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Imperativ des christlichen
Gewissens.

Erzbischof Alfons Nossol (Oppeln)

Pro Oriente

Wiener Konsultationen

Konsultationen mit den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen

Die PRO ORIENTE Konsultationen von Römisch-Katholischen mit Orientalisch-Orthodoxen Theologen fanden in zwei Phasen statt: Die erste Phase umfasst die sogenannten Wiener Konsultationen (1971-1988), die zweite Phase begann 1991 und endete vorläufig mit dem Beginn des offiziellen Katholisch-Orientalisch-Orthodoxen Dialogs im Januar 2004.

3. Wiener Altorientalenkonsultation 1976

Ausgangssituation

Die Beziehungen zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und der Koptisch-Orthodoxen Kirche wurden im Jahre 1968 durch ein außerordentliches Ereignis schlagartig verbessert: Der Vatikan übergab anlässlich des Gedenkjahres der Koptischen Kirche an den Hl. Markus und die Christianisierung Ägyptens Reliquien des Hl. Markus an die Koptische Kirche, welche vor 1000 Jahren nach Venedig gebracht worden waren.
Die Idee einer Begegnung von orientalisch-orthodoxen mit römisch-katholischen Theologen entstand im Juli 1970. Zur Realisierung der Idee haben zwei Persönlichkeiten aufgrund ihrer Erfahrung und Kontakte entscheidend beigetragen:
- Der damalige Vorsteher und spätere Erzbischof der Armenischen Kirche in Österreich Dr. Mesrob K. KRIKORIAN mit seinen Erfahrungen von Theologenkonsultationen zwischen den Orthodoxen Kirchen der byzantinischen und der orientalischen Tradition (Aarhus 1964, Bristol 1967, Genf 1970 und Addis Abeba 1971)
- Die Kontakte von Msgr. Otto MAUER, dem Vorsitzenden des theologischen Beirats von PRO ORIENTE
Wesentlich war auch der Besuch des damaligen syrischen Erzbischofs von Bagdad und Basrah und späteren Patriarchen Mar Zakka Iwas, Patriarch der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochia bei PRO ORIENTE im Juni 1971 in Wien.

Arbeitsweise und Ziele

Die Teilnehmer der Konsultationen wurden eingeladen, ihre zuständigen kirchlichen Autoritäten über den Zweck der Gespräche und ihre – nicht-offizielle – Natur zu informieren. Sie nahmen als Experten ohne ein offizielles Mandat an den Wiener Konsultationen teil. Diese Vorgangsweise erwies sich auch in Zukunft als ein geeigneter Weg und eine Voraussetzung für den Erfolg zahlreicher Begegnungen sowohl mit den Orientalisch-Orthodoxen als auch mit den Byzantinisch-Orthodoxen Kirchen.
Gegenstand der Gespräche von PRO ORIENTE mit Theologen aus den verschiedenen Kirchen waren jene Probleme, die zur Spaltung auf dem Konzil von Chalzedon (451) geführt hatten. Man beriet über Wege, die die Ursachen der damaligen Trennung der beiden Kirchenfamilien beseitigten könnten.

Beurteilung und Ergebnisse

- Ergebnisse der fünf Konsultationen
Mit den fünf nicht-offiziellen Konsultationen, den sogenannten Wiener Konsulationen zwischen Theologen der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen und der Römisch-Katholischen Kirche, begann die über mehr als 15 Jahrhunderte entstandene Entfremdung zu heilen und das gegenseitige Vertrauen wuchs.

- Der erfolgreichste Durchbruch ereignete sich anlässlich der ersten Wiener Konsultation im Jahre 1971: Dank der Intervention von Amba Shenuda – er wurde wenige Wochen später zu Shenuda III. Nachfolger des Hl. Markus auf dem Stuhl von Alexandrien – kam es damals zur sogenannten Wiener Christologischen Formel, die die christologischen Auseinandersetzungen über das Wesen Jesu Christi zwischen Ost und West beenden sollte. Diese Formel wurde später in die offiziellen Gemeinsamen Erklärungen aufgenommen, die von Papst Paul VI. und Papst Johannes Paul II. auf der einen Seite und von Patriarch Shenouda III. sowie den Patriarchen Yacub III. und Zakka I. Iwas und anderen Oberhäuptern der Orientalischen Kirchen auf der anderen Seite unterzeichnet wurden.

- Die Wiener Konsultationen haben darüber hinaus noch zwei bilaterale Dialoge angestoßen: den offiziellen Dialog zwischen der Römisch-Katholischen und der Koptisch-Orthodoxen Kirche, der 1973 begann, und die offizielle Gemeinsame Internationale Kommission für den Dialog zwischen der Römisch-Katholischen Kirche und der Malankara-Orthodoxen Kirche von Indien, die ihre Arbeit 1989 aufnahm. Auch die aus Vertretern des Vatikans und der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen bestehende offizielle Dialogkommission, die im Jahre 2004 ihre Arbeit in Kairo aufnahm, greift auf die inoffiziellen Ergebnisse der Theologengespräche von PRO ORIENTE zurück.

- Studienseminare und Regionalsymposien (1991-2004)
Im Jahre 1989 errichtete PRO ORIENTE ein Standing Committee aller am Dialog beteiligten Orientalisch-Orthodoxen Kirchen zur Durchführung von Studien über Themen, die bei den vorangegangen fünf Wiener Konsultationen zwar angeschnitten wurden, aber weiterer wissenschaftlicher Bearbeitung bedurften.

Veranstaltungen

Viertes Regionalsymposium mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen
Mehr als hundert Theologen, Seelsorger, Ökumenebeauftragte und auch ökumenisch interessierte Laien aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz und Österreich, darunter auch nach Mitteleuropa zugewanderte orientalisch-orthodoxe Christen aus Ägypten, Syrien, der Türkei, Armenien, Äthiopien und Indien, haben am Regionalsymposium teilgenommen, das im Koptisch-Orthodoxen Zentrum des St. Antonius Klosters in Waldsolms-Kröffelbach (Deutschland) stattfand. Die theologischen ...

Viertes Studienseminar mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen
Autorität und Jurisdiktion
"Autorität und Jurisdiktion" sind eine der letzten Bastionen, die den Weg zur Einheit der Kirche behindern. Bei der historischen Entwicklung der Kirchen in Ost und West entstanden verschiedene Autoritätsstrukturen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene. Durch die Globalisierung bekommt auch für die vormals „lokalen“ Kirchen durch Mission und Diaspora die Frage des Primats eine neue Bedeutung. Das Seminar war auch teilweise eine Antwort auf den Aufruf des Papstes in seiner ...

Drittes Regionalsymposium mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen
Das dritte Regionalsymposium fand an der maronitischen Saint Esprit-Universität in Kaslik bei Beirut (Libanon) statt. Das Symposium unterschied sich dadurch, dass zum ersten Mal auch Vertreter der assyrischen Kirche des Ostens daran teilnahmen und der „Middle East Council of Churches“ aktiv in die Vorbereitungen des Regionalsymposiums eingebunden war. Auch dieses Regionalsymposium diente der Verbreitung der bisherigen Ergebnisse im inoffiziellen Gespräch mit den orientalisch-orthodoxen ...

Drittes Studienseminar mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen
Ekklesiologie und Einheit der Kirche
Vorgelegt wurde eine vergleichende Studie über die Ekklesiologien der katholischen und der orientalischen Kirchen mit einem Schwerpunkt auf den orientalisch-katholischen Kirchen. Es wurde festgestellt, dass die orientalisch-orthodoxen und orientalisch-katholischen Kirchen eine teilweise verschiedene, wenn nicht gar widersprechende, Schreibung ihrer gemeinsamen Geschichte haben, die zu Misstrauen und Missverständnissen führte. Weiters wurde die Rolle der orientalisch-katholischen ...

Zweites Regionalsymposium mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen
Das zweite Regionalsymposium fand auf Einladung von Baselios Mar Thoma Mathews II., Katholikos der autokephalen Malankara Orthodox-Syrischen Kirche des Ostens, und von Mar Baselios Paulose II, Katholikos der Syrisch-Orthodoxen Kirche des Patriarchats von Antiochien in Kottayam / Kerala (Südindien), statt. Es diente wie auch das erste Regionalsymposium der Verbreitung der Ergebnisse der fünf Wiener Konsultationen auf lokaler Ebene in den Ursprungsländern der orientalisch-orthodoxen Kirchen. ...

Zweites Studienseminar mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen
Konzile und Konziliarität
Auf inoffizieller Ebene konnten am Schluss des zweiten Studienseminars bereits eine Reihe von Übereinstimmungen zwischen den Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche formuliert werden, die im Kommunique festgehalten wurden.

Erstes Regionalsymposium mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen
Auf seiner konstituierenden Sitzung am 30. Juni 1989 beschloss das Standing Committee die Resultate der Wiener Konsultationen der letzten 20 Jahre auf lokaler Ebene, d.h. in den Heimatländern der orientalisch-orthodoxen Kirchen, an der „Basis“ bekannt zu machen, ebenso wie die daraus resultierenden gemeinsamen Erklärungen von Oberhäuptern der orientalisch-orthodoxen Kirchen mit der römisch-katholischen Kirche. Das erste Regionalsymposium war der Region des Nahen und Mittleren Ostens ...

Erstes Studienseminar mit Vertretern der orientalisch-orthodoxen Kirchen
Über den Primat
Thema des ersten Studienseminars 1991 war die Frage des Primats, zunächst die theoretische Darlegung und anschließend die praktische Ausübung in den verschiedenen Kirchen. Nach einem Rückblick auf die Aussagen über den Primat während der fünf Wiener Konsultationen wurden graphische und systematische Beschreibungen der Ausübung der Autorität vorgelegt.

Fünfte Wiener Konsultation mit Vertretern der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen
Nach der Tagung 1978 entstand eine zehnjährige Zwangspause durch das Exil von Papst Shenouda III. in Wadi Natrun nach der Ermordung des ägyptischen Präsidenten Anwar as Sadat durch radikale Muslime.
Die Tagesordnung der Fünften Ökumenischen Konsultation zwischen Theologen der orientalisch-orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche umfasste folgende Themen: einen Rückblick auf die früheren Konsultationen von 1971, 1973, 1976 und 1978 mit ihren theologischen ...

Vierte Wiener Konsultation mit Vertretern der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen
Die „Vierte nichtoffizielle Wiener Konsultation zwischen Theologen der altorientalischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche“ hatte das Wesen und die Reichweite des Primats in der Ausübung der kirchlichen Autorität zum Hauptthema. Es ging dabei also nicht bloß um den Universalprimat der römischen Kirche, sondern auch um die Primate der Patriarchen in den orientalisch-orthodoxen Einzelkirchen. Was die Autoritäten der Patriarchen angeht, wurden von den Vertretern der ...

Dritte Wiener Konsultation mit Vertretern der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen
Bei der Tagung wurde nach der Rekapitulation der beiden vorangegangenen Konsultationen ein neuer Schritt nach vorne gemacht, indem das gegenseitige Kirchenverständnis, also Ekklesiologie in Ost und West, und besonders die Idee des Konzils zum Thema von Vorträgen und Diskussionen gemacht wurden. Den Abschluss der Gespräche bildeten Überlegungen mit dem Ziel, zu praktischen Folgerungen aus den drei bisherigen Wiener Konsultationen zu kommen, vorgetragen von Bischof Amba Samuel, Kairo, von ...

Zweite Wiener Konsultation mit Vertretern der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen
Als die zweite "nichtoffizielle ökumenische Konsultation zwischen Theologen der altorientalischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche“ am 9. September 1973 zu Ende ging, ahnte niemand, dass der Arbeit von PRO ORIENTE, die diese Begegnungen initiiert hatte, eine ernste Prüfung bevorstand. Unerwartet starb am 3. Oktober 1973 Msgr. Otto Mauer, der diese Arbeit beflügelt hatte, und die neuen Kriege im Nahen Osten beeinträchtigten auch in ihren Nachwirkungen die Verbindungen zu den ...

Erste Wiener Konsultation mit Vertretern der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen
1971 fand in Wien die erste „nichtoffizielle ökumenische Konsultation zwischen Theologen der altorientalischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche" statt. Der Päpstliche Einheitsrat entsandte zu diesem Gespräch einen Beobachter.
Aufgabe der Konsultation war es, die gemeinsame Glaubensüberzeugung gemeinsam zu interpretieren, historische Missverständnisse (auch terminologischer Art) auszuräumen und in völliger Freiheit einerseits, in Gebundenheit an die jeweilige ...