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Syrien: Erzbischof Mourad will Brückenbauer sein und jungen Leuten Zukunft ermöglichen

22. Juli 2026

Syrisch-katholischer Erzbischof von Homs zu Gast in Wien bei PRO ORIENTE – Gemeinsame Initiative für junge Leute in Homs geplant

Poi

Foto: PRO ORIENTE

Wien, 22.07.06 (poi) Der syrisch-katholische Erzbischof von Homs, Jacques Mourad, hat am Dienstag Wien einen Kurzbesuch abgestattet und hat dabei auch das Generalsekretariat von PRO ORIENTE besucht. Im Gespräch mit PRO ORIENTE-Präsident Clemens Koja und Programmdirektorin Viola Raheb betonte der Erzbischof, dass die Syrer, die in den vergangenen Jahren ihr Land verlassen haben, dazu gezwungen waren. Niemand verlasse gerne seine Heimat, die Menschen wollten in Syrien bleiben, doch ein Leben in Würde und Sicherheit sei für viele nicht möglich. Neben der verheerenden Sicherheitslage nannte der Erzbischof vor allem auch die fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven als Gründe für die Abwanderung. Vor allem die jungen Leute bräuchten Arbeit, um sich ein eigenes Leben aufbauen zu können.

Der Erzbischof begrüßte in diesem Zusammenhang die seit einigen Jahren laufende Initiative der Nahost-Jugendworkshops der Stiftung PRO ORIENTE, um junge Menschen auf vielfältige Weise zu stärken. Auch aus seiner Erzdiözese hätten junge Christinnen und Christen an solchen Workshops bereits teilgenommen, so Mourad. Im Gespräch wurde auch angedacht, künftig einen Jugendworkshop in Homs zu veranstalten. 

Homs ist ein Ort, an dem Angehörige verschiedenster Religionen und Ethnien leben. Erzbischof Mourad betonte, ihm sei es wichtig, sich als Brückenbauer zu engagieren und sich für gegenseitige Wertschätzung und Versöhnung einzusetzen. Nicht umsonst gehört er auch der Klostergemeinschaft von Mar Musa an, die genau das als ihre Hauptaufgabe in Syrien sieht. 

Erzbischof Mourads Überzeugung: „Es braucht mehr Räume der Begegnung jenseits konfessioneller und religiöser Grenzen, damit ein Miteinander wieder gelingen kann.“ Die Menschen vor Ort wahrzunehmen, ihnen zuzuhören und mit ihnen gemeinsam für die Zukunft zu arbeiten, ist für den Bischof das Zentrale des christlichen Auftrags in Syrien heute. Es gelte, nicht nur durch Worte, sondern auch durch Kunst, Kultur und Kreativität gemeinsam Visionen einer besseren Zukunft zu entwickeln. 

Der in Aleppo geborene Jacques Mourad legte 1993 seine Gelübde in der syrischen Mönchsgemeinschaft Deir Mar Musa el-Habashi (Kloster des Heiligen Moses des Abessiniers) ab, deren Mitbegründer er ist. 1993 wurde Mourad auch zum Priester geweiht. Das Kloster Mar Musa liegt am östlichen Ausläufer des Qalamoun-Gebirges etwa 80 Kilometer nördlich von Damaskus. Es wurde in den 1980er Jahren von Paolo Dall'Oglio aufgebaut und gehört seit den 1990er Jahren zur Syrisch-katholischen Kirche. Der italienische Geistliche Dall'Oglio verschwand im Sommer 2013 im Osten Syriens, als er helfen wollte, Geiseln aus der Gewalt der Terrormiliz IS zu befreien. Seither fehlt von ihm jede Spur. 

Die Gemeinschaft von Mar Musa hat u.a. das Kloster Mar Elian (Heiliger Elias) in Karjatain bei Homs reaktiviert, wobei sich hier vor allem P. Mourad große Verdienste erwarb. Mourad war 2015 international bekannt geworden, als ihn Terroristen aus seinem Kloster Mar Elian entführten und mehrere Monate als Geisel festhielten. Mourad hat seine Erfahrungen in dem Buch „Ein Mönch in Geiselhaft“ festgehalten. Darin schildert er unter anderem, wie ein Kommandeur der Islamisten ihn aufsuchte, um mit ihm über seinen Glauben zu diskutieren. Im fünften Monat seiner Haft gelang dem Mönch die Flucht mit Hilfe eines Muslims, der zusammen mit anderen Muslimen die Flucht von Dutzenden IS-Geiseln organisierte. Die Fluchthelfer wurden später von IS-Schergen ermordet. 

Von 2000 bis 2015 leitete Mourad das Kloster Mar Elian. Nach der Zeit seiner Entführung hielt er sich in den Filialklöstern von Cori (Italien) und Sulaymanyah (Irak) auf. 2020 kehrte er in sein Kloster Mar Elian in Syrien zurück und wurde dort Prior der Gemeinschaft. Das vom IS schwer beschädigte Kloster wurde gemeinsam mit Muslimen wieder aufgebaut. Im Jänner 2023 bestätigte Papst Franziskus die Wahl Jacques Mourads zum Erzbischof von Homs durch die Bischofssynode der Syrisch-katholischen Kirche. Anfang März 2023 wurde Mourad zum Bischof geweiht.