Pro Oriente
Die Orthodoxe Kirche / Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel

Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel

Anzahl der Gläubigenca. 4 Millionen, vor allem in der weltweiten Diaspora
Titel des ErsthierarchenErzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom, und Ökumenischer Patriarch
Sitz des ErsthierarchenIstanbul (Türkei)
Aktueller AmtsinhaberBartholomaios (Archondonis), geb. 1940, im Amt seit 1991
Bischöfe und Diözesen161 Bischöfe; 92 Diözesen
Ritusbyzantinisch
Liturgiesprachegriechisch oder lokale Sprachen
KalenderMischkalender (gregorianisch/julianisch)
Präsenz in Österreichca. 20.000 Gläubige; 1 Bischof (Metropolit) mit Sitz in Wien; 13 Gemeinden, 15 Priester, 2 Diakone
Präsenz in Deutschlandca. 470.000 Gläubige; 6 Bischöfe (Metropolit u. 5 Vikarbischöfe), Bischofssitz in Bonn; 65 Gemeinden, 74 Priester, 1 Diakon

Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel steht in der Rangfolge der orthodoxen Kirchen an erster Stelle. Dieser Ehrenvorrang der Kirche von Konstantinopel beruht auf der Stellung Konstantinopels als Hauptstadt des Oströmischen Reiches (330-1453). Die neue Reichshauptstadt, gegründet auf dem Gebiet der griechischen Stadt Byzantion, wurde auch als „neues Rom“ bezeichnet. In dem von dort aus regierten „Byzantinischen Reich“ kam dem Christentum eine staats- und kulturprägende Rolle zu. Die Ökumenischen Konzile des ersten Jahrtausends fanden alle in dessen Herrschaftsgebiet statt und die jeweiligen Kaiser unterstützten die Umsetzung ihrer Beschlüsse. Der Bau der Hagia Sophia (eingeweiht 537) war Ausdruck des Selbstbewusstseins Konstantinopels als Zentrum der damaligen Christenheit. Dementsprechend führen die Patriarchen von Konstantinopel seit dem 6. Jahrhundert den Titel „Ökumenischer Patriarch“.

Das Vordringen der Araber im 7. Jahrhundert schwächte zwar das Byzantinische Reich, stärkte aber die Kirche von Konstantinopel im Vergleich zu den übrigen altkirchlichen Patriarchaten. Theologie und Liturgie der östlichen Kirchen orientierten sich in der Folgezeit zunehmend am Vorbild Konstantinopels. Selbst im Osmanischen Reich (1453-1923) blieb die Vorrangstellung der Kirche von Konstantinopel erhalten, insofern der Patriarch als „Ethnarch“ aller Orthodoxen im Reich fungierte. Als solcher wuchs sein Einflussbereich weit über die Grenzen des ursprünglichen Patriarchats hinaus. Zugleich war er auch für den Einzug der Steuern zuständig, was ihn in den Augen der Gläubigen immer mehr zu einem Vertreter der Osmanischen Herrscher werden ließ. Das führte im Zuge der Unabhängigkeitskämpfe, die im 19. Jahrhundert zu einem allmählichen Zerfall des Osmanischen Reiches führten, zur Entstehung selbstständiger (autokephaler) Landeskirchen, die sich aus der Jurisdiktion Konstantinopels lösten.

Im türkischen Staat (seit 1923) verlor das Patriarchat von Konstantinopel seine gesicherte Rechtsstellung und hat unter fortdauernden Repressalien seitens der türkischen Behörden zu leiden. Zusätzlich geschwächt wurde seine Stellung im türkischen Staat durch den mit Griechenland vereinbarten Bevölkerungsaustausch, durch den ein Großteil der griechischen Bevölkerung Kleinasiens nach Griechenland umsiedelte. Mit der staatlich verordneten Schließung der Theologischen Hochschule von Chalki verlor das Ökumenische Patriarchat 1971 auch seine international renommierte Ausbildungsstätte.

In der Türkei leben heute nur noch einige Tausend Orthodoxe, die zum Ökumenischen Patriarchat gehören, jedoch unterstehen alle griechisch-orthodoxen Gläubigen in der weltweiten Diaspora der Jurisdiktion des Patriarchen von Konstantinopel, wodurch die personellen und finanziellen Ressourcen des Patriarchats einigermaßen gesichert sind. Auch die Diözesen der sog. „Neuen Länder“ im Norden Griechenlands unterstehen formell der geistlichen Oberhoheit des Ökumenischen Patriarchen, gehören jedoch seit 1928 administrativ der Kirche von Griechenland an. Der Sitz des Ökumenischen Patriarchats liegt im Phanar (türkisch: Fener), einem früher vor allem von Griechen bewohnten Stadtteil Konstantinopels (heute Istanbul).

Trotz seiner von staatlicher Seite eingeschränkten Wirkungsmöglichkeiten gilt der Ökumenische Patriarch bis heute als Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxen Kirche. Eine führende Rolle hat das Patriarchat von Konstantinopel im 20. Jahrhundert in der Ökumenischen Bewegung gespielt: Es zählt zu den Gründungsmitgliedern des Ökumenischen Rates der Kirchen und hat durch die persönlichen Begegnungen zwischen Patriarch Athenagoras und Papst Paul VI. (erstmals 1964 in Jerusalem) den Weg für den ökumenischen Dialog zwischen Orthodoxen und Katholiken bereitet. Darüber hinaus engagiert sich das Ökumenische Patriarchat auch für den Dialog der Orthodoxen Kirche mit den Weltreligionen. Patriarch Bartholomaios, der dieser Kirche seit 1991 vorsteht, hat sich wegen seines Einsatzes für Fragen des Umweltschutzes einen Namen als „grüner Patriarch“ gemacht.


Literatur

  • Patriarch Bartholomaios, Begegnung mit dem Mysterium. Das orthodoxe Christentum von heute verstehen, Paderborn 2019.
  • J. Chryssavgis, The Ecumenical Patriarchate today, London 2014.
  • Metropolit Maximos von Sardes, Das Ökumenische Patriarchat in der Orthodoxen Kirche, Freiburg i.Br. 1980.

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