Orthodoxes Kloster in St. Andrä: Mönche halten an Plänen für Neubau fest
14. April 2026
Verwalter des Klosters, P. Raphael (Vouvidis), im Interview mit dem PRO ORIENTE-Magazin über das Leben als orthodoxer Mönch im Burgenland und was den Mönchen auch in schwierigen Zeiten Hoffnung gibt
Eisenstadt, 14.04.26 (poi) Die Mönche des orthodoxen Klosters in St. Andrä/Zicksee halten weiter an den Plänen für einen Neubau des Klosters fest. Das betont P. Raphael (Vouvidis), Verwalter des Kloster, im Interview in der aktuellen Ausgabe des PRO ORIENTE-Magazins. Wörtlich bekräftigt der Mönch: "Unsere Kirche verfolgt weiterhin das Ziel, den Klosterneubau zu realisieren. Wir sind immer noch dabei, Spendengelder zu sammeln. Es sind zwar schon Gelder zusammengekommen, aber die Summen für den Klosterbau sind enorm hoch. Das heißt, wir benötigen Großspender. Wir möchten weiterhin dieses Projekt realisieren." Man sei auch mit der Diözese Eisenstadt in enger Kooperation, deren Bischof Ägidius Zsifkovics das Projekt "von Herzen unterstützt", so P. Raphael.
Das orthodoxe Klosterprojekt in St. Andrä wurde 2014 gestartet, als die katholische Diözese Eisenstadt dafür ein Grundstück in St. Andrä zur Verfügung stellte. Der Bau eines neuen Klosters - der Grundstein wurde im September 2020 gelegt - verzögerte sich zwar seither immer wieder. Die Mönchsgemeinschaft vor Ort besteht aber bereits seit 2016, als in St. Andrä zwei Häuser gekauft wurden, die zu einem kleinen Kloster mit Kapelle, Gästehaus und Mönchszellen umgestaltet wurden, wo die Mönche ihr spirituelles und liturgisches Leben pflegen. Die Integration in die Ortsgemeinschaft ist inzwischen gut gelungen.
P. Raphael gibt im Interview auch einen Einblick in das klösterliche Leben in St. Andrä, das sehr stark von Gebets- und Dienstzeiten geprägt ist. Man habe einen sehr geregelten Tagesablauf: "Wir stehen werktags um 5 Uhr auf, und jeder hat sein persönliches Gebet in seinem Zimmer. Jeden Tag von 6 bis 9 Uhr ist dann der Gottesdienst, die Liturgie. Sonntags beginnt der Gottesdienst eine Stunde später, dauert also von 7 bis 10 Uhr, damit die Menschen den Gottesdienst leichter besuchen können."
Werktags gebe es nach dem Gottesdienst um 9 Uhr ein kleines Frühstück. Von 10 bis 12 Uhr habe dann jeder Mönch seine Dienstzeit, "in der Dienste wie Kochen, Einkaufen und Gartenarbeit geleistet werden". Derzeit renoviere man zudem das Kloster, und auch die Pilgerbetreuung und pastorale Tätigkeiten gehörten zu den Diensten.
P. Raphael: "Von 12.15 bis 12.45 Uhr haben wir eine kleine Bittandacht zur Muttergottes. Von 13 bis 13.30 Uhr ist das Mittagessen und von 14 bis 16.30 Uhr haben wir wieder Dienste." Von 17 bis 18.15 Uhr finde bereits der Abendgottesdienst statt; im Anschluss daran gebe es ein kleines Abendessen. Um 20 Uhr beginne schließlich die Zeit des persönlichen Gebets und des persönlichen Studiums, "was uns Mönchen, besonders den jungen wichtig ist". Spätestens um 22 Uhr sei Nachtruhe, damit man den nächsten Tag um 5 Uhr beginnen kann.
Die Anfänge des Klosters liegen nicht in den Jahren 2014 bzw. 2016, sondern viele weiter zurück, wie P. Raphael berichtet: "Wir waren damals zu viert im Kloster des Heiligen Arsenios von Kappadokien in Griechenland und haben nach einer Bleibe gesucht." Dabei habe es auch Pläne gegeben, "dass wir auf den Athos gehen, um dort zu leben". Doch dann habe man Metropolit Arsenios (Kardamakis) kennengelernt. P. Raphael: "Er hatte selbst langjährige Erfahrung als Mönch, bevor er Metropolit wurde, und kennt auch den geistlichen Wert eines Klosters – für die Kirche, aber auch für die Gesellschaft. Deshalb wollte er von Anfang an, seit er Metropolit von Österreich und Exarch von Ungarn wurde, ein Kloster haben."
Zur Frage, was den Mönchen in den gegenwärtigen krisenbehafteten Zeiten Hoffnung gebe, antwortete P. Raphael: "Unsere Hoffnung, besonders als Mönche, ist natürlich immer Christus; dass Er uns versprochen hat, dass Er immer mit uns sein wird, egal wie dunkel es sein mag. Christus ist immer an unserer Seite und möchte uns helfen."
Zum anderen sehe er aber auch, so der Mönch, "dass es auch in diesen Zeiten viele junge Menschen gibt, die auf einer aufrichtigen geistlichen Suche sind und den Heiland suchen". In der Metropolis von Austria gebe es eine deutschsprachige Gemeinde, "die für mich ein echter Hoffnungsschimmer ist". Dort kämen viele junge Menschen mit unterschiedlichen, zum Teil auch atheistischen Hintergründen zusammen, "die zu Christus und zu seiner Kirche gefunden haben, und die dort Freude und Hoffnung finden".
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