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120 Jahre rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Österreich

13. April 2026

Festakt am 14. April in Wien mit hochrangigen Kirchenvertretern - Einbau einer Kapelle in einer Wohnung im Palais Dietrichstein in der Löwelstraße in Wien im Jahr 1906 markiert den Beginn der Seelsorge speziell für die orthodoxen Rumänen in Österreich

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Foto: rumkirche.at

Wien, 13.04.26 (poi) Die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Österreich "Zur heiligen Auferstehung" feiert in diesem Jahr ihr 120-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund findet am Dienstag, 14. April, um 18 Uhr im Curhaus am Wiener Stephansplatz ein Festakt statt. Der rumänisch-orthodoxe Metropolit für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa, Serafim (Joanta), hat dazu sein Kommen zugesagt und wird die Festlichkeit eröffnen. Ebenfalls erwartet werden u.a. der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria Arsenios (Kardamakis), der armenische Bischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rats der Kirchen in Österreich Tiran Petrosyan, der koptische Bischof Anba Gabriel, der Wiener Weihbischof Franz Scharl und zahlreiche weitere Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und auch Politik in Österreich. Auch PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja wird teilnehmen. 

Inhaltlich stehen beim Festakt nicht nur die Geschichte, sondern auch die gegenwärtigen und künftigen Perspektiven der rumänisch-orthodoxen Kirche in Österreich auf dem Programm. Dazu werden Bischofsvikar Nicolae Dura, Pfarrer Emanuel Nutu und Prof. Ioan Moga das Wort ergreifen. 

Die Anfänge der rumänisch-orthodoxen Kirche in Österreich gehen auf das 18. Jahrhundert zurück. Kaiser Karl VI. bewilligte 1723 die Gründung der Bruderschaft zum Heiligen Georg. Diese mehrheitlich griechisch geprägte Vereinigung hatte das Recht, alle orthodoxen Gläubigen in Wien religiös zu betreuen. Dazu gehörten auch orthodoxe Rumäninnen und Rumänen. Ein pensionierter rumänischer General, Alexandru Lupu, begann in den 1890er Jahren schließlich, diese zu sammeln und gründete 1902 den "Rumänischen Klub". Der Klub mietete 1906 eine Wohnung im Palais Dietrichstein in der Löwelstraße. Die Wohnung wurde in eine Kapelle umgebaut und zur ersten rumänischen Kultstätte in Wien, die damit gleichzeitig auch der religiös-kulturelle Mittelpunkt der Rumänen in Österreich wurde. 

Die Kapelle wurde 1968 mit einer Ikonostase und Wandmalereien versehen. Kardinal Franz König, von 1956 bis 1985 Erzbischof von Wien, bezeichnete die Kapelle einmal als "die Sixtinische Kapelle der Wiener Rumänen". Bis Pfingsten 2003 - als die ersten Gottesdienste in der neuen Andreas-Kirche in Wien-Simmering zelebriert wurden - fanden alle Gottesdienste in der Kapelle statt. Heute wird die Kapelle immer noch für Gottesdienste genutzt. 

Die Strukturen der Rumänisch-orthodoxen Kirche in Österreich haben sich in der jüngeren Vergangenheit geändert. Aus der einen Kirchengemeinde für ganz Österreich wurden inzwischen vier, die wiederum aus zahlreichen Pfarren bestehen. Allein in Wien gibt es drei Pfarrgemeinden. Rumänisch-orthodoxe Pfarrgemeinden gibt es darüber hinaus noch in Salzburg, Graz, Linz, Klagenfurt, Innsbruck, St. Pölten, Knittelfeld, Wiener Neustadt, Feldkirch, Krems, Braunau, Bruck an der Mur/Kapfenberg, Gleisdorf, Wels, Zell am See, Oberwart/Oberpullendorf, Vöcklabruck, Neudau und Bruck an der Leitha. 

Die rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinden in Österreich gehören zur Erzdiözese für Deutschland, Österreich und Luxemburg mit Bischof Serafim an der Spitze. Er hat seinen Bischofssitz in Nürnberg. Über die genaue Zahl der rumänisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich gibt es keine verlässlichen Angaben. Schätzungen reichen von 50.000 bis 150.000, wobei mehrere Beobachter davon ausgehen, dass ein mittlerer Wert von um die 100.000 eine realistische Angabe sein könnte.