Hoffnungsbotschaft zum orthodoxen Weihnachtsfest in Betlehem
07. January 2026
Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., ruft zu Frieden und Einsatz für Menschenwürde auf - Gaza bleibt "offene und blutende Wunde im Gewissen der Welt"
Betlehem, 07.01.26 (poi) Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., zeigt sich in seiner Weihnachtsbotschaft zuversichtlich, dass für die Menschen im Heiligen Land wieder bessere Zeiten anbrechen. Vor zahlreichen Repräsentantinnen und Repräsentanten des öffentlichen Lebens ging der Patriarch am Dienstagabend in Betlehem im Rahmen eines Empfangs auf die vielfältigen Probleme ein, denen sich vor allem auch die kleinen christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land ausgesetzt sehen. Der Patriarch rief zum Schutz des Lebens, zur Wahrung der Religionsfreiheit und der Menschenwürde im ganzen Heiligen Land auf.
Im (griechisch-orthodoxen) Patriarchat von Jerusalem wurde - gemäß dem Julianischen Kalender - am Dienstag der Heilige Abend und am heutigen Mittwoch der Christtag gefeiert. Patriarch Theophilos stand in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in der Geburtskirche in Betlehem dem festlichen Weihnachtsgottesdienst vor.
Bethlehem erstrahle nach den abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten an der Geburtskirche in neuem Glanz, unterstrich der Patriarch und fügte hinzu: "Von hier aus beten und hoffen wir, dass das Leben wieder seinen natürlichen Lauf nimmt, dass Pilger aus aller Welt wieder nach Bethlehem kommen, damit der Tourismus aufblüht und der Stadt und ihren Bewohnern wieder Gutes zuteilwird." Der Patriarch kündigte zugleich an, dass nun noch Restaurierungsarbeiten an der Geburtsgrotte anstehen. Damit solle unmittelbar nach den Weihnachtsfeierlichkeiten begonnen werden.
Theophilos III. dankte in seiner Rede u.a. dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas für seine Bemühungen und sein politisches Engagement für einen gerechten Frieden. Theophilos hob zudem dessen unerschütterliche Unterstützung der christlichen Präsenz im Heiligen Land und sein stetes Eintreten für kirchliche Angelegenheiten hervor. Ferner unterstrich Theophilos den historischen Schutzanspruch des jordanischen Königshauses für die muslimischen und christlichen heiligen Stätten in Jerusalem. Dies sei bedeutsam für die Bewahrung des Status quo sowie für die Wahrung der Religionsfreiheit und der Würde der Heiligen Stätten.
Der Patriarch erinnerte in seiner Rede auch daran, dass die Kirchen in Jerusalem wiederholt gemeinsam gegen Einschränkungen protestiert hätten, die den freien Zugang zu den Heiligen Stätten behindern; insbesondere zur Grabeskirche an Feiertagen und ganz besonders während der Zeremonie des Großen Heiligen Feuers am Karsamstag. Theophilos sprach von Praktiken der Sicherheitsbehörden, "die die Heiligkeit des Ortes und die Würde der Gläubigen und Pilger untergraben".
Ebenso kritisierte das Kirchenoberhaupt Maßnahmen der israelischen Behörden, die sich gegen einzelne Kirchen und ihre Institutionen, einschließlich des griechisch-orthodoxen Patriarchats, richten. Jeder Eingriff in eine einzelne kirchliche Institution beeinträchtige die gesamte christliche Präsenz im Heiligen Land.
Theophilos III. gab sich zudem solidarisch mit den Menschen in der Stadt Taybeh im Westjordanland. Er kritisierte die Angriffe extremistischer israelischer Siedler auf die Kirche, den Friedhof und die Olivenhaine der Stadt und bekräftigte die Bedeutung von Menschenwürde und Sicherheit.
Gaza bleibe zudem eine "offene und blutende Wunde im Gewissen der Welt". Die Kirche sei unter Bombardierungen, Belagerungen und Hungersnot an der Seite der Menschen geblieben "und hat menschliches Leid bis zum Äußersten bezeugt", so der Patriarch. Er erinnerte an die Zerstörung kirchlicher Stätten und Einrichtungen, die auch zu Todesfällen, vielen Verletzten und dem Verlust der grundlegendsten Lebensnotwendigkeiten für Vertriebene und Bedürftige geführt haben.
Sein Mitgefühl gelte in dieser Stunde aber auch den Christinnen und Christen in Syrien, führte der Patriarch weiter aus. Er zeigte sich einmal mehr betroffen über den islamistischen Terroranschlag auf die orthodoxe Mar-Elias-Kirche in Damaskus.
Theophilos schloss mit einem eindringlichen Aufruf, sich für den Frieden einzusetzen. Dazu seien die Kirchen bzw. die Christinnen und Christen verpflichtet.