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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Filioque

Mehr als ein einzelner theologischer Sachverhalt ist das so genannte Filioque ein Verständnisschlüssel für den wohl größten und am längsten andauernden Konflikt in der Beziehungsgeschichte zwischen dem lateinischen Westen und dem byzantinischen Osten und den Kirchen, die sich hieraus entwickelt haben. Hinter dem Filioque verbirgt sich eine auf den ersten Blick zweifache, in Wahrheit durchaus noch vielfältigere theologische Spannung: a) Zwischen dem 8. und dem 11. Jhdt. vollzog sich im Westen die schrittweise Einfügung dieses Wortes Filioque in das in der Liturgie gebetete Glaubensbekenntnis, das so genannte Nicaeno-Constantinopolitanum. Dieses war im 4. Jhdt. entstanden und ist bis heute das gemeinsame Glaubensbekenntnis der christlichen Kirchen. Das Filioque bezeichnet darin den Hervorgang des Hl. Geistes nicht nur aus dem Vater, wie es der Osten bis heute bekennt, sondern „aus dem Vater und dem Sohn“ (ex Patre Filioque). Da es sich um eine einseitige, westliche Einfügung handelte und man den Osten nicht in diesen Prozess einbezogen hatte, konnte ein Autoritätskonflikt entstehen, in dem nach der Rechtmäßigkeit und Gültigkeit von gesamtkirchlichen Glaubensentscheidungen gefragt wird. b) Damit einher ging der theologische Streit: In welcher Hinsicht und mit welcher biblischen und theologischen Begründung kann der Sohn als Quelle und Ursprung des Heiligen Geistes gesehen werden? Es gibt bis heute Spannungen zwischen bestimmten theologischen Positionen hierzu, deren Aufarbeitung im Zuge ökumenischer Dialoge noch nicht abgeschlossen ist. (Dr.in Andrea Riedl)

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