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Julianischer Kalender

[Julianisch, der julianische Kalender, julianisch]

Nach seinen Aufenthalt in Ägypten wurde 46 v. Chr. der römische Politiker und Feldherr Julius Caesar zur großen Kalenderreform angeregt, die er ein Jahr später durchführen ließ, weil der alte römische Mondkalender längst nicht mehr mit den Tatsachen des Sonnenjahres übereinstimmte. Er stellte den römischen Kalender nach ägyptischem Vorbild auf das Sonnenjahr um und kombi-nierte die ägyptische Wochenzählung mit der altrömischen Monatszählung, wobei er den Mona-ten neue Namen gab, darunter seinen eigenen für den siebten Monat des Jahres, was seinen Nachfolger und Erben Augustus veranlasste, es seinem Großonkel und Adoptivvater gleichzutun und sich den achten Monat zu reservieren. Kaiser Commodus versuchte ähnliches nochmals Ende des 2. Jh.s, doch setzten sich seine Pläne nicht durch.
Caesars Reformen im Einzelnen betreffen die Jahreseinteilung: er schuf das Jahr mit 365 Sonnentagen, dem alle vier Jahre ein 366. Schalttag hinzugefügt wurde (alle durch vier teilbaren Jahre!), um das Sonnenjahr mit dem astronomischen Jahr im Gleichgewicht zu halten. Caesars Beratern war die Fehlberechnung von 11 Minuten 13 Sekunden genauso bewusst wie die Tatsache, dass sie das tropische und das siderische Jahr (um 21 min 9 sec länger) aufeinander abstimmen mussten, doch bedeutete die Umstellung auf zwölf Monate ohne Schaltmonate oder ohne die fünf Schalt-tage (des griechischen und orientalischen Kalenders) einen Einschnitt, der groß genug war, um eine Genauigkeit herbeizuführen, die bislang unbekannt war. Deshalb unterließen sie die letzte Konsequenz, war doch der Julianische Kalender allen Berechnungen seiner Zeit an Genauigkeit überlegen und zudem der Kalender des Imperiums, was seine allgemeine Verbreitung in ganz Europa zur Folge hatte.
Das hatte zur Folge, dass der Julianische Kalender nach etwa 128 Jahren – also im Jahr 83 n. Chr. (je nachdem, wie man die Fehler von Exiguus bewertet!) – an den Frühlingsäquinoktien wieder um einen Tag vom astronomischen Kalender abwich, was sich seither auf insgesamt 13 Tage vermehrt hat, die der Julianische Kalender vom astronomischen Jahr abweicht.
Außer der armenisch-apostolischen und der griechisch-orthodoxen Kirche haben alle orthodoxen Ostkirchen bis heute den Julianischen Kalender, während die mit Rom verbundenen Ostkirchen teilweise den Gregorianischen Kalender angenommen haben und vor allem die Gemeinden in der Diaspora unsicher geworden sind, wann sie Ostern feiern sollen. Ähnliches gilt für Orthodoxe, die wie in Polen, der Slowakei oder Finnland in ihren Ländern Minderheiten sind.

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