Neue Publikation über Geschichte der Rumänen in Wien erschienen
16. June 2026
Buch enthält Biografien von rund 460 rumänischen orthodoxen und katholischen Persönlichkeiten, die über Jahrhunderte Wien prägten
Wien, 16.06.26 (poi) Vor gut drei Jahren erschien die Publikation "Die Orthodoxen RumänInnen (1683-1918) in Wien und ihre digitale Verortung im Stadtbild". Das vom rumänisch-orthodoxen Bischofsvikar Nicolae Dura und dem Historiker Ioan Dorin Rus herausgegebene Werk beinhaltete die Biografien von hunderten rumänischen orthodoxen Persönlichkeiten, die von 1683 bis 1918 Wien auf vielfältige Weise prägten. Nun ist das Werk in Zweitauflage erschienen und wurde dabei umfassend erweitert: und zwar um Angehörige der Rumänischen Griechisch-katholischen Kirche, wie Bischofsvikar Dura gegenüber dem PRO ORIENTE-Informationsdienst erläuterte. Auch ein bedeutender jüdischer Rumäne, Jacques Elias, wurde aufgenommen und ziert auch das Cover. Präsentiert wurde die Publikation vor wenigen Tagen im Rahmen einer Feierstunde in der rumänischen Botschaft in Wien.
Die Zweitauflage beinhaltet nun bereits 460 Biografien von Rumäninnen und Rumänen, die zwischen 1683 und 1918 in der Habsburger Metropole studierten, arbeiteten oder wirkten. Darunter finden sich zahlreiche Juristen, Politiker, Akademiemitglieder, Ärzte, Künstler und Geistliche, die maßgeblich zur Entwicklung Rumäniens beitrugen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auch auf der Rolle der Kirche. Wie Dura sagte, habe die Kirche entscheidend zur Bewahrung von Identität, Sprache und Zusammenhalt in der Diaspora beigetragen. Darüber hinaus betonte der Bischofsvikar, dass es sich bei der Pubklikation nicht nur um eine historische Dokumentation handle. Er sehe darin auch einen Beitrag zur geistigen und kulturellen Selbstvergewisserung der rumänischen Diaspora.
Die Geschichte der Rumäninnen und Rumänen in Wien reicht weit ins 17. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert war die Zahl der orthodoxen Rumäninnen und Rumänen im Habsburgerreich bereits sehr beachtlich: Eine Million lebte in Ungarn und im Banat, zwei Millionen in Siebenbürgen und in der Bukowina. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges hatte Österreich-Ungarn 53 Millionen Einwohner, davon waren sieben Prozent rumänisch. Aber nicht nur für die drei Millionen Rumäninnen und Rumänen unter der Herrschaft der Habsburger, sondern auch für alle anderen Menschen in Rumänien war Wien lange Zeit das wichtigste europäische Kulturzentrum. Im Jahr 1910 lebten allein fast 4.800 orthodoxe Rumäninnen und Rumänen in Wien.
Digitales Geoportal
Die Publikation bzw. die Recherchen hinter dem Buch sind eingebettet in das Forschungsportal https://orthodoxes-europa.at/geoportal. Das Forschungsprojekt veranschaulicht anhand biografischer Daten, wie orthodoxe Menschen nach Wien migrierten und sich hier niederließen. Anhand der recherchierten Daten werden nicht nur die Biografien der Persönlichkeiten erarbeitet, sondern auch deren Wirkungsstätten lokalisiert und im "Digitalen Geoportal der Geschichte der Orthodoxen in Österreich" eingebettet. Dabei handelt es sich um eine private Forschungsinitiative von Mihailo Popovic von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das Ziel des gesamten Projekts sei es, die Vergangenheit und Gegenwart der orthodoxen Christinnen und Christen zu erforschen und einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln, so Popovic.
Neben der Aufarbeitung der Geschichte der orthodoxen Rumäninnen und Rumänen wurde auch bereits jene der Serbinnen und Serben in Wien abgeschlossen. Das dritte abgeschlossene Forschungsprojekt geht dem Schicksal tausender orthodoxer Geflüchteter aus Galizien nach, die im Ersten Weltkrieg im Weinviertel strandeten.