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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Trauer um Metropolit Staikos

Höchster Repräsentant der orthodoxen Kirche in Österreich starb am Dienstag nach schwerer Krankheit

PRO ORIENTE Präsident Marte tief betroffen

Wien, 19.10.11 (poi) Die Kirchen und die Öffentlichkeit in Österreich trauern um Metropolit Michael Staikos. Der orthodoxe Metropolit von Austria war am Dienstagnachmittag in Wien nach schwerer Krankheit verstorben. Mit der Stiftung „Pro Oriente“ war Staikos seit Jahrzehnten tief verbunden. Freundschaftlich eng verbunden war Metropolit Staikos auch mit Kardinal Franz König (1905-2004), dem Gründer von „Pro Oriente“. Von Kardinal König habe er die Wichtigkeit des Dialogs mit den „anderen“ gelernt; er sei für ihn ein Lehrer in der Schule der Ökumene gewesen, sagte Staikos mehr als einmal.


Marte: „Vergelt’s Gott, Eminenz“

Der Präsident der Stiftung „Pro Oriente“, Hans Marte, zeigte sich im Gespräch mit „Kathpress“ tief betroffen über den Tod von Metropolit Staikos; der Wiener Metropolit war auch Ehrenmitglied der Stiftung. Wörtlich sagte Marte: „Der Heimgang des Metropoliten erfüllt ‚Pro Oriente’ mit großem Schmerz und tiefer Trauer. Seit den Anfängen der Stiftung in den sechziger Jahren war Michael Staikos mit uns verbunden. Das Wohlwollen, mit dem er unsere ökumenische Arbeit jahrzehntelang begleitet hat, ist eine bleibende Erinnerung. Die unzähligen Begegnungen mit ihm, seine guten Ratschläge und Hilfen für die Annäherung und Versöhnung zwischen katholischer und orthodoxer Kirche erfüllen uns mit tiefer Dankbarkeit. Seine geistige Verbundenheit und Zuneigung zu unserem Gründer, Kardinal Franz König, war ein zusätzlicher Grund auch für unsere aufrichtige Zuneigung zu dieser großen Persönlichkeit der Orthodoxie und der Ökumene. Vergelt’s Gott, Eminenz“.

Der höchste Repräsentant der orthodoxen Kirche in Österreich hätte in wenigen Wochen seinen 65. Geburtstag gefeiert. Michael Staikos wurde am 22. November 1946 in Athen geboren. Er besuchte ein katholisches Gymnasium in der griechischen Hauptstadt. Sein Theologiestudium absolvierte er an der Universität von Thessaloniki. 1964 übersiedelte er nach Wien, 1965 trat er in den Dienst der griechisch-orthodoxen Metropolie von Austria - als Sekretär und Zeremoniär des damaligen Metropoliten Chrysostomos Tsiter. Am 22. November 1977 wurde er in Wien zum Priester geweiht, am 12. Jänner 1986 zum Bischof. Im November 1991 wählte ihn der Heilige Synod des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zum Metropoliten von Austria und Exarchen für Ungarn.


Letzter Besuch in Mariazell

Metropolit Staikos hatte sich vor genau einem Jahr einer Krebsoperation unterziehen müssen. In den letzten Monaten und Wochen hatte sich sein Gesundheitszustand dann wieder gebessert. Am Dienstag vergangener Woche war er in Bratislava (Pressburg), um aus der Hand des katholischen Erzbischofs Stanislav Zvolensky eine Reliquie des Heiligen Johannes des Almosengebers (eines Patriarchen von Alexandrien im 7. Jahrhundert) in Empfang zu nehmen. Am Freitag vergangener Woche wurde ihm bei einer feierlichen Zeremonie in der Botschaft der Republik Ungarn in Wien die ungarische Staatsbürgerschaft verliehen; Metropolit Staikos war auch Exarch des Ökumenischen Patriarchats für Ungarn. In dieser Eigenschaft hatte er u.a. die Seelsorge für die nach Ungarn geflüchteten Verlierer des griechischen Bürgerkriegs (1946-1949) und deren Nachfahren aufgebaut. Am Samstag besuchte er Mariazell und blieb lang im Gebet in der Gedächtniskapelle für Kardinal König und in der Gnadenkapelle. Metropolit Staikos war mit dem Heiligtum von Mariazell besonders verbunden. In Mariazell bereitete er sich auch auf die Feiern zum 20-Jahr-Jubiläum des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. vor, der am 22. Oktober 1991 zum Erzbischof von Konstantinopel und Patriarchen gewählt worden war (Staikos hätte am kommenden Wochenende persönlich an den Feierlichkeiten zum 20-Jahr-Jubiläum des Amtantritts des Ökumenischen Patriarchen teilnehmen sollen). Am Sonntag musste er wegen der plötzlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands das AKH aufsuchen, wo er am Dienstag verstarb.


Schönborn: Staikos war "Säule der Ökumene"

Als "große Säule der Ökumene in Österreich und darüber hinaus" hat Kardinal Christoph Schönborn unmittelbar nach Bekanntwerden der Todesnachricht Metropolit Staikos gewürdigt. Er sei vom Tod des orthodoxen Metropoliten tief betroffen und verliere einen "Freund und Bruder", so Schönborn. Zur Trauer geselle sich zugleich die große Dankbarkeit dafür, "dass wir ihn haben konnten als großes Vorbild christlicher Verbundenheit in Österreich".

Schönborn erinnerte an die tiefe Freundschaft des Metropoliten mit Kardinal Franz König. Er bezeichnete Staikos als "geistlichen Sohn Kardinal Königs", zu dem er "eine tiefe Verehrung und Liebe hatte". Diese Verbundenheit mit Kardinal König habe sich in der großen Offenheit von Metropolit Staikos für die katholische Kirche wie auch für das Miteinander aller Christen in Österreich gespiegelt, so Schönborn. Er hoffe, dass diese Haltung des Metropoliten "als sein großes Erbe in Österreich weitergetragen wird".

Metropolit Staikos sei darüber hinaus ein öffentlich sichtbares Zeichen dafür gewesen, dass die orthodoxen Christen zu Österreich gehören, so Schönborn.


Krätzl: "Treuen Freund und Mitbruder verloren"

"Ich habe einen treuen Freund und einen geistlichen Mitbruder verloren": Mit diesen sehr persönlichen Worten würdigte der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl den verstorbenen Metropoliten Michael Staikos gewürdigt. An der Seite des orthodoxen Metropoliten sei er immer wieder Zeuge für dessen "unermüdlichen Einsatz für die Ökumene in Österreich und darüber hinaus" geworden, sagte Krätzl. Staikos sei ihm im Laufe der Jahre aber auch ein ganz persönlicher Freund geworden: "Metropolit Michael wird uns sehr abgehen. Aber sein Andenken lebt weiter und ist für uns eine kräftige Herausforderung für eine gemeinsame christliche Zukunft."

Metropolit Staikos war am 22. November 1977 zum Priester geweiht worden - nur zwei Tage nach der Bischofsweihe von Helmut Krätzl. "Daran hat er mich oft erinnert, und er hat an meinem bischöflichen Wirken fast rührenden Anteil genommen", so Krätzl.

Gemeinsam habe man in den vergangenen Jahrzehnten in der Ökumene in Österreich vieles getan, erinnerte Krätzl, der in der Österreichischen Bischofskonferenz jahrelang für die ökumenischen Beziehungen verantwortlich zeichnete: "Besonders nahe gekommen sind wir uns als Menschen und im theologischen Denken in der gemeinsamen Arbeit an der ‚Ökumenischen Morgenfeier’ im ORF“.

Er habe von Michael Staikos u. a. gelernt, "was Ökumene ist und was daraus werden kann", betonte Weihbischof Krätzl. Durch den Metropoliten habe er zudem den Unterschied von Orthodoxie und Orthopraxie verinnerlicht - d. h. den Unterschied zwischen der Bewahrung der Lehre auf der einen Seite und der praktischen Anwendung dieser Lehre auf der anderen Seite. Aufgabe der Tradition sei es, die Glaubensinhalte zu bewahren; die Anwendung und Praxis hingegen kenne durchaus auch Reformen. Krätzl: "Den Inhalt bewahren bedeutet Tradition. Die notwendig geänderte Methode aber bedeutet Reform."

Weihbischof Krätzl würdigte auch den zuversichtlichen Blick des Metropoliten auf Europa. In seinem Buch "Auferstehung" habe Staikos von einem christlichen Europa und einem Haus Europa geträumt, "in dem alle Menschen in friedlicher und solidarischer Gemeinschaft leben, in ökumenischer Verbundenheit unter Wahrung der verschiedenen konfessionellen und religiösen Traditionen, Kulturen, Sitten und Bräuche, als eine harmonische Symphonie", erinnerte Krätzl.


Dura: "Brückenbauer zwischen Kirchen und Völkern"

Zahlreiche kirchliche und politische Persönlichkeiten nahmen in den Stunden nach dem Tod des Metropoliten zu seinem Heimgang Stellung. Mit dem Tod von Metropolit Staikos habe die orthodoxe Kirche eine große Persönlichkeit verloren, betonte der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar für Österreich, Nicolae Dura, Dienstagabend im "Kathpress"-Gespräch. Doch nicht nur die orthodoxe Kirche, sondern alle Kirchen in Österreich würden einen großen schmerzlichen Verlust beklagen, fügte der orthodoxe Bischofsvikar hinzu, der auch Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) ist. Wörtlich sagte Dura: "Metropolit Staikos brachten nicht nur Vertreter anderer orthodoxen Kirchen in Österreich großen Respekt entgegen, er war auch in der österreichischen Gesellschaft als Brückenbauer zwischen Kirchen und Völkern sehr geschätzt."

Metropolit Michael sei ein Mann der orthodoxen Spiritualität und des Dialogs gewesen und habe ein offenes Ohr für die Anliegen der Ökumene gehabt. „Er war eine besondere Persönlichkeit, nicht nur für uns Orthodoxe, sondern auch für alle anderen Kirchen in Österreich“, unterstrich der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar.

Staikos habe die Orthodoxie auf hoher Ebene hervorragend repräsentiert, in Österreich wie auch im Ausland, wo er auch "die vorbildliche ökumenische Zusammenarbeit in Österreich" bekanntgemacht habe. Nicht von ungefähr sei Staikos auch zwei Mal zum Vorsitzenden des ÖRKÖ gewählt worden, betonte Dura.

Durch seinen unermüdlichen Einsatz sei es Staikos zudem gelungen, dass die fünf in Österreich anerkannten orthodoxen Kirchen stärker zueinandergefunden hätten, insbesondere im Hinblick auf den Religionsunterricht und das orthodoxe Engagement in der Ökumene.

Der verstorbene Metropolit habe sich in Österreich voll integriert und Österreich als seine Heimat angesehen. Diese Einstellung habe er auch an seine orthodoxen Mitchristen weitergegeben, sagte Dura. Seine schwere Krankheit habe Metropolit Staikos in den letzten Monaten gezeichnet und ihm seine Kraft geraubt; doch er sei dieser Krankheit "mit einem tiefen Vertrauen in Gott, einem starken Willen und Humor" begegnet. "Fürchtet euch nicht, ich bin es!", habe er zu jenen gesagt, deren Gesichtszüge bei seinem von der Krankheit gezeichneten Anblick erstarrten, erinnerte Dura: "Er war es: mit einem geschwächten Körper, aber einem weiterhin beeindruckend starken Geist."


Bünker: Für Staikos gab es keine Alternative zur Ökumene

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, er ist zugleich auch stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, würdigte in einer Stellungnahme am Dienstagabend gegenüber "Kathpress" die Verdienste von Metropolit Staikos um die Ökumene und die Gesellschaft in Österreich. Der Tod von Staikos sei für die Kirchen ein "schmerzhafter Verlust", sagte Bünker: "Er hat den ökumenischen Aufbruch seit den sechziger Jahren maßgeblich mitgestaltet und maßgeblich an den großen ökumenischen Erfolgen der vergangenen Jahre mitgewirkt, vom Ökumenischen Sozialwort über die ‚Charta Oecumenica’ bis hin zur 'Langen Nacht der Kirchen'. Für ihn - er hat es immer wieder gesagt - gab es keine Alternative zur Ökumene, zum immer weiter Aufeinanderzugehen der Kirchen."

Die ökumenische Grundhaltung des Metropoliten, "sein von Respekt und Anerkennung getragenes Interesse an den anderen Kirchen" hätten auch die Orthodoxie und die evangelischen Kirchen einander nähergebracht und miteinander verbunden, betonte Bünker. "Unvergessen" sei in diesem Zusammenhang die verdienstvolle Rolle des Metropoliten im Rahmen der europäischen Dialoge zwischen der Orthodoxie und den evangelischen Kirchen, die in Wien 2008 zur Empfehlung der gegenseitigen Taufanerkennung führten.

Metropolit Staikos habe sich unermüdlich dafür eingesetzt, dass die große Zahl der orthodoxen Christen, die in Österreich zuwanderten, hier kirchliche und soziale Heimat gefunden haben, erinnerte der lutherische Bischof. Gemeinsam mit den anderen Kirchen, der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelitischen Kultusgemeinde, habe er sich dafür eingesetzt, dass der Beitrag der Religionsgemeinschaften zur Integration geachtet und gewürdigt wird.

Er sei in den vergangenen Monaten beeindruckt von der Art gewesen, wie Staikos "das schwere Los seiner Krankheit" getragen habe, betonte der lutherische Bischof. "Seine Dankbarkeit gegenüber den Ärzten und allen, die ihn begleitet haben, war verwurzelt in seiner Dankbarkeit gegenüber dem dreieinigen Gott, für den er ein glaubwürdiges und bleibendes Zeugnis durch sein Leben und Wirken ablegen konnte."


Jäggle: Staikos war "Metropolit der Bildung"

Der Tod von Metropolit Staikos habe Dienstagabend auch "große Betroffenheit und Schmerz" in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien ausgelöst. Dekan Martin Jäggle würdigte Staikos im Gespräch mit "Kathpress" als "Metropoliten der Bildung", der ein großes Erbe hinterlasse. Staikos habe sich besonders verantwortlich für Bildung gewusst und hier "gerade ökumenische Initiativen mitverantwortet, mitgestaltet und unterstützt".

Der verstorbene Metropolit sei so etwa verantwortlich für den Aufbau des orthodoxen Religionsunterrichts in Österreich gewesen, ebenso auch maßgeblich bei der Einführung des Projektes eines konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts und bei der Gründung der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems - "für Österreich kostbare und europaweit einzigartige Projekte", betonte Jäggle.

Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien sei dem Metropoliten in vielfältiger Weise verbunden gewesen. Zuletzt sei man im Gespräch über den Aufbau eines Masterstudiums "Orthodoxe Religionspädagogik" gewesen, so der Dekan.

"Als einer, der den Metropoliten seit seiner Ankunft in Wien vor fast fünfzig Jahren kennt, bin ich voll Trauer", erklärte Jäggle. Der Tod Staikos' sei "ein großer Verlust für die orthodoxe Kirche, die Ökumene, für Österreich und darüber hinaus".


Ausbau der orthodoxen Seelsorge

Staikos war als Metropolit des Ökumenischen Patriarchats der ranghöchste Repräsentant der Orthodoxie in Österreich. Im Oktober 2010 wurde unter dem Vorsitz von Metropolit Staikos die Orthodoxe Bischofskonferenz für Österreich begründet. Zwei Amtsperioden hindurch(1995-2000) war er Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ). Als Legat des Ökumenischen Patriarchen hat Staikos die Kirche von Konstantinopel oft bei panorthodoxen und ökumenischen Ereignissen vertreten. Mehrere Jahre gehörte er auch dem Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats an.

Für Staikos war Griechenland sein „Vaterland“ und Österreich seine „Heimat“. Im Mai 2011 wurde der Metropolit mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich" ausgezeichnet. Bundespräsident Heinz Fischer überreichte ihm den Orden bei einer Feierstunde in der Wiener Hofburg; er würdigte dabei die Verdienste des Metropoliten um die Integration der Orthodoxen in Österreich und um die Ökumene zwischen den Kirchen.

Immer wieder setzte sich Staikos für eine Erweiterung der Europäischen Union ein, die auch die orthodoxen Länder in Ost- und Südosteuropa einschließen müsse. Er war davon überzeugt, dass ohne die orthodoxen Kirchen und ohne ökumenisches Miteinander von West- und Ostkirchen nicht von einem gemeinsamen Europa gesprochen werden könne.

Der Zustrom orthodoxer Einwanderer, insbesondere aus dem ehemaligen Jugoslawien, sowie aus Rumänien und Bulgarien, haben die pastoralen und seelsorglichen Aufgaben und Tätigkeiten der orthodoxen Kirche in Österreich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten erweitert, zugleich aber auch vor große Herausforderungen gestellt. In den Jahren der Tätigkeit von Metropolit Staikos ist die Zahl der Orthodoxen in Österreich auf 500.000 gewachsen. Neben den klassischen seelsorglichen Aufgaben in den Pfarren bemühte sich Metropolit Staikos gemeinsam mit den Vertretern der anderen orthodoxen Kirchen in Österreich um den Aufbau des orthodoxen Religionsunterrichts sowie die Krankenhaus-, Gefangenen- und Militärseelsorge.


Bundespräsident: „Ein überzeugter Europäer"

Seine "große Betroffenheit" über den Tod von Metropolit Michael Staikos hat Bundespräsident Heinz Fischer zum Ausdruck gebracht. Fischer würdigte in einer Aussendung am Mittwoch "die großen Verdienste" des Metropoliten auf dem Gebiet der Ökumene, des interreligiösen Gesprächs und des Dialogs der Kulturen und Zivilisationen. Staikos habe sich "als überzeugter Europäer stets für die Erweiterung der EU durch die Länder Ost- und Südosteuropas eingesetzt", unterstrich der Bundespräsident.

Metropolit Staikos sei ein "geschätzter und wichtiger Gesprächspartner" für die politischen Repräsentanten der Republik Österreich gewesen, so Fischer.

Der Bundespräsident übermittelte der Familie des verstorbenen Metropoliten sowie allen Mitgliedern der orthodoxen Kirche "namens der Republik Österreich sowie auch persönlich" seine tief empfundene Anteilnahme.


Politiker würdigen Metropoliten

Staikos sei ein "anerkannter Gesprächspartner im Dialog der Religionen" gewesen, hob Bundeskanzler Werner Faymann in einer Aussendung hervor. Er habe den Metropoliten als "engagierten Religionsführer, fundierten Wissenschaftler und sozial engagierten Menschen" kennengelernt, so Faymann: "Sein Tod ist ein großer Verlust für ganz Österreich."

Der Metropolit habe sich auch immer wieder zu Fragen des sozialen Ausgleichs und der Gerechtigkeit zu Wort gemeldet, erinnerte Faymann: "Aus seiner eigenen Erfahrung heraus vermochte Metropolit Staikos dem Integrationspapier der österreichischen Kirchen eine besondere Richtung zu geben."

Als "tragende Säule des guten interkonfessionellen Klimas in Österreich" bezeichnete die für das Kultusamt zuständige Bundesministerin Claudia Schmid den Metropoliten. Mit Staikos verliere die Gesellschaft eine Persönlichkeit, die sich "bis zuletzt unermüdlich und unbeirrbar für die Gemeinschaft der Christen" eingesetzt hat.

Staikos habe einen wesentlichen Beitrag für das "offene, konstruktive und freundschaftliche Miteinander der christlichen Kirchen" geleistet, so Schmid. Sichtbares Ergebnis dieses Miteinanders sei die gemeinsame Ausbildung von Religionslehrkräften aller christlichen Kirchen.

In Zusammenarbeit mit Staikos sei es heuer gelungen, die orthodoxe Bischofskonferenz im staatlichen Recht zu verankern und damit "eine seit Jahrzehnten offene Frage zwischen Österreich und der orthodoxen Kirche zu lösen," erinnerte die Ministerin.

Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz sagte, Metropolit Staikos habe mit seinem Wirken in Österreich wesentlich dazu beigetragen, "dass die orthodoxe Kirche zu einer bedeutenden Größe geworden ist". Staikos habe den ökumenischen Dialog zwischen den christlichen Kirchen als zentral angesehen und selbst "als eine der tragenden Stützen diesen Dialog vorangetrieben".

Er hob auch die herausragenden Leistungen von Michael Staikos "im interreligiösen Aufeinanderzugehen aller Religionsgruppen in Österreich" hervor. Kurz: "Für eine große Gruppe in unserer österreichischen Bevölkerung ist er eine besondere Identifikationsfigur. Ihnen und seinen Angehörigen gehört unser Mitgefühl."

Als einen Menschen, dem es "immer um den Dialog und das Verbindende ging und nicht um das Trennende", würdigte Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou - selbst griechischer Herkunft - den verstorbenen Metropoliten in einer Aussendung. Für den Austausch zwischen den Kulturen, Religionen und Ländern sei Staikos stets eine "präsente und prägende Persönlichkeit" gewesen, der "das europäische Projekt" am Herzen gelegen sei.


Metropolit von Rhodos „Locum tenens“

Bis zur Wahl eines Nachfolgers von Metropolit Staikos durch den Heiligen Synod des Ökumenischen Patriarchats wird

der Metropolit von Rhodos, Kyrillos Kogerakis, die Metropolie von Austria als „Locum tenens“ interimistisch verwalten. Er befindet sich bereits in Wien. Metropolit Kyrillos kennt Österreich aus Studienzeiten und wirkte von 1991 bis 1995 als Erzdiakon in der Wiener Metropolie.

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