich unter den Bischöfen der Koptischen Kirche nie eine nach Rom orientierte Fraktion herausbildete.

Weitere Informationen über die Koptisch-Katholische Kirche

Ende des 17. Jahrhunderts konnten jedoch durch die intensiven Bemühungen der oben genannten Ordensgemeinschaften einzelne koptische Christen in Kairo und Oberägypten zu einer Union mit Rom bewegt werden. Die Zahl dieser Gläubigen betrug im 18. Jahrhundert etwa 2.500 – ihr gegenüber stand die um ein Hundertfaches größere Zahl der Koptisch-Orthodoxen Christen. Als 1741 der Koptische Bischof von Jerusalem, Anba Athanasios, in Gemeinschaft mit Rom trat, wurde er zum Apostolischen Vikar für die kleine Gemeinde der Koptisch-Katholischen Gläubigen bestellt. Nach seinem Tod hatten dieses Amt Priester ohne Bischofsweihe inne, die wie einige andere Koptisch-Katholische Priester zuvor zum Studium nach Rom geschickt worden waren. Entsprechend osmanischen Rechts blieben die Koptisch-Katholischen Christen im bürgerlichen Rechtsbereich aber weiterhin zu dem Millet des Koptisch-Orthodoxen Patriarchen zugehörig und waren ihm damit unterstellt, und zwar bis 1829.

1824 errichtete Rom zwar das erste Koptisch-Katholische Patriarchat, das aber nur auf dem Papier existierte, da die meisten katholischen Kopten zu diesem Zeitpunkt in den Westen emigriert waren. So konnte Papst Leo XIII. das Koptisch-Katholische Patriarchat mit Sitz in Kairo und zunächst zwei Suffraganbistümern in Oberägypten erst 1895 de facto errichten, nachdem die Zahl der Koptisch-Katholischen Gläubigen in Ägypten auf etwa 5.000 gestiegen war. Als ersten Patriarch von Alexandrien und der Kopten setzte Rom 1899 Kyrillos II. ein, der jedoch 1908 demissionierte und sogar zeitweilig die Katholische Kirche verließ. Von 1908 bis 1947 blieb der Patriarchenstuhl vakant: Er wurde durch Apostolische Administratoren verwaltet.

Seit 1947 wird der Patriarchenstuhl wieder ordentlich besetzt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts konnte sich die Koptisch-Katholische Kirche als eigene Glaubensgemeinschaft in Ägypten stabilisieren und etablieren. Besonders im Bereich der schulischen Bildung konnte sie sich ein großes Ansehen erwerben. Ihre Leistungen auf diesem Gebiet und ihre Vernetzungen nach Europa machte sie für manche orthodoxe Kopten sehr attraktiv, was zu nicht wenigen Konversionen führte. Ihre jüngste zahlenmäßige Entwicklung spiegelt dagegen lediglich das allgemeine Bevölkerungswachstum in Ägypten wider.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB