Pro Oriente
News / Athos: Krieg und Unsicherheit treiben die Besucherzahlen in die Höhe

Athos: Krieg und Unsicherheit treiben die Besucherzahlen in die Höhe

23. April 2026

Zivilverwalter Stefanis in Zeitungsinterview über Gründe für steigende Zahlen und damit einhergehende Herausforderungen für die orthodoxe Mönchsrepublik – Auffallend viele ehemalige ukrainische Soldaten unter den orthodoxen Pilgern

Athos

Foto: orthodoxtimes.com

Athen, 23.04.26 (poi) Die orthodoxe Mönchsrepublik Athos verzeichnet neue Höchstzahlen an Besuchern bzw. Pilgern. Das hat der Zivilverwalter des Athos, Alkividias Stefanis, gegenüber der griechischen Zeitung "Orthodoxi Alitheia" berichtet. Ausschlaggebend dafür seien die Kriege in der Ukraine und in Nahost und die allgemeine unsichere Weltlage. Täglich würden zwischen 1.000 und 1.500 Besucher kommen, in Summe mehr als 7.500 Personen pro Woche. Das sei inzwischen auch eine enorme Belastung für die Klöster. Stefanis: "Sowohl die Klöster als auch die Mönche stoßen an ihre Grenzen, und auch das Straßennetz ist überlastet." Die Zivilverwaltung stehe in ständigem Austausch mit den Klöstern, um nicht mehr Besuchserlaubnisse auszustellen, als bewältigbar sind. 

Stark steigende Besucherzahlen seien erstmals nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 zu verzeichnen gewesen, berichtete Stefanis. Die gegen Russland verhängten Sanktionen hätten demnach viele Russen veranlasst, ihre Pilgerreisen vom Heiligen Land zum Berg Athos zu verlegen. Die Situation habe sich dann im Sommer 2025 durch den Krieg zwischen Israel und dem Iran verschärft. Wegen Flugbeschränkungen hätten viele orthodoxe Pilger, vor allem im Ausland lebende Russen und Ukrainer sowie Rumänen, den Berg Athos als Ziel gewählt. 

Die allgemeine Unsicherheit und Angst, die in den letzten Monaten weltweit vorherrschten, spielten ebenfalls eine Rolle. Die Menschen glaubten, in der friedlichen und besinnlichen Atmosphäre der Halbinsel Athos Antworten auf ihre existenziellen Fragen zu finden, so der Athos-Verwalter. 

Die größte Pilgergruppe auf dem Berg Athos stellen laut Stefanis Griechen, gefolgt von Rumänen, die prozentual besonders stark vertreten sind. Besonders bemerkenswert sei zudem der jüngste Anstieg der Besuche ehemaliger ukrainischer Soldaten, die im Rahmen der staatlichen Unterstützung für Kriegsverletzte anreisen würden. "Sie kommen in Begleitung von Priestern aus ihrem Heimatland auf den Berg Athos und wohnen in Klöstern und Zellen", erklärte Stefanis und fügte hinzu: "So erhalten sie die notwendige seelische und geistige Unterstützung, um gestärkt in den Alltag zurückzukehren." 

Auch aus Bulgarien pilgerten viele Menschen auf den Athos, vor allem zum Kloster Zografou, während serbische Pilger vornehmlich das Kloster Hilandar besuchen. Freilich: Angesichts der Tatsache, dass Mönche aus rund 50 Ländern im Klosterstaat des Berges Athos leben, sei es nicht verwunderlich, dass Besucher aus fast allen Teilen der Welt kommen, sagte Stefanis. 

Die rund 335 Quadratkilometer große halbautonome Mönchsrepublik Athos befindet sich auf der östlichsten Landzunge der griechischen Halbinsel Chalkidiki. Aktuell leben auf dem Athos mehr als 2. 500 Mönche. Die Mönchsrepublik setzt sich aus 20 Großklöstern und mehreren Skiten zusammen, wobei die Großklöster auch die Regierung des autonomen Heiligen Berges stellen.