"Friedensförderung ohne Frauen ist unvollständig"
06. May 2026
Neues Video gibt Einblicke in Wiener Konsultation "Frauen als Friedensstifterinnen" von PRO ORIENTE
Wien, 06.05.26 (poi) Unter dem Motto "Frauen als Friedensstifterinnen" hat die Stiftung PRO ORIENTE vom 16. bis 19. April zu einer internationalen Konsultation nach Wien eingeladen. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zu einem neuen Schwerpunkt in der Projektarbeit der Stiftung: Erstmals rückt PRO ORIENTE systematisch den Beitrag von Frauen zu Frieden und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Ein Video von der Veranstaltung, das einen Einblick in die Beratungen und die wichtigsten inhaltlichen Erkenntnisse bietet, wurde am Mittwoch veröffentlicht.
An der Konsultation nahmen Vertreterinnen aus West- und (Süd-)Osteuropa sowie dem Nahen Osten teil. Insgesamt waren zehn Frauen aus zehn verschiedenen Ländern, aus unterschiedlichen Fachrichtungen und unterschiedlichen Kirchen beteiligt. Gastgeberinnen der Konsultation waren die Wiener Benediktinerinnen der Anbetung, die die Veranstaltung mit großer Gastfreundschaft und tatkräftiger Unterstützung mit ermöglichten, und deren Kloster den benötigten geschützten Raum für die Dialoge bot. Die zentrale Botschaft der Frauen war und ist eindeutig: "Friedensförderung ohne Frauen ist unvollständig", bringt es etwa die aus Syrien stammende Juristin Judi Sbat im Video auf den Punkt.
Während Männer wieder damit beschäftigt seien, über Kriege zu sprechen, müsse doch auch jemand über den Frieden sprechen, so die serbische Religionsjournalistin und Historikerin Jelena Jorgacevic. Frauen würden den Frieden authentisch leben, "Frieden in ihrem Alltag, in ihren Familien und in ihren Arbeitsgemeinschaften", so Jorgacevic. Ihre Bemühungen würden meist aber nicht wahrgenommen.
Ähnlich äußerte sich auch die russische Journalistin und Orthodoxie-Expertin Ksenia Luchenko: "Es ist an der Zeit, all diese Stärken der Frauen mit der ganzen Welt zu teilen. Vielleicht wird die Weisheit der Frauen letztendlich dazu beitragen, Frieden zu schaffen."
Die deutsche Theologin Regina Elsner hielt im Blick auf ökumenische Friedensprozesse und theologische Bildungsprozesse fest, "dass nur dann diese Prozesse nachhaltig sind, dass wir nur dann eine gute Friedensethik haben, wenn Frauen beteiligt sind, ihre Stimmen, ihre Erfahrung, ihr Leben beteiligt ist an diesen theologischen Gesprächsprozessen".
Die friedensethische Bedeutung der Konsultation unterstrich auch die kroatische Theologin und Friedensaktivistin Ana-Marija Raffai, die auf die große Bedeutung von gewaltlosem Engagement in der Friedensarbeit insbesondere von Frauen verwies.
Ein sehr positives Resümee der Konsultation zog im Video PRO ORIENTE-Programmdirektorin Viola Raheb: Mit den Frauen gebe es in allen Kirchen "eine sehr starke Ressource - als Quelle für theologisches Denken und Handeln, aber auch für soziales Engagement, für die Schaffung von Frieden in unseren Kirchen, die wir bislang nicht genügend anzapfen". Es sei an der Zeit, "diese Ressource der Frauen zu reaktivieren, ihnen einen Raum anzubieten und mit ihnen gemeinsam sich für eine andere Welt einzusetzen". Für PRO ORIENTE sei es ein Privileg und eine Freude, "diese starken weiblichen Stimmen und ihr Engagement in solchen geschützten Räumen kennenzulernen und mit ihnen ein Stück des Weges gemeinsam gehen zu dürfen", so Raheb.
Auch PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja zeigte sich von der Veranstaltung sehr angetan: "Ich freue mich sehr darüber, dass wir mit dieser Konsultation erstmals die besonderen Beiträge von Frauen aus verschiedenen Kirchen und Regionen zur Friedensförderung würdigen und ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen konnten. Damit wird auch eingelöst, was ich bei meiner Amtseinführung Anfang des vergangenen Jahres angekündigt hatte: dass neben dem weiterhin bestehenden Schwerpunkt der Arbeit mit jungen Menschen nun auch insbesondere die Friedensbeiträge von Frauen in unseren Fokus rücken." Die Konsultation bildete das "Kick-off-Meeting" für ein neues Format, in dem Frauen als Friedensstifterinnen zusammenkommen, sich miteinander austauschen und vernetzen, und gemeinsame Perspektiven für die weitere Friedensarbeit entwickeln.
Das Video ist abrufbar auf dem YouTube-Kanal von PRO ORIENTE unter: https://youtu.be/oR-SWBJpKfY