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Kirche von Tschechien und der Slowakei

  • Gläubigeca. 70.000 Gläubige, davon ca. 50.000 in der Slowakei und ca. 20.000 in der Tschechischen Republik
  • SitzPrag (Tschechische Republik)
  • Diözesenje 2 in der Tschechischen Republik und in der Slowakei
  • Statusautokephal
  • Ritusbyzantinisch
  • LiturgiespracheKirchenslawisch, teilweise auch Tschechisch und Slowakisch
  • Kalendermeletianisch
  • Titel des ErsthierarchenErzbischof von Prag, Metropolit der tschechischen Lande und der Slowakei
  • e-mailchristofor.cz@worldonline.cz

In der Slowakei wie in Tschechien ist das Gedächtnis an die beiden großen Slawenapostel Kyrill und Method äußerst lebendig, die im 9. Jahrhundert im Großmährischen Reich, auf dem heutigen Staatsgebiet der beiden jungen Republiken, gewirkt haben und das Christentum dort verankerten. Dennoch gibt es keine ununterbrochene orthodoxe Glaubenstradition für dieses Gebiet, sondern es war, aufgrund historisch-politischer Umstände, stets das Christentum in seiner westlichen Ausformung tonangebend. Auch heute sind die Gläubigen beider Staaten in ihrer Mehrheit entweder römisch-katholisch oder gehören einer der Kirchen der Reformation an.

Weitere Informationen über die Kirche von Tschechien und der Slowakei

Das Jahr 1863 kann als das Geburtsjahr der Orthodoxen Kirche in diesem Gebiet bezeichnet werden, als nämlich tschechische Politiker, im Zuge der panslawistischen Bewegung, zur Orthodoxie konvertierten. Im Laufe der folgenden Jahre schlossen sich immer mehr katholische Gläubige der Orthodoxie an: Tschechen, Slowaken, Ukrainer und Ungarn. Auch viele Priester konvertierten. So wurde 1874 die erste orthodoxe Gemeinde in Prag gegründet, die 1883 der Metropolie von Cernowitz (Ukraine) unterstellt wurde; weitere folgten.

Anfangs wurden diese jungen Gemeinden von Geistlichen aus Russland betreut, die als Seelsorger für die russischen Kurgäste bereits im Land waren. Doch nachdem sich 1904 eine große Gruppe von tschechischen Altkatholiken und später 1918, nach der Staatsgründung der Tschechoslowakei nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, viele Katholiken der Orthodoxie anschlossen, unterstellte sich ein Teil der Gläubigen dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, ein anderer dem Serbischen Patriarchen.

Die Zahl der orthodoxen Christen in der Tschechoslowakei schrumpfte jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg von 145.000 auf 40.000 Mitglieder zusammen, da Transkarpatien von der Sowjetunion annektiert wurde, wo der Großteil der Gläubigen beheimatet war. Die verbliebenen Gläubigen auf dem Gebiet der Tschechoslowakei konstituierten sich 1946 neu und unterstellten sich dem Schutz des Moskauer Patriarchats, welches 1951 diese Kirche in die Autokephalie entließ.

Basis für diesen Schritt war die Tatsache, dass ein Jahr zuvor die Griechisch-Katholische Kirche in der Slowakei von staatlicher Seite aufgelöst wurde und ihre Gläubigen zum Übertritt in die Orthodoxe Kirche veranlasst wurden, was zu einer Verdopplung der Anzahl ihrer Mitglieder führte. 1968 während des Prager Frühlings und besonders 1989 nach der Revolution kehrten viele von ihnen aber wieder zur Griechisch-Katholischen Kirche in der Slowakei zurück. Aber nicht nur die Griechisch-Katholische Kirche sondern auch die Orthodoxe Kirche in der Tschechoslowakei hatte während der Zeit der kommunistischen Herrschaft einen schwierigen Überlebenskampf durchzustehen, da fast ihr gesamtes Kirchengut von staatlicher Seite enteignet wurde.

Mit dem Revolutionsjahr 1989 konnte die Kirche sich neu restituieren. Die Trennung der Tschechoslowakei in zwei souveräne Staaten 1993 führte zur Bildung je einer eigenen Kirchenprovinz für Tschechien und für die Slowakische Republik. Das gemeinsame Oberhaupt beider Metropolitanprovinzen (Prag und Prešov) sitzt in Prag. Der theologische Nachwuchs wird jedoch seit 1997 an der Orthodoxen Theologischen Fakultät der neu gegründeten Universität in Prešov (Ost-Slowakei) ausgebildet.

Seit September 1998 wird auch vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel die Orthodoxe Kirche von Tschechien und der Slowakei als autokephale Kirche anerkannt, nachdem das Patriarchat von Moskau ihr diesen Status bereits im Dezember 1951 einseitig zuerkannt hatte.

Die Orthodoxe Kirche von Tschechien und der Slowakei gehört dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) bereits seit dem Jahr 1965 an.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB