Ökumene: Orthodox-koptisches Gipfeltreffen in Istanbul
27. April 2026
Koptisch-orthodoxer Papst-Patriarch Tawadros II. von Patriarch Bartholomaios I. empfangen
Istanbul, 27.04.26 (poi) Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. hat am Wochenende das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel besucht. Am Sitz des Patriarchats (Phanar) in Istanbul wurde Tawadros von Patriarch Bartholomaios I. empfangen. Mit dem Treffen, das 25 Jahre nach dem Besuch des koptischen Patriarchen Schenuda III. im Phanar stattfand, sollen die Beziehungen zwischen den beiden Kirchen weiter gestärkt werden, hieß es übereinstimmend von beiden Seiten. Es war der erste Besuch von Tawadros II. im Ökumenischen Patriarchat.
In der Georgskirche im Phanar nahm das koptische Kirchenoberhaupt an einem Gottesdienst teil, bevor der Besuch in den Audienzräumen des Patriarchats seine Fortsetzung fand. Die beiden Kirchenoberhäupter betonten dabei mehrmals den Willen zur verstärkten Zusammenarbeit.
Patriarch Bartholomaios hob hervor, dass die Bande zwischen Konstantinopel und der Koptischen Kirche "uralt und heilig" seien und durch das Blut der Märtyrer und das gemeinsame patristische Erbe genährt würden. Missverständnisse theologischer und anderer Art, die zur Trennung und Entfremdung geführt hatten, seien inzwischen weitgehend überwunden. Bartholomaios rief dazu auf, mit einheitlicher Stimme für die Verteidigung der Menschenwürde und die Heiligkeit der Schöpfung einzutreten, insbesondere in Regionen, in denen Christen Verfolgung ausgesetzt sind.
Ähnlich äußerte sich auch Patriarch Tawadros. Er bekräftigte das Bekenntnis zur Einheit und zum Frieden. Die Kirchen müssten ein Zeichen der Einheit, Zeugen der Liebe und Diener des Friedens sein. "Lasst uns gemeinsam beten, gemeinsam dienen und gemeinsam Zeugnis ablegen vor einer Welt, die von uns mehr erwartet als nur Worte", so Tawadros, der den Ökumenischen Patriarchen auch zu einem Gegenbesuch in Ägypten einlud.
Die deutlichen ökumenischen Bekundungen sind auch auf dem Hintergrund der jüngsten Annäherungen zwischen der Orthodoxen Kirche und den Orientalisch-orthodoxen Kirchen zu sehen. Nach rund 30 Jahren Unterbrechung wurde ein strukturierter Dialog zwischen den beiden Kirchenfamilien im Herbst 2024 wieder aufgenommen. Hochrangige Vertreter waren in Ägypten zu einer Tagung zusammengekommen, bei der die weiteren möglichen und notwendigen Schritte diskutiert wurden. Die Konferenz fand im Logos-Zentrum im Wadi El-Natrun in Ägypten statt; einladender "Hausherr" war Papst-Patriarch Tawadros II. Patriarch Bartholomaios hatte nicht persönlich an der Tagung teilgenommen, aber ein Grußwort übersandt.
Behandelt wurden in Wadi El-Natrun u.a. theologische, aber auch ethische und soziale Fragen. Die Vertreter der beiden Kirchenfamilien tagten zum Teil innerhalb der jeweils eigenen Kirchen, zum Teil auch im Plenum. Bei den Beratungen konnte man auf ein vor zehn Jahren in Athen von einer inoffiziellen Arbeitsgruppe erstelltes Dokument zurückgreifen. Besondere Aufmerksamkeit wurde u.a. den Themen Ehe und Familie gewidmet, wie es hieß.
Der Dialog zwischen den beiden Kirchenfamilien wurde in den 1960er Jahren aufgenommen; zuerst mit vier inoffiziellen Treffen (Arhus 1964, Bristol 1967, Genf 1970 und Addis Abeba 1971). Darauf folgten vier offizielle Dialog-Konferenzen (Genf 1985, Wadi El-Natrun 1989, Genf 1990 und 1993). Seither gab es keine weiteren offiziellen Dialoge mehr, wohl aber zahlreiche inoffizielle Initiativen, etwa auf Ebene von Theologen.
Als Ko-Vorsitzende der Gemeinsamen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Orthodoxen Kirche und den Orientalisch-orthodoxen Kirchen fungieren Metropolit Emmanuel (Adamakis) vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und Metropolit Thomas von Quosia und Mir von der Koptisch-orthodoxen Kirche.