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Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei

  • Gläubigeca. 220.000 (davon etwa 2.500 in Kanada)
  • SitzPrešov (Slowakei)
  • Diözesen4 Diözesen, davon 1 in Kanada
  • Ritusbyzantinisch
  • LiturgiespracheSlowakisch / Kirchenslawisch
  • MutterspracheSlowakisch / Ruthenisch
  • KalenderGregorianisch
  • Titel des ErsthierarchenMetropolit von Prešov

Die Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei ist ursprünglich ein Teil der Ruthenischen Griechisch-Katholischen Kirche gewesen, die durch die Union von Užhorod 1646 entstanden ist. Durch die politischen Umwälzungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mussten die Ruthenen auf dem Staatsgebiet der Tschechoslowakei jedoch getrennte Wege von ihren Glaubensschwestern und -brüdern in der von der Sowjetunion annektierten Karpato-Ukraine gehen. Im Laufe der Zeit wurde das Slowakische neben dem Kirchenslawischen auch zur Liturgiesprache der Ruthenen in der Tschechoslowakei, während für die Ruthenen in der West-Ukraine das Ukrainische neben das Kirchenslawische trat.

Weitere Informationen über die Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei

Trotz der Ausprägung eigener Identitäten in ihren Heimatländern, bedingt durch den sprachlichen Unterschied, sind in der Diaspora die Slowaken nicht von den Ruthenen zu unterscheiden. Lediglich in Kanada gibt es seit 1980 mit Saints Cyril and Methodius of Toronto eine eigene Diaspora-Diözese für die slowakischen Katholiken des byzantinischen Ritus, der 2.500 Gläubige angehören.

Als Geburtsjahr der Griechisch-Katholischen Kirche in der Slowakei könnte man das Jahr 1918 bezeichnen, als nach dem Ersten Weltkrieg die Gebiete Transkarpatiens fast vollständig zum Territorium der Tschechoslowakei kamen und damit beide Ruthenischen Diözesen, nämlich die 1771 errichtete Eparchie Mukacevo und das von ihr 1818 abgetrennte Bistum Prešov, auf dem Staatsgebiet der neu gegründeten Republik lagen. Waren bis dahin alle Ruthenen Bürger der Habsburgermonarchie gewesen, waren sie nun auf verschiedene Staaten aufgeteilt (Tschechoslowakei, Ungarn und Ukraine).

Wurde die Griechisch-Katholische Kirche in der Tschechoslowakei zunächst der lateinischen Jurisdiktion unterstellt, wurde dieser wenig glücklich Zustand 1937 beendet, und die Griechisch-Katholische Diözese von Prešov wurde exemt, das heißt direkt dem Papst unterstellt und somit der Mitsprache des lateinischen Episkopats entzogen.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte eine zweite wichtige Zäsur: 1945 wurde das größte Gebiet jenseits der Karpaten von der Sowjetunion annektiert – und damit auch das Gebiet um Mukacevo –, während das Gebiet um Prešov bei der Tschechoslowakei verblieb. Alle Katholiken byzantinischer Tradition auf dem Staatsgebiet der Tschechoslowakei wurden der Griechisch-Katholischen Diözese von Prešov unterstellt. Die Ruthenen integrierten sich kulturell schnell und verwendete zunehmend auch das Slowakische als Sprache in der Liturgie, so dass es spätestens ab diesem Zeitpunkt gerechtfertigt ist, von einer eigenen Slowakischen Griechisch-Katholischen Kirche zu sprechen, auch wenn es noch heute einige wenige Dörfer gibt, in denen das Kirchenslawische als Liturgiesprache gepflegt wird.

Wurde in der ukrainischen Sowjetrepublik bereits 1949 die Ruthenische und Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche verboten und ihre Gläubigen der Russischen Orthodoxen Kirche eingegliedert, geschah im Folgejahr 1950 Vergleichbares in der Tschechoslowakei. Im April organisierte die kommunistische Staatsführung eine Versammlung der Griechisch-Katholischen Kirche, an der 747 Laien und 73 Geistliche teilnahmen. Diese Versammlung erklärte die Union mit Rom für ungültig und bat um Aufnahme in das Orthodoxe Patriarchat von Moskau. Zahlreiche Geistliche der Griechisch-Katholischen Kirche wurden daraufhin interniert oder inhaftiert, darunter auch der Griechisch-Katholische Bischof von Prešov mitsamt seinen Weihbischöfen. Die Griechisch-Katholische Kirche wurde zwangsaufgelöst, verboten und ihre Gläubigen Teil der Orthodoxen Kirche von Tschechien und der Slowakei, der 1951 vom Patriarchat von Moskau der Status der Autokephalie verliehen wurde.

Eine Wende für die nur noch im Untergrund existierende Slowakische Griechisch-Katholische Kirche bahnte sich durch die Ereignisse des „Prager Frühlings“ 1968 an: Alexander Dubcek ließ wieder Griechisch-Katholische Kirchengemeinden zu, was mehr als zwei Drittel der ehemaligen Gemeinden nutzten, um sich wieder von der Orthodoxen Kirche zu trennen und die Gemeinschaft mit Rom zu erneuern. Wurden viele Reformen Dubceks durch den Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes zunichte gemacht, so war diese Reform einige der wenigen, die nicht wieder rückgängig gemacht wurde, so dass ab 1969 die Griechisch-Katholische Kirche wieder – bei allen bestehenden Schwierigkeiten unter den Bedingungen eines kirchenfeindlichen kommunistischen Regimes – pastoral wirken konnte.


Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Tschechoslowakei 1990 und der Unabhängigkeit der Slowakischen Republik 1993 gestaltete sich die Restituierung des beschlagnahmten kirchlichen Besitzes für die Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei fast reibungslos. In den darauf folgenden Jahren stand eine Neuordnung des kirchlichen und pastoralen Lebens der Slowakischen Griechisch-Katholischen Kirche im Mittelpunkt, wozu auch eine jurisdiktionelle Neuordnung gehörte. Am 21. Februar 1997 wurde neben der bereits bestehenden Eparchie Prešov ein Apostolisches Exarchat in Košice errichtet. Am 30. Jänner 2008 wurde schließlich in Bratislava eine neue Eparchie, also Diözese, gegründet; die Eparchie Prešov wurde zum Erzbistum erhoben, dem die Eparchie Bratislava und das am selben Tag ebenfalls zur Eparchie erhobene ehemalige Exarchat Košice als Suffraganbistümer zugeordnet wurden.

Durch diese neuen kirchlichen Strukturen hat die Slowakische Griechisch-Katholische Kirche einen eigenen Ersthierarchen bekommen: den Metropolitan-Erzbischof von Prešov. Zusammen mit der staatlichen Souveränität der Slowakei und der mehrheitlich auf Slowakisch gefeierten Liturgie wird diese kirchenrechtliche Neustrukturierung sicher zur Stärkung der eigenen Identität der Griechisch-Katholischen Kirche in der Slowakei beitragen.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB