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Franz König

Pro Oriente

Erzbischof Sako:

“Die Leute, die hinter den Attentaten stehen, wollen, dass es in der Erdölmetropole keine Christen mehr gibt”

“Die Leute, die hinter den Attentaten stehen, wollen, dass es in der Erdölmetropole keine Christen mehr gibt”

Bagdad, 19.08.11 (poi) Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, hat seine tiefe Sorge über die jüngsten Bombenanschläge auf christliche Kirchen in der nordirakischen Erdölmetropole betont. Seit Anfang August hatte es in Kirkuk Attentate auf ein syrisch-katholisches, ein presbyterianisches und ein syrisch-orthodoxes Gotteshaus gegeben. Nach einem Besuch in der syrisch-orthodoxen Kirche St. Efrem, die in der Nacht zum Montag Ziel eines Anschlags war, sagte der Erzbischof, der mit der Wiener Stiftung “Pro Oriente” besonders verbunden ist: “Die in der Kirche versammelten Menschen waren immer noch unter Schock. Sie fragten immer wieder: Warum unsere Kirche? Aber es gibt keine Antwort auf diese Frage, keine Rechtfertigung für diese Anschläge. Wir Christen spielen keine Rolle in der Politik. Wir machen niemandem Probleme. Der einzige Grund, warum man uns angreift, besteht darin, dass wir Christen sind. Vielleicht wollen die Leute, die hinter den Attentaten stehen, dass es in der Stadt keine Christen mehr gibt. Ich bitte um das Gebet der Christen in aller Welt”.

Bei dem Anschlag am Montag um 1.30 Uhr in der Nacht wurde zwar niemand verletzt, aber die Wucht der Explosion war beträchtlich. Erzbischof Sako wurde in seinem mehrere hundert Meter von der syrisch-orthodoxen Kirche St. Efrem entfernten Haus aus dem Bett gerissen, als sämtliche Fensterscheiben zu Bruch gingen.

Schon nach dem Attentat auf die syrisch-katholische Kirche zur Heiligen Familie am 2. August .- bei dem mehr als ein Dutzend Menschen verletzt wurden – hätten fünf christliche Familien Kirkuk verlassen, berichtete Erzbischof Sako. Insgesamt seien in den letzten 30 Jahren “tausende christliche Familien” aus der Erdölmetropole emigriert. Wörtlich meinte der chaldäisch-katholische Erzbischof: “Der Exodus der Christen geht weiter. Das ist eine große Belastung für jene Christen, die in der Stadt bleiben wollen. Wie lange können sie dem Druck standhalten, auf und davon zu gehen?” Der Gouverneur der Provinz habe ihm versprochen, dass die Regierung die Bewachung der Kirchen verbessern und für die Reparatur der Schäden aufkommen werde, so Sako. Aber auf lange Sicht seien solche Maßnahmen zu wenig, die Sorgen der Christen hätten offensichtlich keine Priorität für die Regierung in Bagdad: “Was können wir Christen tun? Wie sollen wir für die Zukunft planen?”

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