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Libanon: Patriarch Rai beging 15-jähriges Amtsjubiläum

26. März 2026

Oberhaupt der Maronitischen Kirche begeht Jubiläum in höchst kritischer Phase für sein Heimatland - Glückwünsche und Versicherung der geistigen Nähe von Papst Leo

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Foto: wikimedia / European Union / CC BY 4.0

Beirut/Vatikan, 26.03.26 (poi) Kardinal Bechara Boutros Rai (86), Patriarch der mit Rom verbundenen Maronitischen Kirche, hat am Mittwoch sein 15-jähriges Amtsjubiläum als Kirchenoberhaupt begangen – in einer höchst kritischen Phase für den Libanon. Papst Leo XIV. hat dem Patriarchen zum Jubiläum seinen herzlichsten Glückwünsche übermittelt und ihn seiner geistigen Nähe und seines Gebets versichert. Das Patriarchat veröffentlichte am Mittwoch das Schreiben des Papstes. 

Am 25. Februar 1940 in einem Bergdorf östlich von Beirut geboren, wurde Rai 1967 zum Priester geweiht. Seit 1990 war er Bischof von Jbeil, dem antiken Byblos. Rai wurde am 15. März 2011 von der Synode der Maronitischen Kirche in Bkerke zum Maronitischen Patriarchen von Antiochien und des ganzen Orients gewählt. Die Amtseinführung fand am 25. März 2011 statt. Am selben Tag gewährte ihm Papst Benedikt XVI., wie im Kirchenrecht für die katholischen Ostkirchen (CCEO) vorgesehen, in einem persönlichen Schreiben die kirchliche Gemeinschaft. 

Im November 2012 nahm Papst Benedikt XVI. (2005-2013) Rai ins Kardinalskollegium auf. 2013 nahm er an dem Konklave teil, das Papst Franziskus wählte. Der Patriarch ist auch Präsident der Versammlung der katholischen Patriarchen und Bischöfe im Libanon. 

Weltweit gibt es rund 3,3 Millionen maronitische Christinnen und Christen; rund 1,2 Millionen von ihnen leben im Libanon. Die Maronitische Kirche ist damit die mit Abstand größte Kirche im Libanon. Seit einer Übereinkunft bei der staatlichen Unabhängigkeit des Libanon im Jahr 1943 und der Übernahme einer entsprechenden Regelung in die Verfassung des Landes ist der Staatspräsident des Libanon stets ein maronitischer Christ. Durch die enge Verbindung von Religion und Politik ist das Patriarchenamt auch politisch von großer Bedeutung. 

Für Versöhnung und gegen den Krieg 

Rai trat sein Amt als Oberhaupt der Maronitischen Kirche mit dem Vorsatz an, die libanesischen Christen zu einen, die Ökumene sowie den Dialog mit den Muslimen zu stärken und seine Kirche zu reformieren. Immer wieder ruft er zu Versöhnung der Religionsgemeinschaften und politischen Lager im Libanon auf, und immer wieder war er auch ein strenger Mahner der libanesischen Politik. In den letzten Jahren unterstützte er Forderungen zahlreicher Demonstrantinnen und Demonstranten, die angesichts der Missstände im Land Reformen verlangten. Der Libanon erlebt seit Jahren die schwerste Wirtschafts- und Sozialkrise seiner Geschichte. Dazu kam 2024 ein verheerender Krieg zwischen der schiitischen Miliz Hisbollah und Israel, der seit der erneuten Eskalation der Gewalt zwischen beiden im Zuge des israelisch-amerikanischen Krieges gegen den Iran nun eine nicht weniger verheerende Fortsetzung findet. 

In den vergangenen Jahren hat sich der Patriarch in diesem Zusammenhang mit zunehmender Deutlichkeit als Kritiker der Hisbollah gezeigt, die das Land – vom Iran aus gesteuert – in den Untergang zu führen drohe, wie er mehrmals warnte. Der Libanon sei nun wieder in einen erbitterten Krieg zwischen der Hisbollah und Israel verwickelt, so der Patriarch erst vor wenigen Tagen. Er sprach von einem "Krieg, der uns aufgezwungen wurde" und von der libanesischen Regierung wie auch von der Bevölkerung abgelehnt werde.