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"Theologie der Narben" als Antwort auf Gewalt und Leid

Rumänisch-italienische Philosophin und Theologin Ana Petrache in neuem Blog-Eintrag des Projekts "Healing of Wounded Memories": Die christliche Antwort auf Gewalt, Spaltungen und Leid ist der auferstandene Leib Christi, "der seine Narben mit Würde trägt"

POI 240226

Foto: youtube.com/@conferinteromania

Wien, 26.02.24 (poi) Ihr Konzept einer "Theologie der Narben", die helfen könnte, das Erbe von Gewalt und Leid zu überwinden, stellt die rumänisch-italienische Philosophin und Theologin Ana Petrache in einem neuen Blog-Eintrag des Projekts "Healing of Wounded Memories" vor. Ihre Arbeit verbinde philosophische Perspektiven zu Gerechtigkeit und Versöhnung mit theologischen Einsichten über Heilung als eschatologisches Versprechen, so Petrache. Darüber hinaus stellt sie diese beiden Aspekte in einen ökumenischen Horizont. Die christliche Antwort auf Gewalt, Spaltungen und Leid sei der auferstandene Leib Christi, "der seine Narben mit Würde trägt", hält Petrache fest.

Nach der Auferstehung Jesu wurden die Apostel eingeladen, die Narben Christi zu berühren, so Petrache weiter. "Der auferstandene Leib Christi trägt die Narben, die sowohl an die Wunde als auch an ihre Heilung erinnern sollen." Über Schmerz und Leid nachzudenken bedeute, sich in die Zeit der Narben zu versetzen und Hoffnung und Zeitlichkeit in diese Betrachtung einzubringen. Im kommenden Reich Gottes werde es keine offenen Wunden geben, "aber es wird Narben geben, da es eine Fortsetzung zwischen den beiden Realitäten gibt".

Petrache geht von biblischen Bildern und heilenden Verheißungen Gottes aus, wie sie etwa beim Propheten Jesaja zu finden sind, wo es heißt, dass der "Herr die Striemen seines Volkes verbindet und die Wunden seines Volkes heilt" (Jes, 30,26). Das Reich Gottes sei die Erfüllung der Verheißungen Gottes für sein Volk; diese Verheißungen schlössen soziale Versöhnung und die Heilung von Wunden ein.

Die Heilung sozialer Gemeinschaften setze freilich den Übergang von einer asymmetrischen "Logik der Aggression" zu einer "therapeutischen Logik" voraus, die auf der asymmetrischen Beziehung zwischen Betreuer und Patient beruht. Die ursprüngliche asymmetrische Beziehung von Aggression und Macht, die die Wunden hervorgerufen habe, müsse durch eine ebenfalls asymmetrische Beziehung der Fürsorge überwunden werden.

"Healing of Wounded Memories"

In dem Blog "Healing of Wounded Memories" (Verletzte Erinnerung heilen) werden über einen mehrmonatigen Zeitraum die Beiträge zur ersten internationalen Konferenz im Rahmen des gleichnamigen PRO ORIENTE-Projekts veröffentlicht, die vom 9. bis 11. November 2023 in Wien stattfand. Rund 50 Teilnehmende aus Europa, den USA und dem Nahen Osten hatten dabei Aspekte einer Theologie der Versöhnung reflektiert, zugleich aber auch konkrete geopolitische Konfliktfelder in der Ukraine, in Südosteuropa und im Nahen Osten in den Blick genommen.

2024 und 2025 werden regionale Workshops in besagten Regionen stattfinden. Die Ergebnisse dieser Workshops sollen anschließend in einer großen Abschlusskonferenz in Wien zusammengeführt werden. Für die Veröffentlichung der Projektbeiträge wurde statt einer Publikation in Buchform bewusst die Form eines Online-Blogs gewählt, um die Texte einer größeren Zielgruppe zugänglich zu machen. In dem Blog, der den gesamten Prozess begleitet, kommen Expertinnen und Experten verschiedenster Kirchen und Regionen zu Wort.

Zum Blog: www.pro-oriente.at/blog/healing-of-wounded-memories