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PRO ORIENTE bringt Kirchen der syrischen Tradition zusammen

29. June 2026

"Colloquium Syriacum" und Jugendworkshop finden parallel und gemeinsam diese Woche im Stift Klosterneuburg statt

Stiftsansicht ganzer komplex

Wien, 29.06.26 (poi) Ab Montagabend wird das Stift Klosterneuburg zu einem Treffpunkt für die Kirchen der syrischen Tradition. Das Stift ist Gastgeber für das 7. "Colloquium Syriacum" der Stiftung PRO ORIENTE, das Bischöfe, Theologinnen und Theologen sowie weitere Fachleute aus den Kirchen der syrischen Tradition zusammenbringt. Parallel dazu findet ein Workshop mit Jugendlichen aus diesen Kirchen statt, womit PRO ORIENTE den seit einigen Jahren bestehenden Fokus auf der jungen Generation weiter vertieft. 

Beide Veranstaltungen stehen unter dem Generalthema "In Europa zu Hause – im Dialog mit den Herkunftsländern". Im Fokus steht dabei insbesondere die aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete Frage, welche Rolle die Liturgie bzw. die verschiedenen Liturgien für die gemeinsame Identität der syrischen Christinnen und Christen der verschiedenen Kirchen spielen können. Zu der Konferenz werden gut 30 Teilnehmende erwartet. Zum Jugendworkshop werden 17 junge Erwachsene aus den verschiedenen Kirchen der syrischen Tradition ins Stift Klosterneuburg kommen. 

Am Dienstagvormittag werden die Teilnehmenden beider Veranstaltungen zum Auftakt zusammenkommen. Begrüßt werden sie zunächst vom gastgebenden Propst des Stifts Klosterneuburg, Anton Höslinger, sowie von PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja. Prof. Dietmar Winkler, wissenschaftlicher Leiter des "Colloquium Syriacum", und PRO ORIENTE-Programmdirektorin Viola Raheb, die für den Jugendworkshop verantwortlich ist, werden in das gemeinsame Thema beider Veranstaltungen und die jeweiligen spezifischen Besonderheiten einführen. Danach werden die beiden Foren meist getrennt tagen, aber auch immer wieder zum Austausch und zu weiteren gemeinsamen Aktivitäten zusammenkommen, so etwa am Donnerstag zu einer gemeinsamen Exkursion in die syrisch-orthodoxe Gemeinde in Wien-Leopoldau. Zu dieser Begegnung werden neben Vertreterinnen und Vertreter der gastgebenden syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde von Österreich auch Gäste aus den anderen in Wien präsenten Kirchen der syrischen Tradition erwartet. 

Prof. Winkler hielt im Vorfeld der Veranstaltung fest: "Das Colloquium Syriacum verbindet wissenschaftliche Reflexion, kirchlichen Austausch und den Dialog zwischen den Generationen. Ziel ist es, Impulse für die Bewahrung und zeitgemäße Weiterentwicklung der syrischen Traditionen zu erarbeiten und die Zusammenarbeit der Kirchen in Europa und weltweit nachhaltig zu stärken." 

Die Leiterin des Jugendworkshops, PRO ORIENTE-Programmdirektorin Viola Raheb, betonte: "Das wir beide Formate zusammenbringen, ist für uns sehr wichtig, um eine neue Generation von ökumenisch engagierten und interessierten Menschen dazu zu befähigen, den Dialog und die Zusammenarbeit weiterzuführen. Sie sind die Gegenwart und die Zukunft unserer Kirchen."

Die jungen Christinnen und Christen kommen zum Teil aus den Herkunftsländern ihrer Kirchen wie Syrien, dem Irak, Libanon, Palästina und Indien, und zum Teil aus der europäischen Diaspora. Einige von ihnen hatten bereits zuvor an anderen PRO ORIENTE-Formaten teilgenommen. Raheb erarbeitet mit ihnen, gemeinsam mit den Kirchenleitungen sowie weiteren Expertinnen und Experten, Perspektiven für eine lebendige liturgische Praxis und die Zukunft ihrer Gemeinschaften. 

Herausforderungen für Christinnen und Christen der syrischen Tradition Mittlerweile leben mehr Mitglieder der Kirchen der syrischen Tradition außerhalb als innerhalb ihrer ursprünglichen Heimatländer, vor allem in Europa, Australien und Amerika, heißt es im Vorfeld der Tagungen vonseiten der Stiftung PRO ORIENTE. Die Kirchen syrischer Tradition – sie umfassen zehn verschiedene Kirchen mit unterschiedlichen liturgischen Riten – würden sich somit in einem dynamischen Spannungsfeld befinden: zwischen Herkunftsländern und neuer Heimat, zwischen der Bewahrung ihrer alten Traditionen und Riten einerseits und der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen ihres neuen, meist westlichen Umfelds andererseits. Vor diesem Hintergrund verdeutlichten die Diskussionen über syrische Tradition, Identität, Sprache und Liturgie – insbesondere in der Diaspora – das komplexe Zusammenspiel dieser Faktoren innerhalb der weltweiten Gemeinschaften syrischer Christinnen und Christen. 

Die Liturgie spiele als lebendiger und geistlicher Ausdruck des Glaubens eine zentrale Rolle: Sie verbinde vielfältige Gemeinschaften über Regionen und Traditionen hinweg. Um sowohl in einer sich wandelnden Welt als auch in neuen kulturellen Kontexten geistlich bedeutsam zu bleiben, "bedarf die Liturgie – bei gleichzeitiger Wahrung ihrer historischen und theologischen Authentizität – einer kontextuellen Anpassung durch Übersetzungen, mehrsprachige Texte und Prozesse der Inkulturation". 

In diesem Kontext sei es eine bedeutsame Entwicklung, dass sich die syrischen Kirchen heute auch in neuen ökumenischen Kontexten und in neuen Formen des Dialogs mit den Kirchen westlicher Tradition engagieren. Dies erfordert auch eine engere Zusammenarbeit der syrischen Kirchen untereinander, um ihr reiches theologisches, liturgisches und literarisches Erbe im Geiste der Einheit weiterzugeben. Auch der interreligiöse Dialog bleibe von entscheidender Bedeutung, insbesondere in pluralistischen und säkularen Gesellschaften. Syrische Christinnen und Christen könnten dabei auf ihre historischen Erfahrungen des Zusammenlebens und des gegenseitigen Respekts zurückgreifen, wie sie insbesondere im Nahen Osten und in Indien gewachsen sind. 

Fazit: Diese komplexe Situation verlange nach einer fundierten wissenschaftlichen Reflexion, interdisziplinärem und interkonfessionellem Austausch sowie einem aktiven Dialog zwischen Kirchenleitungen und Gläubigen – insbesondere mit jungen Menschen, die die Verantwortung tragen, das syrische Erbe auch in ihrer neuen Heimat zu bewahren und zu erneuern.