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Bischof aus Damaskus: Christen sind integraler Bestandteil Syriens

24. September 2026

Armenisch-apostolischer Bischof von Damaskus berichtete in Salzburg und Wien über schwierige Lage der Christen in Syrien

POI 3

Wien/Salzburg, 24.09.26 (poi) Anfang der Woche nahm der armenisch-apostolische Bischof von Damaskus, Armash Nalbandian, in Salzburg an der Jahrestagung der Initiative Christlicher Orient und der Salzburger PRO ORIENTE-Sektion teil; am Mittwoch war er Gast der Stiftung PRO ORIENTE in Wien. Beim Austausch mit PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja, Programmdirektorin Viola Raheb, einem Gespräch mit Journalistinnen und Journalisten sowie einem öffentlichen Vortrag im Curhaus am Stephansplatz berichtete der Bischof über die schwierige Situation in Syrien. 

Bischof Nalbandian sagte, dass die Christinnen und Christen in Syrien nicht verfolgt werden und ihr kirchliches Leben frei gestalten können. Doch die allgemeine Sicherheitslage sei schlecht und auch die politische Lage sei unsicher. Dazu komme eine wirtschaftlich und humanitär desaströse Gesamtsituation für den Großteil der Bevölkerung. Eine entscheidende Frage sei, inwieweit alle Bevölkerungsgruppen von hoffentlich bald eintretenden wirtschaftlichen Besserungen profitieren könnten. An den Westen appellierte Nalbandian, das Land und seine Menschen nicht im Stich zu lassen und sich für eine positive Entwicklung vor Ort stark zu machen. 

Er wehre sich auch dagegen, so der Bischof weiter, dass die Christinnen und Christen in Syrien als Minderheit bezeichnet werden. Das trage nur zur Spaltung der Gesellschaft bei. Sie seien vielmehr ein integraler Bestandteil Syriens, erläuterte der Bischof das Selbstverständnis der Christen und plädierte eindringlich für eine politische Ordnung, in der alle Bewohner des Landes gleiche Bürgerrechte und auch gleiche Pflichten hätten, unabhängig von Religion oder ethnischer Herkunft. 

Angesichts der schwierigen Situation - "die Menschen sind einfach unendlich müde und erschöpft" - zeigte der Bischof Verständnis dafür, "dass viele Christen das Land auf der Suche nach einer besseren Zukunft verlassen wollen". Die Zukunft des armenischen und das Fortbestehen der christlichen Gemeinde sei bedroht so Nalbandians Warnruf. Syrien sei eines der wesentlichen Fundamente des Christentums, "und dieses Fundament droht wegzubrechen". An den Westen appellierte Nalbandian, das Land und seine Menschen nicht im Stich zu lassen. 

Bischof Nalbandian räumte ein, dass nicht nur die materiellen, sondern vor allem auch die seelischen Wunden Syriens nur sehr langsam heilen würden. Die Kirche werde ihr Möglichstes dazu beitragen, "dass die Menschen in Syrien wieder den Weg zueinander finden werden", so der Bischof. 

Zahlen zu den bisher in Syrien verbliebenen Christen seien schwierig, sagte Bischof Nalbandian weiter. Rund 70 Prozent aller Christen hätten Schätzungen nach seit 2011 das Land verlassen. Und auf seine eigene Kirche bezogen führte Nalbandian aus: Lebten vor rund 60 bis 70 Jahren noch bis zu 350.000 armenische Christen in Syrien, waren es in der Zeit vor dem Ausbruch des Krieges 2011 noch bis zu 120.000. Heute gebe es in Syrien noch 15.000 bis maximal 20.000 armenische Christen. 

In Armenien und Deutschland ausgebildet

Bischof Nalbandian wurde 1973 in Aleppo geboren. 1987 begann er seine kirchliche Ausbildung am Theologischen Seminar der Armenisch-apostolischen Kirche in Etschmiadzin nahe der armenischen Hauptstadt Jerewan. Mitte der 1990er-Jahre ging er nach Deutschland, wo er als Seelsorger wirkte und seine Studien fortsetzte. 

Als Stipendiat des Diakonischen Werkes studierte er evangelische Theologie in Erlangen und katholische Theologie in Tübingen. 1998 wurde er zum Mönchspriester geweiht. 2004 ging Nalbandian zurück nach Syrien, 2006 wurde er zum Bischof geweiht. Er residiert in Damaskus.