Graz: Serbisch-orthodoxe Gemeinde wächst und ist ökumenisch engagiert
03. September 2026
Pfarrer Micic und weitere Verantwortliche berichten im PRO ORIENTE-Magazin über Gemeindeleben und Ökumene in der Steiermark
Graz/Wien, 03.09.26 (poi) Seit März 2025 ist Nemanja Micic Pfarrer der serbisch-orthodoxen Gemeinde in Graz. Für den 36-Jährigen ist es die erste Pfarrgemeinde, die er leitet. In der aktuellen Ausgabe des PRO ORIENTE-Magazins (02/2026) spricht Micic von einer lebendigen und wachsenden Gemeinschaft, "die vor allem von jungen Familien, Studierenden und Menschen geprägt ist, die ihre geistliche Heimat suchen". Gleichzeitig stehe man vor Herausforderungen, insbesondere durch die derzeitigen räumlichen Bedingungen, "da wir als Gastgemeinde wirken und uns langfristig eine eigene Kirche wünschen", so Micic. Seit November 2024 feiert die Gemeinde ihre Gottesdienste in der römisch-katholischen Pfarre St. Christoph in Thondorf.
Die Ökumene in Graz und in der Steiermark erlebe er grundsätzlich sehr positiv, so der Pfarrer. Er sei dankbar für die offenen und respektvollen Begegnungen mit anderen christlichen Kirchen und glaube, "dass gegenseitiges Kennenlernen, ehrlicher Dialog und Zusammenarbeit wichtige Zeichen christlicher Verantwortung in unserer heutigen Gesellschaft sind".
Die Ökumene-Beauftragte der serbischen Gemeinde, Suzana Djukic, betont gegenüber dem PRO ORIENTE-Magazin: "Für uns bedeutet Ökumene gelebte Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekt und das gemeinsame Bemühen um ein gutes Miteinander der christlichen Kirchen und Gemeinden in Graz." In einer vielfältigen Stadt sei es den serbisch-orthodoxen Verantwortlichen wichtig, gemeinsame Werte wie Menschlichkeit, Offenheit und Nächstenliebe sichtbar zu machen.
Djukic ist die offizielle Vertreterin der Gemeinde im Ökumenischen Forum christlicher Kirchen in der Steiermark. Über ihre Erfahrungen sagt sie: "Die Ökumene in Graz lebt von Begegnung, friedlichem Dialog und gemeinsamem Handeln. Dabei stehen nicht die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten im Mittelpunkt." Durch Offenheit, Wertschätzung und gegenseitiges Zuhören entstehe die Möglichkeit, "voneinander zu lernen und gemeinsam Impulse für Kirche und Gesellschaft zu setzen". Besonders gemeinsame Projekte und persönliche Begegnungen würden helfen, "Vorurteile abzubauen, das Verbindende sichtbarer zu machen und christliche Gemeinschaft glaubwürdig und zeitgemäß zu leben". So könne Ökumene das gesellschaftliche Miteinander in Graz nachhaltig stärken.
15.000 Serbinnen und Serben in der Steiermark
Momcilo Stojnic, Präsident des Verbunds der Serben in der Steiermark, spricht von ca. 15.000 Serbinnen und Serben in der Steiermark. Etwa die Hälfte lebe in Graz oder im Großraum Graz. Zur aktiven Gemeinde der serbisch-orthodoxen Kirche in Graz zählten derzeit etwa 200 bis 300 Personen, so Stojnic: "Sie kommen regelmäßig sonntags zur Heiligen Liturgie in Thondorf und pflegen danach die Gemeinschaft. Nach zwölf Jahren, in denen ich hier in Graz aktiv bin, kann ich klar sagen: Die Gemeinde wächst – besonders in letzter Zeit."
Die Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Pfarrgemeinde in Thondorf funktioniert laut Stojnic sehr gut: "Wir sind dankbar für das wertschätzende Entgegenkommen und die Gastfreundschaft. Natürlich braucht es gegenseitige Rücksichtnahme – besonders am Sonntag, wenn die katholische Messe endet und wir alles für die Heilige Liturgie vorbereiten. Aber das gelingt sehr gut und in einer Atmosphäre des Respekts."
Die Serbisch-orthodoxe Kirche ist die zahlenmäßig größte orthodoxe Kirche in Österreich. Ihr gehören rund 350.000 Gläubige an. Die rund 25 Pfarrgemeinden verteilen sich über das ganze Land. Interimistisch geleitet wird sie vom serbischen Metropoliten Irinej (Bulovic).
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