Pro Oriente
News / PRO ORIENTE will Initiativen für Frieden und Versöhnung eine Stimme geben

PRO ORIENTE will Initiativen für Frieden und Versöhnung eine Stimme geben

22. April 2026

Präsentation des Buches "Healing Memories amidst a broken World" in Wien – Wiener Konsultation "Frauen als Friedensstifterinnen" setzt Projekt "Healing of Wounded Memories" fort

Postcard Buch small

mailto:bestellung@aphorisma.euWien, 22.04.26 (poi) Am vergangenen Wochenende wurde in Wien das Buch "Healing Memories amidst a broken World. Christian Voices and Theologies from Europe and the Middle East" vorgestellt. Die Publikation umfasst ca. 30 Beiträge von Teilnehmenden des PRO ORIENTE-Projekts "Healing of Wounded Memories/Verletzte Erinnerungen heilen", mit dem PRO ORIENTE sich seit November 2023 bemüht, Initiativen für Frieden und Versöhnung in Krisenregionen in Europa und Nahost zu fördern und zu vernetzen. Mit dem Buch ist eine erste Phase des Projekts abgeschlossen, es geht aber bereits weiter, denn die Präsentation im Wiener Michaelerkloster war der öffentliche Teil der internationalen Konsultation "Frauen als Friedensstifterinnen", zu der PRO ORIENTE von 16. bis 19. April nach Wien geladen hatte. 

PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja hob in seinen Begrüßungsworten die Bedeutung des Projekts hervor, gerade in einer Zeit, die stärker vom Entstehen neuer Wunden als von Heilung gekennzeichnet zu sein scheine. In dem Band seien Stimmen von Menschen aus Europa und dem Nahen Osten vereint, die verschiedenen christlichen Traditionen angehören. Diese Stimmen von Theologinnen und Theologen sowie Expertinnen und Experten aus anderen Feldern, die PRO ORIENTE in den vergangenen drei Jahren auf dem Weg der Heilung verwundeter Erinnerungen begleitete, würden dazu beitragen, "eine größere Einheit unter unseren Kirchen zu fördern, Wunden zu heilen und sich für eine humanere Welt einzusetzen", so Koja. Dies seien Stimmen, "die sonst in einem Umfeld, das Krieg, Militarisierung und Rache propagiert, selten gehört oder wahrgenommen werden". 

Herausgeberinnen des Bandes sind die deutsche Theologin Prof. Regina Elsner und die Programmdirektorin von PRO ORIENTE, Viola Raheb, die beide auch schon für das PRO ORIENTE-Projekt "Healing of Wounded Memories" verantwortlich waren. Raheb wies bei der Buchpräsentation darauf hin, dass mehr als 200 Fachleute aus verschiedenen Disziplinen und unterschiedlichen Kontexten am Projekt beteiligt waren. Die Beiträge in dem Band zeigten daher nur einige Facetten des Gesamtprojektes, deren besonderer Reiz in der Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Zugänge zum Thema liege. 

Mitherausgeberin Prof. Elsner erläuterte die Entstehungsgeschichte des Gesamtprojektes, das von der PRO ORIENTE-Kommission für orthodox-katholischen Dialog, der sie selbst angehört, initiiert worden war. Eine Eröffnungs- und Abschlusskonferenz in Wien im November 2023 und November 2025 bildeten den Rahmen für die Dialog- und Versöhnungsarbeit, die im Zuge von regionalen Workshops in den drei Schwerpunktregionen des Projekts Südosteuropa, Naher Osten und Osteuropa geleistet wurde. 

Die Beiträge im Buch, die aus allen Phasen des Projekts stammen, sind in drei Kapiteln angeordnet. Im ersten seien Stimmen zu finden, die das gemeinsame theologische Erbe und den historischen Kontext beleuchten, so Elsner. Im zweiten Teil seien Stimmen und Themen aus den drei regionalen Kontexten versammelt. Im abschließenden dritten Kapitel würden Perspektiven zur Zukunft der ökumenischen Beziehungen vor dem Hintergrund andauernder Kriege und Auseinandersetzungen entworfen, spannte die Theologin den Bogen. 

Nicht in der Opferrolle verharren

Drei der Autorinnen gaben kurze Erläuterungen zu ihren Beiträgen. Die kroatische Theologin und Friedensaktivistin Ana-Marija Raffai betonte die Bedeutung der Beziehungen, die durch das PRO ORIENTE-Projekt ermöglicht wurden, und die hinter den einzelnen Beiträgen im Buch stünden. Diese Beziehungen sowie den Gedanken, dass alle Beteiligten Geschwister sind, wie in der Enzyklika "Fratelli tutti" von Papst Franziskus ausgeführt, "sind für mich die eigentliche Essenz des Projekts", so Raffai. 

Die russische Journalistin und Religionswissenschaftlerin Ksenia Luchenko verwies auf einen für das Projekt wichtigen Aspekte der Staat-Kirche-Beziehungen. Am Beispiel der Russisch-orthodoxen Kirche machte sie deutlich, dass das gängige Vorurteil, dass orthodoxe Kirchen notwendigerweise immer vom jeweiligen Staat absorbiert würden, so nicht stimme. Anfang der 1990er Jahre habe es eine echte Chance für einen kirchlichen Neubeginn gegeben, getrennt vom Staat, in Zusammenarbeit mit vielen guten Kräften in der Zivilgesellschaft. Die Kirche habe über starkes Vertrauen in großen Teilen der Gesellschaft verfügt und in anderen Teilen habe es Neugier und Bereitschaft zur Unterstützung und Zusammenarbeit gegeben. 

Die belarussische Theologin und Friedensaktivistin Natallia Vasilevich betonte, dass es trotz aller Erfahrungen von Verletzungen und Verwundungen wichtig sei, nicht in der Opferrolle stehen zu bleiben. Es komme darauf an, wie der Barmherzige Samariter im Gleichnis Jesu selbst zu Handelnden zu werden, die neue Verwundungen bei anderen sehen, und nicht weitergehen, sondern stehen bleiben und helfen. 

"Frauen als Friedensstifterinnen" 

In einem zweiten Teil der Veranstaltung leitete Programmdirektorin Raheb auf die Konsultation zum Thema "Frauen als Friedensstifterinnen" über, die aus dem Projekt "Healing memories" erwachsen sei. Es habe sich gezeigt, dass es weiterhin einen großen Bedarf an sicheren Räumen für Dialog, Austausch und Vernetzung gebe, so die Theologin. Bei der Konsultation wolle PRO ORIENTE gemeinsam mit Frauen, die sich in ihren jeweiligen Kontexten auf unterschiedlichen Ebenen für Frieden einsetzen, über künftige Themen und Formate nachdenken und die Frauen miteinander vernetzen, so Raheb. Sie dankte den Wiener Benediktinerinnen der Anbetung, die die Konsultation mit großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft sowie weitergehender Unterstützung in den Räumlichkeiten ihres Klosters ermöglicht hatten. 

Bei der Veranstaltung kamen auch einige Teilnehmerinnen der Konsultation zu Wort. Die jordanische Religionswissenschaftlerin und Expertin für den muslimisch-christlichen Dialog, Renee Hattar, die u.a. zum Beitrag der Musik aus verschiedenen religiösen Traditionen für den Frieden arbeitet, zeigte mit dem Gesangsvortrag des Ave Maria aus der syrischen Liturgie in aramäischer Sprache, was das Herz ihrer Forschung und Friedensarbeit ausmacht. 

Die syrische Juristin Judi Sbat erläuterte, dass bei der laufenden Konsultation ein Raum entstanden sei, in dem sich die Frauen vertrauensvoll über ihren jeweiligen Weg, ihre Erfahrungen und Wunden sowie ihr Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung austauschen könnten. "Unser Zusammenkommen und unsere Vernetzung bei diesem Treffen sind eine Investition in den Frieden – für unsere Kontexte, unsere Regionen und darüber hinaus", zeigte sich Sbat überzeugt. Das Buch "Healing Memories Amidst a Broken World. Christian Voices and Theologies from Europe and the Middle East" ist im AphorismA-Verlag erschienen, über den es bezogen werden kann (per E-Mail unter: bestellung@aphorisma.eu – weitere Infos unter: https://shop.aphorisma.eu/products/healing-memories).