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Patriarch Danie I. Ciobotea

Pro Oriente

Evangelische Ostkirchen

Im 19. Jahrhundert kam es in den Ländern des Nahen Ostens, Nordafrikas und Indiens verstärkt zu Missionsaktivitäten von lutherischer, reformierter und anglikanischer Seite. Aus diesen Missionsbestrebungen sind eigene Kirchen hervorgegangen, die eine reformatorische Theologie mit dem liturgischen Erbe ihrer orientalischen Mutterkirchen verbinden, von denen sie sich abgespalten haben.

Weitere Informationen über die Evangelischen Ostkirchen

So entstanden die Assyrische Evangelische Kirche, die Koptische Evangelische Kirche von Ägypten oder die Armenisch-Evangelische Kirche. Letztere ist vor allem in Marseille in Frankreich mit einer nennenswerten Diasporagemeinde vertreten. Generell handelt es sich bei all diesen Kirchen aber um sehr kleine Gemeinschaften.
Einzig in Indien konnte sich Mitte des 19. Jahrhunderts eine Evangelische Ostkirche von beachtlicher Größe entwickeln, und zwar die Malankara Mar Thoma Syrian Church of India, die, wie die anderen indischen Ostkirchen, ihr Zentrum im südindischen Bundesstaat Kerala hat: Ihr Oberhaupt sitzt in Thiruvalla und trägt den Titel Metropolit. Die Mar Thoma Kirche hat etwa 900.000 Gläubige. Sie steht in Glaubens- und Kommuniongemeinschaft mit der Anglikanischen Kirche und feiert ihre Liturgie nach dem westsyrischen Ritus.
Ebenfalls in Indien beheimatet ist die schon 1772 entstandene Malabar Independent Syrian Church, dessen Metropolit in Thozhiyur in Kerala sitzt. Sie steht wie die Mar Thoma Kirche ebenfalls in Glaubens- und Kommuniongemeinschaft mit der Anglikanischen Kirche und feiert ebenso ihre Liturgie im westsyrischen Ritus. Zu ihr gehören aber lediglich knapp 10.000 Gläubige. – In Kerala existiert daneben noch die St. Thomas Evangelical Church of India, die sich 1952 von der Mar Thoma Kirche abgespalten hat und etwa 120.000 Gläubige umfasst. Sie ist stärker evangelikal ausgerichtet und presbyterianisch verfasst.

Nikodemus C. SCHNABEL OSB