PRO ORIENTE brachte junge Erwachsene aus Südosteuropa zusammen
10. Juni 2026
Workshop in Belgrad mit Teilnehmenden aus Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina im Zeichen von Versöhnung und gemeinsamer Verantwortung für eine friedliche Welt – neues Video online
Foto: PRO ORIENTE
Belgrad/Wien, 10.06.26 (poi) Vom 23. bis 26. April fand in der serbischen Hauptstadt Belgrad ein weiterer PRO ORIENTE-Workshop im Rahmen des Projekts "Healing Memories" statt. Zum Thema "Heilende Erinnerungen - Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft: Die Rolle der jungen Laien" kamen 18 junge Menschen aus Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina zusammen.
Die jungen Erwachsenen gehörten der katholischen und orthodoxen Kirche an. Sie stammten allesamt aus Regionen, die vor rund drei Jahrzehnten stark von bewaffneten Konflikten betroffen waren. Im Rahmen des Workshops wurden die Teilnehmenden in ihren angedachten Rollen als aktive Mitwirkende in Versöhnungsprozessen und Mitgestaltende einer friedlicheren Zukunft gestärkt. Ein Video mit Impressionen und Statements der Teilnehmenden ist aktuell auf dem YouTube-Kanal von PRO ORIENTE veröffentlicht worden.
Während des viertägigen Programms in Belgrad nahmen die Teilnehmenden an strukturierten Diskussionen, interaktiven Arbeitsgruppen und verschiedenen informellen Austauschformaten teil, die das gegenseitige Verständnis und den Aufbau von Vertrauen förderten. Ein besonderes Highlight waren die Einheiten, die der Vergebung und Versöhnung aus theologischer und ethischer Sicht gewidmet waren. Diese wurden von Prof. Rastko Jovic von der Fakultät für Orthodoxe Theologie in Belgrad und Prof. Zorica Maros von der Katholischen Theologischen Fakultät in Sarajevo gestaltet. Ihre Beiträge lieferten den Teilnehmenden einen tieferen konzeptionellen Rahmen für die Reflexion über Erinnerung, Heilung und Verantwortung in Gesellschaften nach dem Konflikt.
Über den akademischen und theologischen Input hinaus umfasste das Programm Besuche wichtiger kultureller und historischer Sehenswürdigkeiten Belgrads, die zusätzlichen Raum für Reflexionen über gemeinsames Erbe und kollektives Gedächtnis boten. Informelle Programmpunkte boten die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen und Perspektiven in einer sicheren und respektvollen Umgebung auszutauschen.
Mit dabei war auch PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja. Er zeigte sich beeindruckt, "wie einfach sich die Verständigung unter den jungen Menschen ergab". Zugleich stimme ihn nachdenklich, "wie viele Herausforderungen für eine umfassende Versöhnung noch bestehen".
Der serbisch-orthodoxe Theologe Stefan Zeljkovic, der zum Leitungsteam gehörte und bei der Vorbereitung des Workshops mitgearbeitet hatte, zeigte sich zuversichtlich: "Ich hoffe, die jungen Menschen gehen mit einer schönen Erfahrung zurück nach Hause und nehmen das Bewusstsein mit, dass es gute Menschen auch auf der jeweils anderen Seite gibt. Dieses Bewusstsein wird sie befähigen, künftig negativen Narrativen über die jeweils 'Anderen' zu widersprechen."
Nikolina Klajic, eine der serbisch-orthodoxen Teilnehmerinnen des Workshops, sagte zum Abschluss: "Ich bin angenehm bewegt in dem Sinne, dass ich sehe, wie junge Menschen aus verschiedenen Regionen - oder besser gesagt aus derselben Region, aber mit unterschiedlichen Perspektiven und Erzählungen, die uns aufgezwungen wurden - tatsächlich in der Lage sind, auf der gleichen Linie zu stehen und auf die Gegenwart zu schauen, die wir aufbauen, um eine bessere und integrativere Zukunft sowohl für unsere Gemeinschaften als auch für unsere Völker zu haben."
Eva Soko, eine aus Bosnien-Herzegowina stammende katholische Teilnehmerin, zeigte sich ebenfalls positiv bewegt: "Was mir sehr viel bedeutete, war unsere Zweisamkeit - wie unterschiedlich wir sind, aber tatsächlich ähnlich. Ich war mir dieser Ähnlichkeiten nicht einmal bewusst. So sehr ich mich auch nach Zusammengehörigkeit und all dem sehne - erst als wir zu zweit arbeiteten und einige unserer Meinungen und Erfahrungen teilten, wurde mir klar: alles ist gleich."
Veronika Bartulovic, eine katholische Teilnehmerin aus Kroatien, hielt fest: "Aus diesem Workshop werde ich den Optimismus und das Bewusstsein dafür mitnehmen, wie jüngere Generationen aus diesen Regionen konstruktive Dialoge führen und auf eine sehr produktive Weise über ihre persönlichen Erfahrungen sprechen können, die andere positiv beeinflussen kann. Wir können aus gemeinsamen Erfahrungen das Beste herausziehen und es auf eine Weise nutzen, die uns hilft, über bestimmte Dinge hinwegzugehen und auf die Zukunft ausgerichtet zu sein."
Projektleiterin Viola Raheb bilanzierte die Tage in Belgrad ebenfalls sehr positiv: "Ich war sehr beeindruckt vom Engagement aller Teilnehmenden, von ihrer Offenheit, von dem Vertrauen, mit dem sie einander begegnet sind, und von der Empathie, die uns alle zusammengehalten hat in diesen Tagen. Ich hoffe, diese wird sie auch weiterhin begleiten. Ich bin auch sehr dankbar, dass wir mit dieser Veranstaltung erstmals das in der Nahost-Region begonnene erfolgreiche Konzept der ökumenischen Jugend-Workshops auf die Region Südosteuropa ausweiten konnten - weitere Workshops auch in dieser Region werden folgen."
Der Link zum Video: https://youtu.be/9EtpLGgHw2E