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Metropolit Job: PRO ORIENTE ist "Leuchtturm des Dialogs"

26. Januar 2026

Klaus-Hemmerle-Preis in Aachen an Stiftung PRO ORIENTE verliehen – Ökumenische Arbeit mit jungen Menschen besonders im Fokus

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Wien/Aachen, 26.01.26 (poi) Die Stiftung PRO ORIENTE ist am 23. Jänner in Aachen für ihre vielfältigen ökumenischen Verdienste mit dem diesjährigen Klaus-Hemmerle-Preis ausgezeichnet worden. Die Auszeichnung wird seit 2004 alle zwei Jahre von der Fokolar-Bewegung vergeben. Laudator beim Festakt vor mehreren Hundert Teilnehmenden im festlich geschmückten Aachener Dom war Metropolit Job von Pisidien vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel. Die Stiftung sei ein "Leuchtturm des theologischen Dialogs zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen", sagte Metropolit Job. 

Für die Stiftung nahm an erster Stelle Präsident Clemens Koja den Preis entgegen. Neben Koja nahmen u.a. auch sein Vorgänger im Präsidentenamt, Alfons Kloss, Generalsekretär Bernd Mussinghoff und Projektkoordinatorin Viola Raheb an der feierlichen Zeremonie teil. Auch der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl – er gehört der Fokolar-Bewegung an - war nach Aachen gekommen. Koja, Mussinghoff und Raheb stellten im Vorfeld der Preisverleihung im Rahmen eines gut besuchten Workshops in der ökumenischen Citykirche St. Nikolaus die Arbeit von PRO ORIENTE vor. 

In seiner Laudatio hob Metropolit Job von Pisidien die vielfältigen Aktivitäten und Dialoginitiativen der Stiftung hervor. Als Co-Vorsitzender der Gemeinsamen Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Römisch-katholischen Kirche und der Orthodoxen Kirche, der er gemeinsam mit Kardinal Kurt Koch vom vatikanischen Einheits-Dikasterium vorsteht, kennt und schätzt er die Arbeit von PRO ORIENTE nach eigenen Angaben seit vielen Jahren. 

Besonders unterstrich der Metropolit die Bedeutung der ökumenischen Workshops und Foren des Austauschs für junge Menschen. Gerade die Jugendinitiativen im Nahen Osten und in der Ukraine trügen dazu bei „die Verzweiflung und Zersplitterung in Hoffnung, Zugehörigkeitsgefühl und ein gemeinsames Engagement für das Gemeinwohl umzuwandeln“. Diese Aufmerksamkeit, die PRO ORIENTE der jüngeren Generation widme, berühre und freue ihn besonders. Metropolit Job zitierte dazu den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., der kürzlich in seiner Weihnachtsbotschaft bekräftigte: "Die Verantwortung, die Bemühungen der Pioniere der ökumenischen Bewegung fortzusetzen und ihre Vision und Arbeit zu rechtfertigen, liegt bei der jüngeren Generation der Christinnen und Christen". 

Metropolit Job würdigte aber auch die verschiedenen langjährigen Dialoginitiativen der Stiftung, so die PRO ORIENTE-Kommission für den orthodox-katholischen Dialog, die Kommission für die ökumenische Begegnung zwischen den Orientalisch-orthodoxen Kirchen und der Katholischen Kirche sowie das Forum Syriacum, das Begegnungen und den Dialog zwischen den verschiedenen katholischen und orthodoxen Kirchen der syrischen Traditionen fördert; außerdem auch das PRO ORIENTE Forum für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, das die früheren "Sommerkurse" abgelöst hat. 

Neben den ökumenischen Jugend-Workshops von PRO ORIENTE im Nahen Osten und in verschiedenen Regionen Europas erwähnte der Metropolit auch die Wiener Patristischen Tagungen, die internationalen Konferenzen "Listening to the East" (Dem Osten zuhören) im Rahmen des Synodalen Prozesses sowie das internationale Projekt "Verletzte Erinnerungen heilen". Er würdigte sie als weitere Leuchtturmprojekte von PRO ORIENTE in jüngster Zeit. 

Der Vertreter des Ökumenischen Patriarchats dankte den Engagierten der Stiftung, dass sie "seit über 60 Jahren Brücken zwischen Ost und West bauen und so Menschen, insbesondere die junge Generation der verschiedenen Kirchen miteinander verbinde". 

Augenmerk auf junge Generation 

Fokolar-Präsidentin Margaret Karram ermutigte in ihrer verlesenen Grußbotschaft dazu, weiterhin besonderes Augenmerk auf die junge Generation zu legen, "damit sie zu Baumeistern einer authentischen Ökumene werden und Wege der Versöhnung und Zusammenarbeit in den verschiedenen religiösen, lokalen und globalen Kontexten aufzeigen können". 

Der katholische Ortsbischof Helmut Dieser aus Aachen unterstrich die Bedeutung des Preises und die Wahl des Preisträgers als wichtiges Signal für Zusammenarbeit und für gemeinsames Arbeiten im Dienst der Versöhnung. "Das Zeugnis Ihres Wirkens seit über 60 Jahren hat sich beileibe nicht erledigt. (…) Es wird sich als Beispiel und Anstoß erweisen, die Mauern, (…) die gegenseitigen Abgrenzungen ständig zu hinterfragen und schließlich erneut zur Überwindung beizutragen." 

Bischof Evmenios von Lefka aus Aachen sprach in Vertretung des griechisch-orthodoxen Metropoliten von Deutschland Augustinos und erinnerte als langjähriger Freund und Weggefährte des früheren Bischofs von Aachen an den Namensgeber des Preises. 

Mit seiner authentischen Freundlichkeit und seiner großen menschlichen Wärme habe Hemmerle immer wieder Getrenntes verbunden und Brücken zwischen Menschen gebaut. Genau das zeichne auch die Preisträger aus und verbinde sie mit dem Namensgeber des Preises: ihr "lebendiges Zeugnis von Menschlichkeit, Geschwisterlichkeit und aufrichtiger Versöhnung". 

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, nahm im verlesenen Grußwort ebenfalls Bezug auf Klaus Hemmerle und dessen Einsatz für die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Er gratulierte zur Wahl des diesjährigen Preisträgers, der Stiftung PRO ORIENTE, die einen "wichtigen Beitrag für die weltumspannende Gemeinschaft von Christinnen und Christen leiste". 

Bundestagsabgeordneter Sascha van Beek drückte seine Wertschätzung aus für das jahrzehntelange Engagement der Stiftung, die Räume für Dialog zwischen Ost und West schaffe – leise, beharrlich und verlässlich. Sie zeige damit "Versöhnung entsteht nicht durch Lautstärke, sondern durch Zuhören, durch Vertrauen und durch Geduld". 

Ansporn zum Dialog 

PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja sagte in seinen Dankesworten, die Auszeichnung sei ein Ansporn, "auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen, insbesondere mit den jungen Menschen in den Kirchen des Ostens und des Westens, die gemeinsam mit uns allen starke Zeuginnen und Zeugen für das Evangelium sein können, Zeuginnen und Zeugen für die Botschaft der Nächstenliebe, der Vergebung und der Versöhnung – auf dem Weg zu einer geeinten Christenheit, die sich engagiert und aktiv beiträgt zu einer friedlicheren Welt".

Die Auszeichnung ermutige ebenso dazu, auch weiterhin "Räume des Dialogs zu öffnen, wo sichtbare oder unsichtbare Grenzen Menschen aus den verschiedenen Kirchen daran hindern, einander als Schwestern und Brüder im Glauben wahrzunehmen und anzunehmen, und gemeinsam Zeugnis für diesen Glauben zu geben, in einer Welt, die das Engagement für Einheit und Geschwisterlichkeit so dringend braucht".

In einem Gedenkgottesdienst im Aachener Dom am Folgetag der Preisverleihung unter Leitung des Aachener Bischofs Helmut Dieser wurde in besonderer Weise sowohl des vor 32 Jahren (am 23. Jänner 1994) gestorbenen Namensgebers Bischof Klaus Hemmerle gedacht als auch des fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor verstorbenen früheren Preisträgers Erzbischof Anastasios, der am 25. Jänner 2025 verstorben war. In einer zeitgleich in der albanischen Hauptstadt Tirana zum Gedenken an das langjährige Oberhaupt der Orthodoxen Kirche von Albanien stattfindenden Konferenz wurde in der Göttlichen Liturgie am Sonntag ebenfalls besonders der beiden verstorbenen Brückenbauer, Erzbischof Anastasios und Bischof Klaus Hemmerle, gedacht. 

Der Klaus-Hemmerle-Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist undotiert. Bisherige Preisträger waren unter anderem der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel (2008), die Lepraärztin Ruth Pfau (2014), die muslimische AIDS-Ärztin Noorjehan Abdul Majid aus Mosambik (2016) und der inzwischen verstorbene frühere deutsche Landesrabbiner Henry Brandt (2018). Im Jahr 2020 wurde das vor einem Jahr verstorbene Oberhaupt der Orthodoxen Kirche Albaniens, Erzbischof Anastasios (Yannoulatos) ausgezeichnet, 2022 die ehemalige polnische Ministerpräsidentin Hannah Suchocka und zuletzt 2024 der kanadisch-tschechische Kurienkardinal Michael Czerny. 

Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 80 Jahren in den christlichen Kirchen entstanden sind. Ihre Ursprünge gehen auf das Jahr 1943 in Trient zurück. Mittlerweile ist sie in mehr als 180 Ländern der Welt vertreten. Ihr Ziel ist, den Geist der Einheit und Geschwisterlichkeit verstärkt in Kirche und Gesellschaft und in alle Bereiche des menschlichen Lebens hineinzutragen.