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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Termine

Oktober 2005

Donnerstag
13. Oktober 2005
19:00
Die Russisch-Orthodoxe Kirche nach 1989
Vortrag
  • Datum13. Oktober 2005, 19:00
  • Ort
      Diplomatische Akademie, Favoritenstraße 15a, 1040 Wien
  • SektionWien
  • Statusöffentlich

Moskau Auferstehungskirche Kadaschi Detailansicht


Den Wortlaut des Vortrages von Archimandrit Ekonomzev können Sie hier lesen und downloaden:
http://www.pro-oriente.at/dokumente/vortrag/Ekonomzev2005.doc

In seinem Referat ging Archimandrit Ekonomzev auf die
aktuellen Herausforderungen für die Russische Orthodoxe Kirche ein und zeigte Perspektiven auf, wie das Moskauer Patriarchat diesen begegnet. Diese Herausforderungen sind vor allem: Säkularisierung, Globalisierung, Folgen des Sowjetsystems wie Atheismus und der Verlust moralischer Grundsätze. Insbesondere macht das Engagement anderer christlicher Kirchen und die fast unkontrollierte Invasion pseudochristlicher esoterischer Bewegungen in das sogenannte „kanonische Territorium“ der Russischen
Orthodoxen Kirche zu schaffen.

Zu Zeiten der Sowjetunion wurde die Religion verdrängt, der Atheismus war allgegenwärtig. Der Russischen Orthodoxen Kirche wird vorgeworfen, keinerlei Widerstand gegen den Staat geleistet zu haben. Nach 70 Jahren der Sowjetmacht hatten mehr als zwei Generationen kaum Beziehungen zur Kirche und waren mit dem Glaubensleben nur minimal vertraut.

In der Endphase des kommunistischen Regimes kam es in dem Maße, wie die Krise des Systems offenkundig wurde, in Russland zu einem neuen Interesse an Religion und Kirche, dem sogenannten „Hunger nach Transzendenz“, insbesondere unter Jugendlichen und Intellektuellen.

Viele erwarteten nach der Wende einen neuen Aufschwung des religiösen und kirchlichen Engagements. Die Umstellungsprobleme der orthodoxen Kirche in Russland waren jedoch groß. Man warf ihr vor, sie verharre völlig in ihren alten Strukturen und sei schwach in einer eigenständigen sozialen und gesellschaftlichen Tätigkeit.

Der Vortrag von Archimandrit Ekonomzev findet im Rahmen der 3. Tagung zur christlichen Anthropologie vom 13. bis 15. Oktober in Wien zum Thema: „Sinn und Grenzen der menschlichen Freiheit“ (in Kooperation mit dem Möhler-Institut (Paderborn) und der Russländischen Orthodoxen Universität zum hl. Johannes dem Theologen (Moskau)) statt.

Referent:
Archimandrit Ioann EKONOMZEV
wurde am 4. Juli 1939 in Moskau geboren.
1963 beendete er das Studium an der philologischen Fakultät der Moskauer Staatlichen M.I. Lomonossow-Universität, sein Fachgebiet war die klassische Philologie. Seit seinen Studientagen blieb ihm die Liebe zur antiken Kultur erhalten und zu Griechisch und Latein.

Danach unterrichtete er einige Jahre an einer Schule, arbeitete im Kultusministerium (bis 1970), danach in einer Stabsstelle des Außenministeriums.

Er verbrachte 5 Jahre in Griechenland als Mitarbeiter der Botschaft (1971 bis 1976). Hier fand eines der wichtigsten Ereignisse in seinem Leben statt. Er traf den heutigen Patriarchen von Moskau und ganz Russland, damals noch Metropolit von Tallin und Estland, Aleksij.

Während seines Aufenthaltes in Griechenland besuchte er den Heiligen Berg Athos und war entzückt von der Schönheit und Harmonie des orthodoxen Gottesdienstes. 1979 verließ er den diplomatischen Dienst und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter (Assistent) am Institut für Umfassende Geschichte der Akademie der Wissenschaften der UdSSR auf dem Gebiet der Byzantinistik. Gegenstand seiner wissenschaftlichen Arbeiten waren die Werke byzantinischer Schriftsteller, die gleichzeitg auch Kirchenväter waren.

1986 weihte ihn Metropolit Aleksij zum Diakon und noch im selben Jahr zum Priester. Im Jahre 1987 wurde er zum Erzpriester ernannt. Einige Jahre arbeitete er als verantwortlicher Sekretär des Unterrichtskomitees des Moskauer Patriarchats, unter der unmittelbaren Leitung von Metropolit Aleksij. In dieser Zeit führte er aktive theologische und kirchenhistorische Studien durch, die im Journal des Moskauer Patriarchats publiziert wurden, und im Vestnik (Jahrbuch) der Russischen Christlichen Bewegung, im Journal "Vybor" und im Almanach "Theologische Arbeiten" und anderen Druckerzeugnissen.

Im Jubiläumsjahr "1000 Jahre Jahre seit der Taufe der Rus'" (1988) nahm Erzpriester Igor (Ekonomzev) an mehreren internationalen wissenschaftlichen Konferenzen teil.

1989 erschien im größten russischen Auslandsverlag INKAPRESS ein Sammelband mit Artikeln des Erzpriesters Igor (Ekonomzev) mit dem Titel: "Orthodoxie. Byzanz. Russland". Diese Arbeit brachte dem Autor die verdiente Bekanntheit nicht nur in kirchlichen Kreisen, sondern auch im Kreise der Byzantinisten. In dieser Arbeit gibt er einen Überblick und eine Analyse des Erbes von Kyrill und Method in Russland im breiten Zusammenhang mit der Entwicklung des russischen theologischen Denkens.

1989 wurde Igor Mönch und nahm den Namen Ioann an (zu Ehren des Heiligen russischen Ioann, des Bekenners; +1730).

Als Leiter der Vereinigung der Orthodoxen Bruderschaften wirkte Abt Ioann aktiv mit an der Belebung des kirchlich-gesellschaftlichen Lebens in der Gemeinden der russisch-orthodoxen Kirche. Seit der Wahl des Metropoliten Aleksij zum Patriarchen von Moskau und ganz Russland, 1991, leitet er bis heute die Abteilung des hl. Synod für Religionserziehung und Katechisierung des Moskauer Patriarchats.

Seit 1991 ist er auch der Vorsteher des Patriarchenhofes des Großen Petersklosters in Moskau. Er gründete 1992 die Russische Orthodoxe Universität zum hl. Johannes dem Theologen, dessen Rektor er bis heute ist.

Archimandrit Ioann ist gewähltes ordentliches Mitglied der Russischen Akademie der Naturwissenschaften, der Internationalen Akademie der Wissenschaften für pädagogische Ausbildung, der russischen Ökologischen Akademie, er ist korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie für Bildungswesen.

Programm

    Begrüßung

    Dr. Johann Marte
    Geschäftsführender Präsident von PRO ORIENTE

    Vortrag
    Die Russisch-Orthodoxe Kirche nach 1989

    Archimandrit Ioann EKONOMZEV (Moskau)
    Rektor der Russländischen Orthodoxen Universität zum hl. Johannes dem Theologen (Moskau) und Leiter der Abteilung für Katechese im Moskauer Patriarchat

    Anschließend Diskussion und Empfang.

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