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Kirchliche Würdigungen der innovativen PRO ORIENTE-Veranstaltung für den Dialog der syrischen Kirchen in Klosterneuburg

01. Juli 2026

Grußworte u.a. von Patriarch Mar Awa III., Kardinal Koch und Erzbischof Grünwidl an Teilnehmende der von PRO ORIENTE ausgerichteten theologischen Fachtagung und des parallel laufenden Jugendworkshops

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Foto: PRO ORIENTE

Wien, 01.07.26 (poi) Am Dienstag wurde im Stift Klosterneuburg das 7. "Colloquium Syriacum" der Stiftung PRO ORIENTE offiziell eröffnet, das Bischöfe, Theologinnen und Theologen sowie weitere Fachleute aus den Kirchen der syrischen Tradition zusammenbringt. Parallel dazu (und teils auch gemeinsam) findet ein Workshop mit jungen Erwachsenen aus diesen Kirchen statt, womit PRO ORIENTE den seit einigen Jahren bestehenden Fokus auf die junge Generation weiter vertieft. Beide Veranstaltungen stehen unter dem Generalthema "In Europa zu Hause - im Dialog mit den Herkunftsländern" und werden u.a. vom Bundeskanzleramt und dem gastgebenden Stift Klosterneuburg gefördert. In Grußworten haben u.a. der Patriarch der Assyrischen Kirche des Ostens, Mar Awa III., der Präfekt des vatikanischen Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, und der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl die Initiative gewürdigt. 

Im Fokus von "Colloquium Syriacum" und Jugendworkshop steht insbesondere die aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete Frage, welche Rolle die Liturgie bzw. die unterschiedlichen Liturgien für die gemeinsame Identität der syrischen Christinnen und Christen der verschiedenen Kirchen spielen können. Beide Veranstaltungen begannen mit einem gemeinsamen Morgengebet mit Elementen der westsyrischen Tradition, an dem sowohl mehrere der teilnehmenden Bischöfe als auch weitere Beteiligte aus beiden Gruppen mitwirkten. Als besonders bewegend erlebten die Teilnehmenden, wie das Gedenken an die Apostel von zwölf teilnehmenden jungen Frauen und Männern teils in gesungener und bewegender Form vorgetragen wurde. Am 30. Juni wird in den Kirchen der westsyrischen Tradition das Fest der Apostel gefeiert. 

Patriach Mar Awa III. erinnerte in seinem Grußwort daran, dass er selbst für einige Jahre seine Kirche beim "Colloquium Syriacum" vertrat. Aus dieser Zeit stammten langjährige Freundschaften sowohl mit Geistlichen als auch mit Wissenschaftlern, und er fühle sich PRO ORIENTE bzw. dem "Colloquium" nach wie vor eng verbunden. Seine Gedanken und Gebete seien bei der Veranstaltung, "die darauf abzielt, die Annäherung und ein tieferes theologisches Verständnis unserer jeweiligen kirchlichen Traditionen unter unseren Kirchen zu fördern". 

Der Patriarch zeigte sich auch hoch erfreut, dass parallel zum Kolloquium ein Jugendworkshop in Klosterneuburg stattfindet. Die Assyrische Kirche des Ostens freue sich über die Gelegenheit, dass auch Jugendliche aus dem Irak, dem historischen Heimatland dieser Kirche, teilnehmen könnten. Da die orientalischen Kirchen heute überwiegend in den europäischen und westlichen Ländern vertreten sind, sei es wichtig, "dass wir unsere jüngere Generation ermutigen, eine aktive und sogar führende Rolle im fortgesetzten ökumenischen Dialog und bei dessen Auswirkungen auf unsere jüngeren Gläubigen zu übernehmen", betonte der Patriarch. 

Koch: ein Schritt zu mehr Kircheneinheit 

Kardinal Kurt Koch zeigte sich in seinem Grußwort zuversichtlich, dass das 7. "Colloquium Syriacum" einen weiteren Schritt in Richtung der vollen und sichtbaren Einheit zwischen den Kirchen darstellen wird. Er hob u.a. die besondere Bedeutung der Liturgie für die Kirchen der syrischen Tradition hervor, in der diese "ihren Glauben und ihre Spiritualität zum Ausdruck bringen". 

Koch wies ebenfalls auf die bedeutende Zahl syrischer Christinnen und Christen hin, die bereits in Europa leben. Diesen komme eine entscheidende Rolle dabei zu, ihren Schwestern und Brüdern in den westlichen Kirchen einen tieferen Einblick in die syrische Tradition zu ermöglichen. Koch erinnerte an das Wort von Papst Johannes Paul II., wonach Europa mit zwei Lungenflügeln atme, einem westlichen und einem östlichen. Die Kirchen der syrischen Tradition seien im Blick auf dieses Bild gleichsam noch ein weiterer "dritter Lungenflügel". 

Ein Grund zur Freude ist für den Kurienkardinal zudem der begleitende Workshop für junge Christinnen und Christen der syrischen Tradition. Die jungen Menschen seien aufgerufen, als Getaufte ihre Berufung zur "Heiligung der Welt" wahrzunehmen, so Koch. 

Ermutigung des Wiener Erzbischofs 

Auch für den Wiener Erzbischof Josef Grünwidl ist es eine besondere Freude, dass die Veranstaltung in Klosterneuburg hohe Geistliche, Theologinnen und Theologen und junge Leute zusammenbringt. Anhand eines Zitates aus dem in den Heimatländern der syrischen Kirchen entstandenen Babylonischen Talmud verband er sein Grußwort mit einem spirituellen Impuls. Dieses laute: "Der Mensch wird des Weges geführt, den er geht". Keiner habe sich ausgesucht, "wo er oder sie geboren wurde. Und manchmal müssen wir in unserem Leben Wege gehen, die wir uns nicht ausgesucht haben", so Grünwidl. Wahrscheinlich hätten die meisten Teilnehmenden entweder selbst oder durch Familienangehörige Erfahrungen mit Migration gemacht, sei es innerhalb des eigenen Landes, in Nachbarländern oder aus den Heimatländern ihrer Vorfahren in verschiedenen Teilen Europas. 

"Doch wo auch immer wir aufgewachsen sind, wo auch immer wir hingekommen sind und manchmal sogar hingezwungen wurden: Wir alle haben die Möglichkeit, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen". Dies könne manchmal auch beängstigend sein. "Doch wie auch immer wir uns entscheiden, Gott wird uns auf dem Weg begleiten, den wir einschlagen", so Grünwidl. Die Erfahrung dieses begleitenden und führenden Gottes wünsche er den Teilnehmenden "auf ihrer Suche nach der vereinigenden Kraft dieser göttlichen Liebe, wie sie in unseren liturgischen Traditionen erfahren werden kann, seien es ost- oder westsyrisch-orientalische oder westliche Traditionen". 

Gemeinsames Gebet und Feier der Liturgie 

PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja hob in seiner Begrüßung hervor, dass Liturgie und Gebet die Kraft hätten, "uns zusammenzubringen und einander näherzubringen, so wie sie uns auch Gott näherbringen". Deshalb sei das gemeinsame Gebet auch ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung. Dies werde wesentlich dazu beitragen, "das gemeinsame Erbe der syrischen kirchlichen Traditionen viel tiefer zu erfahren, so wie es über die Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Kulturen, Regionen und Sprachen unter oft schwierigen und manchmal härtesten Bedingungen bewahrt wurde", zeigte sich Koja überzeugt. 

Der PRO ORIENTE-Präsident räumte zugleich mit großem Bedauern ein, dass nicht alle eingeladenen Teilnehmenden nach Österreich kommen konnten. Einige hätten von den österreichischen Behörden kein Visum bekommen, zeigt sich Koja enttäuscht. 

Der gastgebende Propst des Klosterneuburger Stifts der Augustiner-Chorherren Anton Höslinger verwies in seiner Begrüßung auf das biblische Fundament der christlichen Liturgie. Vom Klosterneuburger Augustiner-Chorherren und Liturgie-Pionier Pius Parsch (1884-1954) stamme das Zitat: "Von Anfang an gingen Liturgie und Bibel in Klosterneuburg Hand in Hand. Beide ergänzen und durchdringen sich gegenseitig." Für Parsch seien die Wahrung der Einheit von Bibel und Liturgie als Grundlage christlicher Frömmigkeit zu einem prägenden Merkmal geworden. Er habe dies auch so zusammengefasst: "Die Bibel führt zur Liturgie und umgekehrt." 

Ausgehend von diesen Gedanken hieß Höslinger die Teilnehmenden an dem für die liturgische Bewegung so bedeutsamen Ort Klosterneuburg herzlich willkommen und ermutigte diese: "Hier in Klosterneuburg ist es unser Bestreben, nicht nur das kulturelle Erbe zu bewahren, sondern auch das lebendige Engagement für die Bibel und die Liturgie in die Zukunft zu tragen. Nicht nur in dieser Woche seid ihr Mitgestalter dieses wichtigen Vorhabens, insbesondere angesichts all der Herausforderungen, denen ihr in unserer Zeit gegenübersteht." 

Im Anschluss an die Grußworte gaben Prof. Dietmar Winkler, wissenschaftlicher Leiter des PRO ORIENTE-Forums für den Dialog der syrischen Kirchen, und die für den Jugend-Workshop verantwortliche Programmdirektorin Viola Raheb Einführungen in die gemeinsame Thematik von "Colloquium Syriacum" und Workshop, und erläuterten, wie PRO ORIENTE durch den innovativen Ansatz einer Verzahnung von theologischer Fachkonferenz und Jugend-Workshop auch im Feld des Dialogs zwischen den Kirchen der syrischen Tradition mit der gemeinsamen Veranstaltung auch methodologisch neue Wege beschreitet.