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Franz König

Pro Oriente

Serbischer Bischof kam im Gedenken des Ersten Weltkriegs nach Linz

Erinnerung an den katholischen Bischof Rudolph Hittmair und an die 8.000 serbischen Kriegsgefangenen, die an Fleckfieber starben


Linz - Der serbisch-orthodoxe Bischof von Budapest, Lukian Pantelic, war auf Einladung der oberösterreichischen Sektion von Pro Oriente und von "Pax Christi" am Montag in Linz zu Gast. Bischof Pantelic kam zum Gedenken an den Linzer Bischof Rudolph Hittmair, der die an Flecktyphus erkrankten serbischen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkrieges in Mauthausen besuchte und 1915 starb, weil er sich bei dem Besuch angesteckt hatte. Der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz und Altbischof Maximilian Aichern feierten mit Bischof Pantelic einen ökumenischen Gottesdienst am Grab Bischof Hittmairs in der Bischofsgruft des Linzer Mariendoms.

Rudolph Hittmair war von 1909 bis 1915 Bischof der Diözese Linz. Der medial perfekt inszenierte Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte zunächst auch bei Bischof Hittmair zu patriotischer "Begeisterung" geführt. Aber bereits nach wenigen Monaten widmete sich der Bischof fast ausschließlich der Kranken- und Verwundetenpflege. Im Spital der Barmherzigen Brüder half er mit und ließ sich zum Krankenpfleger ausbilden. Eine Statue am Eingang der Kirche der Barmherzigen Brüder in Linz erinnert an Bischof Hittmair. Bei einem Besuch kranker serbischer Kriegsgefangener in Mauthausen steckte sich Hittmair mit Flecktyphus an und verstarb an den Folgen am 5. März 1915. Rund 8.000 serbische Kriegsgefangene sind auf dem Friedhof in Mauthausen begraben. Die k.u.k. Behörden hatten offensichtlich nicht ausreichend vorgesorgt, um den Ausbruch der Seuche zu verhindern.

Beim Gottesdienst im Linzer Mariendom strichen die Linzer Bischöfe den besonderen Dienst der Nächstenliebe durch Bischof Hittmair hervor. Bischof Aichern brachte in seiner Ansprache Bischof Hittmair auch mit dem Märtyrer und Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter in Zusammenhang: "Beide zeichnet die Befolgung des persönlichen Gewissens mit Bezug auf Jesus, das Evangelium und die Nächstenliebe aus". Bei dem Besuch von Bischof Pantelic auf dem Friedhof Mauthausen wurde ein Gebet für Versöhnung und im Gedenken an die Täter und Opfer des Ersten Weltkrieges abgehalten. Dabei wurde deutlich, dass die Wunden des Ersten Weltkriegs in Südosteuropa bis heute nicht vernarbt sind.

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