Kiew: Weltkirchenrat-Delegation trifft "Ukrainischen Rat der Kirchen und religiösen Organisationen"
16. Juli 2026
Begegnung am "Tag der ukrainischen Staatlichkeit" im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine
Foto: risu.ua
Kiew, 16.07.26 (poi) Eine Delegation des Weltkircherates (ÖRK) mit Generalsekretär Pastor Jerry Pillay an der Spitze ist am Mittwoch in Kiew mit Vertretern des "Ukrainischen Rates der Kirchen und religiösen Organisationen" zusammengetroffen. Über die Begegnung informierte u.a. die Ukrainische Griechisch-katholischen Kirche (UGKK) auf ihren Infokanälen. Demnach dankte der ukrainisch-katholische Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk der ÖRK-Delegation für ihre Unterstützung, Solidarität und Gebete. Er betonte, dass angesichts der heftigen russischen Angriffe auf Kiew die persönliche Anwesenheit der Gäste ein bedeutendes Zeichen sei. "Es ist zutiefst bewegend, Sie nicht nur virtuell im Gebet mit uns zu sehen, sondern auch heute hier unter uns. Ihr Besuch in Kiew, das weiterhin Hauptziel russischer Angriffe ist, zeugt von Mut und christlichem Zeugnis", so der Großerzbischof wörtlich.
Das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-katholischen Kirche schlug vor, dass der Weltkirchenrat einen weiteren konkreten Schritt zur Unterstützung der Ukraine unternehmen sollte: die Aufnahme der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) als ÖRK-Mitglied. Dies würde seiner Ansicht nach die dauerhafte Präsenz der ukrainischen Stimme in der internationalen ökumenischen Gemeinschaft gewährleisten.
Auch wenn die Lage in der Ukraine gegenwärtig extrem schwierig sei, sehe er zwei große Hoffnungszeichen, so Schewtschuk weiter. Als erstes nannte er die tiefe Hinwendung der Menschen zu Gott. Das zweite Hoffnungszeichen sei die neue Erfahrung der Zusammenarbeit der Kirchen. "Heute entsteht in der Ukraine eine neue Form der Ökumene. Ich würde sie existenzielle Ökumene nennen. Nicht theoretisch, sondern sehr praktisch. Wir erleben gemeinsam dieselben existenziellen Herausforderungen, dieselbe Tragödie, und sind aufgerufen, eine gemeinsame Antwort darauf zu formulieren und eine gemeinsame Botschaft an die Gesellschaft und die Welt zu senden", sagte der Großerzbischof.
Einmal mehr verurteilte Schewtschuk auch alle Tendenzen, Religion für Kriegszwecke zu instrumentalisieren. Zudem betonte der Großerzbischof, dass die Religionsfreiheit in der Ukraine gewährleistet sei, während dies in den von Russland besetzten Gebieten nicht der Fall sei.
Die Ukraine beging am Mittwoch, 15. Juli, den "Tag der ukrainischen Staatlichkeit" und feierte zugleich den Jahrestag der "Taufe der Kiewer Rus" von 988, eines Großreichs, aus dem später auch die Ukraine hervorging. Der "Tag der ukrainischen Staatlichkeit" ist seit 2022 ein nationaler Feiertag. Wegen einer Kalenderreform der Orthodoxen Kirche der Ukraine wird er seit 2024 am 15. Juli und nicht mehr am 28. Juli begangen.