Bethlehem bereitet sich auf drittes Weihnachtsfest vor
12. January 2026
Am 18./19. Jänner steht noch das armenische Weihnachtsfest auf dem Programm - Das PRO ORIENTE-Magazin beleuchtet die Hintergründe dieser kirchenkalendarischen Besonderheit
Jerusalem/Wien, 12.01.26 (poi) Zweimal wurde in Bethlehem bereits Weihnachten gefeiert. Nun steht dem Geburtsort Jesu noch ein drittes Weihnachtsfest bevor: Am 18./19. Jänner feiern die armenischen Christinnen und Christen im Heiligen Land das Fest der Geburt Christi. Wie im Fall der katholischen und orthodoxen Kirche beginnt auch das armenische Fest mit dem feierlichen Einzug des Patriarchen in Bethlehem. Die armenische Kirche feiert die Geburt Jesu gemeinsam mit dem Epiphanie-Fest am 6. Jänner. (Das Fest beginnt dabei schon am Abend des 5. Jänner.) Diese Praxis führt bis in die ersten Jahrhunderte des Christentums zurück. Im Armenischen Patriarchat von Jerusalem wird aber nicht, wie sonst in der Armenischen Kirche inzwischen üblich, der Gregorianische Kalender verwendet, sondern der Julianische. Deshalb wird im Patriarchat Weihnachten erst am 18./19. Jänner gefeiert.
Der armenische Bischof Anushavan Zhamkochyan hat in der aktuellen Ausgabe des PRO ORIENTE-Magazins die historischen Hintergründe dieser Sonderstellung der Armenischen Kirche im Heiligen Land erläutert. In seinem Beitrag erläutert er, dass in der Armenischen Kirche der Gregorianische Kalender bereits 1923 eingeführt wurde. Da zur gleichen Zeit aber auch in den orthodoxen Kirchen Kalenderumstellungen im Gange waren, einige bedeutende Kirchen wie die Russisch-orthodoxe Kirche oder auch das Patriarchat von Jerusalem aber beim alten Julianischen Kalender blieben, befürchtete die Armenische Kirche teils Probleme.
Vor allem das Festhalten des Griechisch-orthodoxen Patriarchats von Jerusalem am alten Kalender schuf potenzielle Risiken für die armenischen kirchlichen Jurisdiktionen im Heiligen Land, so Zhamkochyan. Im Laufe seiner Geschichte habe das Armenische Patriarchat von Jerusalem kontinuierlich darum gekämpft, seine Rechte an den christlichen Heiligen Stätten zu verteidigen. Der wichtigste Indikator für diese Rechte sei die liturgische Ordnung des Gottesdienstes gewesen, die durch einen festen Kalender streng geregelt war. "Jede Abweichung von dieser konnte die Rechte des Armenischen Patriarchats an bestimmten Heiligen Stätten ernsthaft gefährden oder sogar zum Verlust dieser Rechte führen", so der Bischof. Betroffen davon seien insbesondere die Grabeskirche in Jerusalem und die Geburtskirche in Bethlehem.
Daher stelle die Beibehaltung des alten Kalenders im Armenischen Patriarchat von Jerusalem eine einzigartige Besonderheit dar, die es ihm ermöglicht, innerhalb der Einheit der Armenischen Kirche einerseits sowohl die liturgische Konformität zu bewahren als auch andererseits die kirchliche Harmonie mit den anderen christlichen Gemeinschaften der Heiligen Stadt.
Dementsprechend beginnt in der Geburtskirche in Bethlehem das Fest der Geburt und Erscheinung Christi der Armenischen Kirche am 18. Jänner (dem 5. Jänner des alten Kalenders) um 14.20 Uhr und dauert bis zum Morgen des 19. Jänner (dem 6. Jänner des alten Kalenders) um 06.30 Uhr. Unmittelbar danach beginnt in derselben heiligen Stätte die Griechisch-orthodoxe Kirche mit der Feier des Festes der Theophanie Christi, vom Abend des 19. Jänner (dem 6. Jänner des alten Kalenders) bis zum Morgen des 20. Jänner (dem 7. Jänner des alten Kalenders).
Die jüngste Ausgabe des PRO ORIENTE-Magazins widmet sich in verschiedenen Beiträgen dem Thema "Weihnachten im christlichen Osten". Neben den armenischen Besonderheiten beleuchtet etwa die in Deutschland lebende syrisch-orthodoxe Theologin Martina Aras, wie syrisch-orthodoxe Christinnen und Christen in der Diaspora Weihnachten feiern: im durchaus fruchtbaren Spannungsfeld zwischen der Bewahrung eigener Traditionen und dem Ankommen in einem neuen Lebensumfeld. Ein Beitrag der palästinensischen Christin Reem Akroush zeigt, wie im Heiligen konfessionsverbindende Familien an den Heiligen Stätten gleich zwei Mal (mit Mehrwert) Weihnachten feiern können - aber auch, wie stark die Weihnachtsfreude vor Ort aufgrund der gegenwärtigen politischen Spannungen und Konflikte mit Schmerz und Trauer gemischt ist.