Pro Oriente
News / Bartholomaios: Wir warten auf die Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit der Kirche von Rom

Bartholomaios: Wir warten auf die Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit der Kirche von Rom

07. September 2026

Ökumenischer Patriarch hält in Budapest Rede beim 27. Internationalen Kongress der Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen - Kirchenrecht muss der Weiterentwicklung der Ökumene dienen

D MTZ20260905001 2048x1365

Foto: "Ungern heute" / MTI / Máthé Zoltán

Budapest, 07.09.26 (poi) Mit einem eindringlichen Plädoyer zur Wiederherstellung der Einheit zwischen Orthodoxer und Katholischer Kirche hat sich Patriarch Bartholomaios I. an die Teilnehmenden des 27. Internationalen Kongresses der Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen gewandt. Die Tagung fand in Budapest statt, wo der Patriarch am Wochenende auch das neue orthodoxe Kirchenzentrum "Fanarion" einweihte. 

Das Kirchenrecht dürfe nicht dafür verwendet werden, "juristische Mauern" zwischen den Kirchen aufzubauen. Vielmehr müsse es der Weiterentwicklung der Ökumene dienen, betonte der Patriarch. Bartholomaios war selbst 1969 als junger Geistlicher Gründungsmitglied der Gesellschaft für das Recht der Ostkirchen und in den ersten Jahren Vizepräsident. 

Mit Blick auf das Kongressthema "Der Bischof von Rom: Zukunftsperspektiven aus alten Traditionen für Katholiken und Orthodoxe" erinnerte Bartholomaios an Joseph Ratzingers (der spätere Papst Benedikt XVI.) Grundsatz, dass "Rom vom Osten keine höhere Primatslehre fordern kann, als die, die im ersten Jahrtausend formuliert und gelebt wurde." Er hob zudem die Beschreibung des Papstes von Rom durch Patriarch Athenagoras als "denjenigen, der in Liebe vorsteht" hervor. 

Diese treffende Formulierung von Patriarch Athenagoras - ein Ausdruck aus der alten Anrede des Heiligen Ignatius von Antiochia an die Kirche von Rom - fasse in wenigen Worten das gesamte orthodoxe Verständnis des römischen Primats zusammen: "ein Primat des liebevollen Dienstes, der innerhalb und niemals über der Gemeinschaft der Schwesterkirchen ausgeübt wird". - Dieses Verständnis sei zudem untrennbar mit der alten Institution der Pentarchie der Patriarchen verbunden, in der der Papst von Rom als "Erster unter Gleichen" - primus inter pares - eben als "Patriarch des Westens" anerkannt wurde. (Die fünf traditionellen Patriarchate sind Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem.) 

Der Ökumenische Patriarch begrüßte in diesem Zusammenhang auch die Wiedereinführung des päpstlichen Titels "Patriarch des Westens" im Jahr 2024 durch Papst Franziskus und nannte ihn einen "kleinen, aber keineswegs unbedeutenden Schritt" hin zur christlichen Einheit. (Papst Benedikt XVI. hatte den Titel zuvor abgelegt.) Abschließend bekräftigte Bartholomaios seine Hoffnung auf die "Wiederherstellung der vollen Kirchengemeinschaft mit der Kirche von Rom", damit die Pentarchie wieder vollständig sein könne. - 

Schließlich ging der Patriarch auch auf das neue Zentrum "Fanarion" des Ökumenischen Patriarchats ein. Der Name des neuen Zentrums verweise auf den Phanar, den historischen Sitz der Kirche von Konstantinopel. Das "Fanarion" sei, genau wie der Phanar, "als ein dauerhaftes Zuhause für die Begegnung zwischen Orthodoxen, anderen Christen und Religionsgemeinschaften konzipiert". 

Bartholomaios sprach von einem Ort, "an dem sich Theologen, Kanonisten, Gelehrte, Männer und Frauen guten Willens aus allen christlichen Konfessionen und darüber hinaus auch aus anderen religiösen Traditionen im Geiste des Dialogs, des gegenseitigen Respekts und der geduldigen Suche nach Wahrheit in Liebe versammeln können". 

Abschließend hielt der Patriarch in seiner Rede fest: "Wir erwarten, durch Gnade und Hilfe von oben, die Wiederherstellung der vollen Gemeinschaft mit der Kirche von Rom innerhalb des einen Leibes der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, damit die Pentarchie wieder ganz sei und die 'fünfsaitige Leier' der universalen Kirche wieder in der Fülle ihrer alten Harmonie erklingt."

Feierliche Eröffnung des "Fanarions" 

Patriarch Bartholomaios hat am Samstag in Budapest das neue Kirchenzentrum "Fanarion" und die dazu gehörende Kirche der Drei Hierarchen feierlich geweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Das neue Zentrum des Ökumenischen Patriarchats in Budapest beherbergt u. a. eine große Kirche, zwei Kapellen sowie Veranstaltungsräume und Büros. 

Das Zentrum dient als Hauptsitz des Exarchats von Ungarn, das von Metropolit Arsenios (Kardamakis) geleitet wird. Der Metropolit von Austria ist nicht nur für die griechisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich zuständig, sondern als Exarch des Ökumenischen Patriarchats auch für Ungarn. Zu den Feierlichkeiten waren auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Politik, der Kirchen und der Diplomatie gekommen.