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Griechisch-Katholische Kirche in Ungarn

  • Gläubigeca. 290.000
  • SitzNyiregyhaza (Ungarn)
  • Diözesen1 Diözese und 1 Apostolisches Exarchat in Ungarn
  • Ritusbyzantinisch
  • LiturgiespracheUngarisch
  • Kalendergregorianisch
  • Titel des ErsthierarchenBischof von Hajdúdorog

Der Griechisch-Katholischen Kirche in Ungarn merkt man heute kaum noch an, dass am Anfang ihrer Geschichte eine Vielvölker-Melange stand, die sich durch zwei Merkmale auszeichnete: Sie bestand aus Christen des byzantinischen Ritus und aus Nicht-Ungarn.

Weitere Informationen über die Griechisch-Katholische Kirche in Ungarn

Durch die militärische Invasion der osmanischen Türken im 15. bis 17. Jahrhundert in Südosteuropa suchten nicht wenige Serben, Ruthenen, Slowaken und Griechen Zuflucht in Ungarn. Die meisten von ihnen unterstellten sich als Christen den jeweiligen ungarischen Römisch-Katholischen Ortsbischöfen, ohne aber ihre östliche Glaubenspraxis und ihren byzantinischen Ritus aufzugeben.

Im 18. Jahrhundert entdeckte eine größere Gruppe von ungarischen Protestanten den christlichen Glauben in seiner östlichen Tradition für sich und konvertierte zur Griechisch-Katholischen Kirche. Durch diesen Schritt war die Griechisch-Katholische Kirche in Ungarn keine „Ausländerkirche“ mehr, sondern integrierte sich zunehmend in die ungarische Gesellschaft und Kultur. Wurde bis dahin die Liturgie in den Gemeinden meist in Kirchenslawisch gefeiert, wurde 1795 – auf private Initiative hin – die erste ungarische Übersetzung der Chrysostomus-Liturgie veröffentlicht. Im 19. Jahrhundert wurden schrittweise immer mehr liturgische Texte ins Ungarische übersetzt und die Gottesdienste zunehmend in ungarischer Sprache gefeiert.

Anlässlich des Heiligen Jahrs 1900 pilgerte eine große Gruppe Griechisch-Katholischer Ungarn zu Papst Leo XIII. nach Rom; diese baten ihn um die Errichtung einer eigenen Diözese für die Gläubigen ihres Ritus in Ungarn und um die offizielle Zulassung des Ungarischen als Liturgiesprache. Nach einem diplomatischen Tauziehen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Ungarn konnte Papst Pius X. im Juni 1912 schließlich die Diözese von Hajdúdorog mit Sitz in Nyíregyháza für die ungarischsprachigen Griechisch-Katholischen Gläubigen in Ungarn errichten. Verbunden mit der Schaffung dieser Diözese war die Aufforderung Griechisch als Liturgiesprache zu verwenden, was aber nie umgesetzt wurde, zumal die Wirren des Ersten Weltkriegs ihr Übriges taten.

1924 errichtete der Heilige Stuhl ein Apostolisches Exarchat in Miskolc für die ruthenischen Pfarren der Diözese Prešov in Ungarn. Durch die Gründung der Tschechoslowakei 1918 war nämlich nur noch ein kleiner Teil des Territoriums der Diözese politisch bei Ungarn verblieben. Die Ruthenen feierten zwar anfangs ihre Liturgie noch auf Kirchenslawisch, wechselten aber bald zum Ungarischen, so dass schon seit 1940 das Exarchat von Miskolc vom Bischof von Hajdúdorog mitverwaltet wurde. Seit 1980 ist der Bischof von Hajdúdorog in Personalunion auch Apostolischer Administrator von Miskolc, was daran liegt, dass in diesem Jahr die Jurisdiktion des Bischofs von Hajdúdorog auf alle Katholiken des byzantinischen Ritus, die in Ungarn leben, ausgeweitet wurde.

Während der Zeit des kommunistischen Regimes hatte die Griechisch-Katholische Kirche in Ungarn, ebenso wie die anderen Kirchen, Verfolgung und Diskriminierung zu erleiden. Seit 1988 kann sie in Freiheit wieder pastoral tätig sein: Viele kirchliche Gebäude wurden und werden wieder instand gesetzt, in Nyíregyháza wurde eine neue Theologische Hochschule für die Ausbildung des eigenen Priesternachwuchses gebaut, und die Zahl der Gläubigen wächst seit dem Fall des Kommunismus stetig. Waren es nach der Wende nur knapp über 200.000 Katholiken des byzantinischen Ritus, strebt ihre Zahl mittlerweile gegen 300.000. Obgleich sich nicht einmal drei Prozent der Gesamtbevölkerung Ungarns zur Griechisch-Katholischen Kirche bekennen, ist sie eine Kirche mit einer vitalen Ausstrahlungskraft, die in manchen Gebieten Nordostungarns die prägende Religionsgemeinschaft ist.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB