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Syrische Kirchen betonen gemeinsames Erbe als Basis für geeintes Zeugnis in der Zukunft

03. July 2026

Viele positive Impulse des 7. "Colloquium Syriacum" und des parallel dazu veranstalteten Jugendworkshops von PRO ORIENTE für Identität und Glaubenszeugnis der Kirchen der syrischen Tradition in sich rasch verändernden Gesellschaften

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Wien, 03.07.26 (poi) "Verwurzelt in der Liturgie sind Christinnen und Christen aufgerufen, gemeinsam die Zeichen der Zeit zu erkennen und durch Gerechtigkeit, Frieden, Solidarität mit den Armen und Dienst an der Gesellschaft ein mutiges Zeugnis für das Evangelium abzulegen." - Das ist eine der zentralen Aussagen des Kommuniqués, das am Freitag zum Abschluss des 7. "Colloquium Syriacum" der Stiftung PRO ORIENTE verabschiedet wurde. Bischöfe, Theologinnen und Theologen sowie weitere Fachleute aus den Kirchen der syrischen Tradition tagten eine Woche lang im Stift Klosterneuburg. Parallel dazu fand ein von PRO ORIENTE veranstalteter Jugendworkshop statt. An manchen Einheiten nahmen die Jugendlichen und die Mitwirkenden des Colloquiums gemeinsam teil, was von beiden Seiten als sehr bereichernd wahrgenommen wurde. 

Zu diesen Bereicherungen zählte auch ein Abend der Begegnung, der am Donnerstag, 2.7., in der syrisch-orthodoxen Gemeinde zur Heiligen Maria, der Mutter Gottes, in Wien-Leopoldau stattfand. Die Teilnehmenden beider Veranstaltungen wurden dort mit Klängen der Wiener syrisch-orthodoxen "Brass Band" herzlich willkommen geheißen. In kurzen Ansprachen sowie einer Führung über das Gelände der ersten und bisher einzigen neu gebauten syrischen Kirche Österreichs beleuchteten Vertreter der gastgebenden Gemeinde die Entstehungsgeschichte und das Konzept des Neubaus, sowie die langjährige Verbundenheit und gute Zusammenarbeit mit PRO ORIENTE. Nach einem gemeinsamen Abendgebet mit Elementen aus den verschiedenen syrischen Traditionen, die in west- und ostsyrischer, arabischer und englischer Sprache sowie auf Malayalam gebetet wurden, wurden die bestehenden Kontakte bei Gesprächen im Rahmen eines festlichen Abendessens weiter vertieft. PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja dankte in seinem Dankeswort insbesondere der Frauengruppe der Gemeinde für die Zubereitung. 

Im Fokus der gesamten Woche stand die aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete Frage, welche Rolle die Liturgie bzw. die verschiedenen Liturgien für die gemeinsame Identität der syrischen Christinnen und Christen der verschiedenen Kirchen spielen können. Das Colloquium zählte rund 30 Teilnehmende, zum Jugendworkshop kamen knapp 20 junge Erwachsene aus den verschiedenen Kirchen der syrischen Tradition. 

Der Jugendworkshop brachte erfolgreich junge Menschen aus verschiedenen syrischen Kirchen zusammen, "um ihr gemeinsames christliches Erbe zu erkunden, bedeutungsvolle Freundschaften zu knüpfen und über ihre gemeinsame Identität nachzudenken", so PRO ORIENTE-Programmdirektorin Viola Raheb. Gebete, Diskussionen, Musikworkshops und Gruppenaktivitäten standen auf dem Programm, bei denen die syrische Tradition und die Zugehörigkeit im Mittelpunkt standen. Es gab Vorträge und Workshops zur syrischen Geschichte, zu liturgischen Traditionen und kirchlichen Strukturen, "bei denen gleichzeitig ergründet wurde, was es bedeutet, als syrische Christinnen und Christen in der Diaspora ihren Glauben und ihre kulturelle Identität zu bewahren". Ein Höhepunkt sei der Workshop zur syrischen Musik gewesen, bei dem auch gesungen und musiziert wurde. 

Raheb: "Obwohl die Teilnehmenden aus verschiedenen Ländern und kirchlichen Hintergründen stammten, entdeckten sie tiefgreifende spirituelle und kulturelle Gemeinsamkeiten, was ihr Engagement für die Bewahrung und Weitergabe ihres syrisch-christlichen Erbes an künftige Generationen stärkte." 

Ein wichtiges Thema sei die gemeinsame Identität gewesen. Die Teilnehmenden setzten sich mit der Frage auseinander, "wie sich syrische Christinnen und Christen definieren, wobei Aspekte wie Sprache, Kultur, Nationalität und religiöse Tradition berücksichtigt wurden - besonders im Kontext des Lebens in der Diaspora". Es seien Fragen erörtert worden, wie man kulturelle und religiöse Identität bewahren könne, während man gleichzeitig offen für andere Perspektiven bleibt. "Der Workshop zeigte auf, dass ökumenischer Dialog die Kenntnis der eigenen Traditionen, den Respekt vor den Traditionen anderer und gemeinsame Anstrengungen zur Bewahrung und Weitergabe des Erbes der syrischen Kirchen an kommende Generationen voraussetzt", so Raheb. 

Ein junger Teilnehmer, Toni Tahan aus dem Libanon, brachte es so auf den Punkt: "Wir haben erkannt, dass unsere Vielfalt keine Schwäche ist, sondern ein Reichtum, der uns in einem Glauben und einem gemeinsamen Erbe vereint. Wir haben zudem gelernt, dass die Liturgie nicht einfach nur etwas ist, das wir feiern, sondern die Quelle, die uns prägt, uns verwandelt und uns aussendet, um Zeugen Christi in der Gesellschaft zu sein." 

Die jungen Menschen würden diesen Workshop voller Hoffnung verlassen, "aber auch mit einem Gefühl der Verantwortung", so Tahan: "Wir glauben, dass die Zukunft unserer Kirche davon abhängt, dass wir alle zusammenarbeiten." 

Ein Anliegen, das ihn in diesen Tagen tief bewegte, sei die Zukunft der syrischen Kirchen: "Wir alle möchten unsere schöne liturgische Tradition bewahren, doch viele junge Menschen verstehen heute die syrische Sprache nicht mehr. Wenn sie die Gebete nicht verstehen, fällt es ihnen schwer, voll und ganz teilzunehmen und Christus durch die Liturgie zu begegnen. Wenn diese Herausforderung heute nicht angegangen wird, wird sie in der Diaspora und für künftige Generationen noch größer werden." 

Die Aufgabe bestehe nicht nur darin, die syrische Sprache und Traditionen zu bewahren, "sondern jungen Menschen zu helfen, sie zu verstehen, zu leben und durch sie Christus zu entdecken". Denn: "Eine Tradition bleibt nur dann lebendig, wenn sie verstanden, gelebt und weitergegeben wird." 

Auch ein Teilnehmer aus Indien äußerte sich ähnlich: "Durch Diskussionen und interaktive Beteiligungsformate stellten wir fest, dass wir, obwohl sich unsere liturgischen Praktiken, Sprachen und Bräuche unterscheiden mögen, alle dasselbe syrische Erbe und einen gemeinsamen christlichen Glauben teilen. Es war eine großartige Gelegenheit, einander besser zu verstehen und Freundschaften über die Grenzen unserer Kirchen hinweg zu knüpfen", so Rocky Joy. 

Abschlusskommunique des 7. "Colloquium Syriacum" 

In der Sprache etwas anders, in der Sache aber sehr ähnlich heißt es auch im offiziellen Abschlusskommuniqué des 7. "Colloquium Syriacum". Die Diskussionen hätten gezeigt, dass die Liturgie einen der wichtigsten Bereiche für den ökumenischen Dialog zwischen den syrischen Kirchen darstellt, heißt es im Kommuniqué. Während sich die Kirchen auf unterschiedlichen historischen Wegen entwickelten, seien ihre liturgischen Traditionen tief miteinander verbunden geblieben und zeugten weiterhin von einem gemeinsamen theologischen und spirituellen Erbe. Die Vielfalt der Riten dürfe nicht als Hindernis für die kirchliche Einheit verstanden werden, sondern sei vielmehr legitimer Ausdruck des Reichtums des einen apostolischen Glaubens. Liturgische Ökumene dürfe folglich nicht auf die Schaffung eines gemeinsamen oder hybriden Ritus abzielen, sondern müsse vielmehr als "gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung der unterschiedlichen liturgischen Traditionen im Streben nach voller Gemeinschaft" verstanden werden. 

Die Teilnehmenden hätten zudem die enge Verbindung zwischen Liturgie, kirchlicher Identität und Gemeinschaftsleben hervorgehoben. Liturgische Sprache, sakrale Musik, Architektur und rituelle Praxis würden zum einen das theologische Selbstverständnis jeder Kirche verkörpern und zum anderen zugleich ein gemeinsames syrisches Erbe zum Ausdruck bringen. 

Die Bewahrung des klassischen Syrischen als Sprache des Gottesdienstes sei beim Colloquium weithin als wesentliches Element der Kontinuität mit der apostolischen Tradition angesehen worden, während der pastorale Gebrauch der Volkssprachen als unverzichtbar für die Katechese, die Teilhabe und die Weitergabe des Glaubens anerkannt wurde, insbesondere bei jüngeren Generationen und in der Diaspora. Fazit: Treue zur liturgischen Tradition und pastorale Anpassung seien keine Gegensätze, sondern sich ergänzende Dimensionen des kirchlichen Auftrags. 

Besondere Aufmerksamkeit galt beim Colloquium den Erfahrungen der syrisch-christlichen Gemeinschaften, die in Europa und anderen Diaspora-Kontexten leben. Die Teilnehmenden bekräftigten, "dass die Liturgie als geistliche Heimat dient und das theologische Gedächtnis, die kulturelle Identität sowie die kirchliche Zugehörigkeit über geografische und kulturelle Grenzen hinweg bewahrt". 

Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit von Formen der Inkulturation anerkannt, die es den Gläubigen ermöglichen, uneingeschränkt am liturgischen Leben der Kirche teilzunehmen, ohne die Integrität der syrischen Tradition zu beeinträchtigen. Wörtlich heißt es im Kommuniqué: "Mehrsprachige Seelsorge, liturgische Katechese und die aktive Beteiligung jüngerer Generationen wurden als wesentlich für die Gewährleistung der Kontinuität des syrischen Erbes in sich wandelnden sozialen und kulturellen Umfeldern identifiziert." 

Das Colloquium Syriacum sowie der Jugendworkshop wurden insbesondere durch die Unterstützung des Bundeskanzleramts sowie des gastgebenden Stifts Klosterneuburg ermöglicht, wofür sich PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja zum Abschluss beider Veranstaltungen sehr dankbar zeigte: „Ohne diese Unterstützung sowie den Rahmen, den das Stift Klosterneuburg mit seinem wunderschönen und weitläufigen Gelände bieten konnte, hätten wir die beiden Veranstaltungen nicht in dieser Weise durchführen können.“ Die Kombination aus dem exzellenten Tagungszentrum „Quartier 1114“ samt den Möglichkeiten zur Verpflegung im Stiftsrestaurant sowie zur Teilnahme an den Gottesdiensten des Konvents und auch für eigene Morgengebete der beiden Gruppen, hätten wesentlich dazu beigetragen, die Veranstaltung zu einem so besonderen und wirkungsvollen Ereignis für alle Beteiligten zu machen, so Koja.