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Wenn die großen nichts
machen, dann sollen die
kleinen beginnen.

Kardinal Franz König

Pro Oriente

Termine

April 2009

Donnerstag
23. April 2009
19:00
Ost und West im Dialog

Aktuelle Themen und gegenwärtiger Stand im Gespräch mit den Kirchen des Ostens

Vortrag
  • Datum23. April 2009, 19:00
  • Ort
      Großer Festsaal der Universität Wien
      Dr. Karl Lueger Ring 1, 1010 Wien
  • SektionWien
  • Statusöffentlich

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien feiert im Jahr 2009 ihr 625-jähriges Jubiläum. Mit mehreren Festveranstaltungen - darunter dem Vortrag von Kardinal Kasper - gedenkt sie ihrer Gründung am 21.2.1384.


Der Einheit stehen noch tiefe theologische Verständnisprobleme entgegen
Kardinal Dr. Walter Kasper forderte in Wien zu Realismus im ökumenischen Dialog und Vertrauen auf den Heiligen Geist auf.

Ost und West im Dialog
Aktuelle Themen und den gegenwärtigen Stand im Gespräch mit den Kirchen des Ostens erläuterte Kardinal Dr. Walter Kasper am 23.4.2009 an der Universität Wien. Der große Festsaal war bis zum letzten Platz gefüllt, über 400 Besucher - darunter Klerus, Schwestern, Studenten, Professoren, der Botschafter Italiens und andere Botschafter, Ministerialbeamte, Vertreter anderer Kirchen - hörten stehend oder sitzend die Ausführungen des Gastes der Katholisch-Theologischen Fakultät und der Stiftung PRO ORIENTE

Der Kurienkardinal und Präsident des Rates zur Förderung der Einheit der Christen stellte seine Einschätzung der Ökumene mit den Ostkirchen dar. Der Dialog habe eine Tradition von 2000 Jahren, weil schon von Anfang an die Kirchengeschichte von Konflikten gekennzeichnet sei. Entfremdung und Dialog seien gleich alt. Der Kardinal erläuterte, wie es schließlich zur äußersten Entfremdung und dem Kirchenschisma zwischen Ost und West kam.

Die gegenwärtigen Herausforderungen
Das Gespräch zwischen Katholischer und Orthodoxer Kirche bringt für beide Seiten neue Aspekte, die einen Anstoß zur eigenen Umkehr werden können. Für die Katholische Seite kann das Prinzip der orthodoxen Synodalität eine Anregung zum Lernen sein, für die Orthodoxen Teilnehmer die Suche nach einem gemeinsamen Oberhaupt, das koordinierende Funktionen übernehmen kann und auch bestimmte Entscheidungsvollmacht hat. "Primat und Synodalität" bzw. "Primat und Patriarchate" sind aktuelle Themen im Dialog. Jedoch stehen der Einheit nach Einschätzung von Kardinal Kasper noch tiefere theologische Verständnisprobleme entgegen. Das Thema des Filioque, des Ausgehens des Heiligen Geistes vom Vater und vom Sohn, ist für viele orthodoxe Theologen noch nicht geklärt. Die Einigungen, die in der gemischten Diaologkommission der Orthodoxen Kirchen und der Katholischen Kirche erzielt worden sind, müssten durch Lokalsynoden, von Theologen und vor allem von den Gläubigen rezipiert werden. Das Konzil von Florenz des 15. Jh. sollte ein Mahnung sein, da es vom orthodoxen Volk nicht angenommen wurde, weil es nicht darauf vorbereitet worden war. Es gibt gerade in der Orthodoxie noch viele Resentiments gegenüber der Katholischen Kirche.

Der Sinn des Dialogs
Sehr nüchtern stellte Kardinal Kasper fest: Der interkonfessionelle "Dialog ist eine entfernte Vorbereitung auf ein künftiges ökumenisches Konzil" im ursprünglichen Sinn. In dieser Perspektive müssen wir heute tun, was wir heute tun können.

Zu den vielversprechenden Wegen zählen die zwischenkirchlichen Kontakte im Mönchtum. Sie sind in seiner eigenen Geschichte grundgelegt, da sich schon in der Regel des Heiligen Benedikt aus dem 6.Jh. Zitate und Empfehlungen aus dem östlichen Mönchtum finden.

Ohne Conversio keine Ökumene
Die Ökumene beruht auf einem geistlichen Prinzip: Ohne die eigene, persönliche Reue, Umkehr, Conversio gibt es keine Ökumene. Sie ist ein Werk des Heiligen Geistes. Man kann Ihm vertrauen, dass Er den Prozess, den Er angestoßen und schon jetzt mit reifen Früchten gesegnet hat, fortführt.

Dank an PRO ORIENTE
Kardinal Kasper dankte der Stiftung PRO ORIENTE, die seit 45 Jahren Unterstützung für dieses große Werk leistet, das für alle ein geschichtlicher Auftrag ist.

Ernennung zum Protektor
Kardinal Dr. Chr. Schönborn stellte in seiner Begrüßung als Kanzler der Katholisch-Theologischen Fakultät und Vorsitzender von Pro Oriente heraus, dass das gute ökumenische Gesprächklima in Österreich ein Erfolg der Bemühungen von Kardinal Dr. Franz König ist. Das sei ein Glücksfall so wie Kardinal Kasper, der durch seinen verbindenden Umgang und seine Kompetenz den ökumenischen Dialog fördere. Am Ende der Veranstaltung ernannte er Kardinal Kasper zum Protektor der Stiftung Pro Oriente.

Dekan Univ.Prof.Dr. M. Jäggle hob in seiner Begrüßung hervor, dass die Fakultät in diesem Jahr ihr 625-Jahr-Jubiläum feiert. Der Vortrag wurde in Kooperation der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, der Stiftung Pro Oriente, den Theologischen Kursen der Erzdiözese Wien und dem Katholischen Akademikerverband Wien veranstaltet.

Vizerektorin Univ.Prof.Dr. Chr. Schnabl richtete im Auftrag des Rektors der Universtität Wien ein Grußwort an Kardinal Kasper und das Auditorium. Sie stellte Parallelen zwischen der universitären Wissenschaft und der Ökumene fest, die beide zwischen Disziplinen bzw. Kirchen das Verbindende fördern und sie zusammenbringen.

Der Vizepräsident von PRO ORIENTE und Vorstand des Instituts für Theologie und Geschichte des Christlichen Ostens, Univ.Prof.Dr. R. Prokschi, stellte anhand des Lebenslaufs von Kardinal Kasper dar, welche Bedeutung er als Theologe, konkret Dogmatiker, durch seine Forschungen und Publikationen für die Katholische Kirche und die Beziehungen zwischen den Konfessionen hat.

In seinen Dankesworten hob der Präsident von PRO ORIENTE, Dr. J. Marte, hervor, dass die Integration Europas vom gelingenden Dialog zwischen den Kirchen abhängt.

Bericht von P. Sebastian Hacker OSB

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Kardinal Dr. Walter Kasper (geb. 1933) ist seit 2001 Präsident des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen. Der Rat wurde 1960 von Papst Johannes XXIII. unter dem Namen Sekretariat für die Förderung der Einheit der Christen gegründet.
Kardinal Kasper ist Mitglied der Glaubenskongregation, der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, der Apostolischen Signatur, des Päpstlichen Rates für die Auslegung der Gesetztestexte, des Päpstlichen Rats für die Kultur und des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog. 2005 wurde er von der Bischofssynode in den Ständigen Rat der Synode gewählt.

Programm

    Vortrag

    Kardinal Dr. Walter Kasper

    Präsident des Päpstlichen Rats für die Förderung der Einheit der Christen

    zum Thema

    "Ost und West im Dialog -
    Aktuelle Themen und gegenwärtiger Stand im Gespräch mit den Kirchen des Ostens"

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