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Dekret "Unitatis Redintegratio"

Pro Oriente

Der Stifter Kardinal Dr. Franz König

Das Vermächtnis des Brückenbauer-Kardinals

Indisch orthodox-syrisch Mar Osthatios mit KardinaRussisch-orthodoxer Protopresbyter Vitalij BorowojSyrisch-orthodoxer Patriarch Ignatios Yakoub III.Kardinal König mit zwei Priestern der koptischen KKardinal König und Papst Paul VIKönig und Papst Shenouda Wadi Natrun 1991Rumänisch-orth. Patriarch Justinian und König 1968König + Krikorian September 1973 - 2. Wiener Konsu

Achtung: Eine Auswahl an Literatur über das Leben und Wirken von Kardinal Dr. Franz König und Hinweise auf Weblinks zu seiner Biographie finden Sie am Ende dieser Seite!


Das Zweite Vatikanische Konzil: Haupttriebfeder seines Wirkens

Auf Grund seiner breit angelegten Studien, besonders der nicht-christlichen Religionen, verfügte Franz König schon als Student über eine „Weite des Geistes, die er dann als Grundhaltung des Konzils wieder gefunden hat“ (Weihbischof Dr. H. Krätzl). Der Geist des Konzils wurde zur Triebfeder seines bischöflichen Wirkens. Er hat das Konzil in wesentlichen Teilen mitgeprägt. Sein Interesse galt neben der Pastoralkonstitution „ Über die Kirche der Welt von heute“ vor allem der „Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen“ und dem Ökumenischen Dekret „Unitatis Redintegratio“.


Unterstützt vom Jesuitentheologen Karl Rahner und dem getauften Juden Prälat Johannes Österreicher hat König zur Neubestimmung des Verhältnisses der katholischen Kirche zum Judentum wesentlich beigetragen. Als Religionswissenschaftler war ihm die neue Denkrichtung besonders wichtig, wie sie der Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis Humanae“ zugrunde gelegt wurde. Darin geht es nicht mehr abstrakt um Wahrheit und Irrtum, sondern um die Würde der menschlichen Person und die Achtung ihrer freien Entscheidung. Als Erzbischof von Wien wählte er sich als Wahlspruch:„Veritatem facientes in caritate“ – „Die Wahrheit in Liebe tun“ (Eph 4,15).

Brückenbauer und Mann des Dialogs: in der Wiederannäherung von West- und Ostkirche


Auf der Reise zum Begräbnis des verfemten Zagreber Kardinals Stepinac im Februar 1960 erlitt er vor Varazdin einen schweren Autounfall. Das einzige, was er von seinem Krankenhausbett viele Tage vor sich sah, war ein Foto Titos in Marschalluniform. König sah darin einen Fingerzeig, dass sich der Sitz des Erzbischofs von Wien geographisch und historisch am nächsten zu den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang befand und sich daher gerade er mehr um die verfolgten Christen unter kommunistischer Herrschaft kümmern sollte. Er betrachtete es von da an als eine spezifische Aufgabe des Wiener Erzbischofs die Isolation der Kirche hinter dem Eisernen Vorhang zu überwinden und die Christen dort wissen zu lassen, dass man sie im Westen nicht vergessen hat.

In der Folge unternahm König trotz Kritik gewisser Kreise zahlreiche Besuche in fast allen Oststaaten und führte damit eine Wende in der „Ostpolitik“ des Vatikans herbei. Gern erzählte er, dass ihn auch Papst Johannes XXIII. gebeten habe, sich um die bedrängten Kirchen jenseits des Eisernen Vorhangs zu kümmern. Als er ihn fragte, wie er dies verstehen sollte, habe der Papst ihm geantwortet: „Kaufen Sie sich eine Bahnkarte und fahren Sie nach Budapest“. So reist er im April 1963 als erster Kardinal des Westens nach Budapest, um dort die Ausreise Kardinal Mindszentys zu erwirken. Eine weitere Pioniertat ist sein Besuch beim Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. in Istanbul. Damit bereitete er dessen historische Begegnung mit Papst Paul VI. 1964 in Jerusalem vor.

Als das Konzil 1964 das Ökumenismus-Dekret „ Unitatis Redintegratio“ verabschiedete und damit die Türen zu den anderen christlichen Konfessionen weit aufmachte, gründete er noch im selben Jahr in Wien die Stiftung PRO ORIENTE. Diese sollte zu einem Markenzeichen für den ökumenischen Dialog mit den Kirchen der Orthodoxie und den orientalisch-orthodoxen Kirchen werden. Mit diesem Instrumentarium gelang es ihm in den folgenden zwei Jahrzehnten, ein Netzwerk zu den Kirchen des Ostens aufzubauen. Er besuchte selber die meisten Oberhäupter der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen und lud sie nach Wien ein.

Als Protektor von PRO ORIENTE hat Kardinal König die Stiftung auch nach seiner Emeritierung bis zu seinem Heimgang mit wachem Interesse und väterlichem Rat begleitet. Seinem langjährigen Mitarbeiter, Weihbischof Krätzl, trug er noch kurz vor seinem Tod auf: „ Sage den Menschen, die Ökumene muss weitergehen“. In seinem letzten Gespräch mit PRO ORIENTE legt er deren Mitarbeitern ans Herz, sich auch mit dem interreligiösen Dialog zu befassen.

Franz Kardinal König ist am 13. März 2004 im Herrn verschieden. Im Auftrag Johannes Pauls II. zelebrierte Kardinal Joseph Ratzinger mit anderen katholischen Würdenträgern aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa das Requiem, an dem auch zahlreiche Vertreter der Kirchen der Reformation, der Orthodoxie und der orientalisch-orthodoxen Kirchen teilnahmen. Ein Vertreter des Judentums las in hebräischer Sprache aus den Psalmen. Neben der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs war auch eine Delegation der Al Azhar Universität anwesend. Unter dem Vorsitz des Metropoliten Michael (Staikos) von Austria wurde am Katafalk des Kardinals – erstmals für einen katholischen Würdenträger – eine Panichia (orthodoxe Trauerfeier) abgehalten. Er war„einer der größten, wenn nicht der größte Österreicher des 20. Jahrhunderts, ohne den die Öffnung und der Fortschritt in der katholischen Kirche unter Einbeziehung Mittel- und Osteuropas nicht möglich gewesen wäre“ (Wladyslaw Bartoszewski, ehemaliger polnischer Außenminister).

Kardinal König - Symbol der neuen Einheit Europas


Bei einem Dankgottesdienst für den verstorbenen Wiener Alterzbischof in der Basilika von Mariazell würdigte der Erzbischof von Lublin, Jozef Zycinski, Kardinal König unter anderem auch als „Symbol der neuen Einheit Europas“. Oft sprach Kardinal König davon, dass man in Österreich auf Grund der geographischen Lage und des gemeinsamen historischen Schicksals mit Mittel- und Osteuropa mehr als anderswo um die Schwierigkeiten des historischen Konflikts zwischen Ost und West wisse. Österreich sollte daher eine „Verbindungs- und Brückenfunktion besonderer Art zur Kenntnis nehmen und nach immer neuen Wegen der Verständigung suchen“ (Kardinal König vor dem „Arbeitskreis Ost“ des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa am 4.10.2001). Er war der Überzeugung, dass die christlichen Kirchen durch ihre lebendige grenzüberschreitende Glaubensgemeinschaft dazu viel beitragen können.

Entgegen der Auffassung des Amerikaners S.P. Huntington, der in seinem Buch „ The clash of civilizations“ (251-508) von einer historischen Scheidelinie spricht, die seit Jahrhunderten die christlichen Völker des Westens von den muslimischen und (!) orthodoxen Völkern trenne, habe „ die Stiftung PRO ORIENTE durch ihre ökumenische Arbeit darauf aufmerksam gemacht, dass…Brücken für das größere Europa gebaut werden können“, sagte der Kardinal bei derselben Gelegenheit.

Kardinal König und der interreligiöse Dialog

„Das große Gespräch mit jenen Religionen und Weltanschauungen, die uns umgeben, ist heute unerlässlich geworden. Jedes primitive Freund-Feind-Schema muss endgültig überwunden werden. Ich bin überzeugt, dass in allen Weltanschauungen genügend Menschen zur Verfügung sind, die in aufrichtiger Suche nach der Wahrheit sind.“ (aus: Kardinal Franz König, Gedanken für ein erfülltes Leben, Styria-Verlag 2004).

Kardinal König im Gespräch mit dem Judentum
Die in „Nostra Aetate“ festgeschriebene Neuorientierung der Christen gegenüber den Juden (Kapitel 4) war ihm besonders wichtig. Mit seinem Nachfolger, Erzbischof Schönborn, war er sich einig, „die Shoah habe den Christen bewusst gemacht, dass der tödliche Hass gegen Israel zutiefst auch gegen die Kirche gerichtet sei“. König liebte die „brüderlichen Gespräche“ mit Juden. Er war davon überzeugt, dass eine christliche Ökumene erst dann blühen könne, wenn zuvor „das Verhältnis zum Judentum geklärt und bereinigt sei“. Daher zitierte er in diesem Zusammenhang gerne Johannes Paul II. der anlässlich seines Deutschlandsbesuchs 1980 in Mainz gesagt hatte: „Die Begegnung zwischen dem Gottesvolk, des von Gott nie gekündigten Alten Bundes und des Neuen Bundes“ sei zugleich „ein Dialog innerhalb unserer Kirche“. So wie für Johannes Paul II. war für König die jüdische Religion nicht etwas „Äußerliches“, sondern gehörte in gewisser Weise zum „Inneren“ unserer Religion. Daraus erklärt sich auch sein großes Interesse an der Bedeutung der Religion für das heutige Judentum: 1997 zitierte er in diesem Zusammenhang aus einer Umfrage, wonach in den USA nur mehr 30% der Juden ihre Religion für „sehr wichtig“ halten und unter dem Eindruck des Holocaust die Besinnung auf die ethnischen Wurzeln den Vorrang vor einer Religion Israels zu haben scheint. „Wenn aber heute aus amerikanischer Sicht ein jüdischer Humanismus als säkularisierte Religionsform wichtiger…zu werden scheint als das religiöse Erbe der Propheten, des Ein-Gott-Glaubens, der Juden und Christen in besonderer Weise verbindet, so könnte dies auch im ökumenischen Christentum nur mit Sorge betrachtet werden.“
Zum Heimgang Königs kondolierte die Israelistische Kultusgemeinde Wien unter anderem mit folgenden Worten: „Ja, von uns ist ein wahrer Freund gegangen, für den das Diktum des Zweiten Vatikanischen Konzils vom Juden als älterem Bruder, als älterem Bruder der Christenheit gelebte Wirklichkeit war.“

Kardinal König im Dialog mit dem Islam
König teilte die Meinung von Professor Waldenfels (Bonn), „dass das 21. Jahrhundert weniger ein Jahrhundert der christlichen Ökumene sein werde, sondern eher der Begegnung der Religionen“. Er war überzeugt, dass es „ohne den Frieden unter den Religionen auch keinen Frieden unter den Zivilisationen“ geben werde. Als erster katholischer Würdenträger besuchte er im Mai 1965 die Al-Azhar Universität in Kairo, wo er an dieser wissenschaftlichen und kulturellen Hochburg der islamischen Vortrag einen vielbeachteten Vortrag über „Monotheismus in der heutigen Welt“ gehalten hat. Er sprach über Gemeinsamkeiten, die Christentum und Islam in der Argumentation gegenüber dem Atheismus verbinden und plädierte über die geforderte Toleranz hinaus für eine „positive Zusammenarbeit auf religiösen, sittlichem und insbesondere auf sozialen Gebiet“. So könnten Christentum und Islam nicht nur in einer neuen Weise einander begegnen, sondern auch erstmalig zu einer Gemeinsamkeit gelangen, die in dieser so wichtigen Stunde der Menschheitsgeschichte so bedeutend sei. Was damals auf die gemeinsame Bedrohung durch dialektischen Materialismus gemünzt war, ist heute noch aktueller, aber gleichzeitig auch schwieriger geworden. In der Folge besuchte König auch den syrischen Großmufti Ahmed Keftaro, der ebenfalls im Jahre 2004 gestorben ist.
Aufgrund dieser Kontakte mit dem Islam, seiner Begegnungen mit dem Dalai Lama und seinen schon erwähnten Auftritten beim Großen Religionsgespräch 1964 in Bombay kann König auch als ein Pionier des interreligiösen Dialogs und als Wegbereiter für historische Initiativen Johannes’ Paul II. gelten: Das Friedenstreffen in Assisi 1987, sowie die Besuche in der römischen Synagoge im April 1986 und in der Omayyaden-Moschee in Damaskus 2001.

PRO ORIENTE-Buchtipps:


Franz Kardinal König: „Meine Lebensstationen: Erinnerungen und Vermächtnis“. Tyrolia Verlag, 2005 (auch als Hörbuch), ISBN: 3-7022-2630-3.

Annemarie-Fenzl/Heinz Nußbaumer: "Kardinal König - Gedanken für ein erfülltes Leben". Styria Verlag, 2004, ISBN: 3222131627

Hubert Feichtlbauer: "Der Jahrhundert-Kardinal". Holzhausen Verlag, 2003, ISBN: 3854930828.

Johannes Kunz: "Der Brückenbauer - Kardinal Franz König 1905-2004". Molden Verlag, 2004, ISBN: 3854851189.

Christa Pongratz-Lippitt: "Franz Kardinal König: Offen für Gott - offen für die Welt". Herder Verlag, 2006, ISBN: 3451288915.
(englisches Original: Franz König, Christa Pongratz-Lippitt (Hrsg.): Open to God, Open to the World. Burns & Oates/Continuum, London 2005, ISBN: 0860123944).

Franz Kardinal König: "Unterwegs mit den Menschen : vom Wissen zum Glauben". Hrsg. von Annemarie Fenzl und Reginald Földy. Mit einem Nachruf auf Kardinal König von Maximilian Liebmann. Topos Verlag, 2004, ISBN: 3-7867-8546-5

30 Jahre Pro Oriente. Festgabe für den Stifter Franz Kardinal König zu seinem 90. Geburtstag (Taschenbuch), hrsg. von Alfred Stirnemann, Tyrolia Verlag, 1995, ISBN: 3702219919

Kardinal Franz König: "Haus auf festem Grund. Lebensideen und Orientierung" (Gebundene Ausgabe), Amalthea Verlag, 2. Aufl. 2004, ISBN: 385002525X

Biographien über Kardinal Dr. Franz König im Internet:


http://www.kardinalkoenig.at

http://religion.orf.at/projekt03/religionen/biographien/bi_koenig.htm



Sektion: Wien

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