Ökumenisches Patriarchat: Umfassende Renovierung der Hochschule von Chalki
04. November 2026
Nach umfangreichen Bauarbeiten wäre Hochschule ab 2027 bereit für die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs - Ob es dazu kommt, hängt aber von den türkischen Behörden bzw. Präsident Erdogan ab
Istanbul/Washington, 04.11.26 (poi) Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel lässt in seinen Bemühungen um die Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule von Chalki nicht locker. Zuletzt hatten sich Signale auch vonseiten des türkischen Staates verdichtet, dass eine Wiedereröffnung in nicht allzu ferner Zukunft möglich wäre. Das Patriarchat möchte jedenfalls seine eigenen Hausaufgaben in der Causa bis dahin erledigt wissen. So kündigte der Abt des Dreifaltigkeitsklosters auf Chalki, das die Hochschule seit ihrer Gründung im Jahr 1844 beherbergt, an, dass die derzeitigen umfangreichen Renovierungsarbeiten an der Theologischen Hochschule voraussichtlich im Jänner 2027 abgeschlossen sein werden.
Dabei handelt es sich nicht nur um kleinere Renovierungseingriffe, sondern um umfangreiche Maßnahmen, wie Abtbischof Kassianos im Interview mit dem US-Portal "Orthodox Observer" erläuterte. Die Arbeiten umfassen demnach den Bau eines unterirdischen Auditoriums und den Umbau einer alten Scheune in einen modernen Konferenzsaal. Der bisher ungenutzte Dachboden wird zudem zu Wohnraum für Studierende und Gastprofessoren ausgebaut.
Im historischen Hauptgebäude Gebäude würden derzeit ebenfalls umfangreiche Arbeiten durchgeführt, um den Brandschutz, die Barrierefreiheit, die Klimaanlage und die digitale Infrastruktur zu verbessern. Renoviert würden u.a. auch das Theater und der Speisesaal der Schule. Maßnahmen würden auch in der Bibliothek gesetzt, die 85.000 Bücher von großem historischem Wert beherbergt, so Kassianos.
Bewegte Geschichte
Die Theologische Hochschule auf der im Marmara-Meer vor Istanbul liegenden Prinzeninsel Chalki, die bis zu ihrer Schließung 1971 die wichtigste Ausbildungsstätte für den Klerus des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel war, hat eine lange Geschichte und war eines der führenden theologischen Seminare weltweit. Viele prominente Theologen und Kirchenführer, darunter auch der aktuelle Patriarch Bartholomaios I., haben dort studiert.
Die Schule wurde 1844 vom Ökumenischen Patriarchen Germanos IV. im Dreifaltigkeitskloster gegründet, das der Überlieferung nach im neunten Jahrhundert vom Heiligen Photios dem Großen gegründet worden war. Das heutige Gebäude wurde 1896 eingeweiht, nachdem das ursprüngliche Gebäude durch ein Erdbeben 1894 schwer beschädigt worden war.
Die Schließung von Chalki im Jahr 1971 erfolgte durch ein türkisches Gesetz, das den Betrieb privater Universitäten untersagte. Diese Entscheidung führte zu einer schwerwiegenden Einschränkung der Ausbildungsmöglichkeiten für den orthodoxen Klerus und wird seitdem als Hindernis für die religiöse Freiheit der orthodoxen Gemeinschaft angesehen.
In regelmäßigen Abständen wird Chalki vom Ökumenischen Patriarchen auch medial thematisiert und auch in bilateralen Gesprächen mit der türkischen Politik bis hinauf zu Präsident Erdogan auf eine Wiedereröffnung gedrängt. Dazu kommen jahrelangen Bemühungen von internationalen Akteuren wie den USA, der EU und Russland, die sich ebenfalls für die Wiedereröffnung einsetzten; bislang aber erfolglos.
Erst im September hatte der türkische Bildungsminister Yusuf Tekin gegenüber dem Sender CNN-Türk gesagt, die endgültige Entscheidung über die Wiedereröffnung der Hochschule liege bei der politischen Führung der Türkei und damit bei Präsident Recep Tayyip Erdogan. Sein Ministerium, so Tekin, habe die Vorbereitungen für eine mögliche Wiedereröffnung abgeschlossen.