Pro Oriente
News / Wien: Kirchen gedenken der "Mutter der Ökumene" Oberin Gleixner

Wien: Kirchen gedenken der "Mutter der Ökumene" Oberin Gleixner

08. Juni 2026

Ökumene-Pionierin wurde vor 100 Jahren geboren - Ökumenischer Gedenkgottesdienst mit Erzbischof Grünwidl und zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der Kirchen am 22. Juni im Wiener Stephansdom - PRO ORIENTE-Vizepräsident Prokschi: "Oberin Gleixner war überzeugt von der notwendigen Einheit der Kirchen als Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft"

Oberin Christine Gleixner 20110926 5730

Foto: Kathbild / FJ Rupprecht

08.06.26 (poi) Vor 100 Jahren, am 22. Juni 1926, wurde die Ökumene-Pionierin Sr. Christine Gleixner geboren. Die katholische Ordensfrau war über Jahrzehnte eine der prägendsten Gestalten der Kirchen in Österreich und trug maßgeblich dazu bei, die Einheit der Kirchen in Österreich voranzubringen. An ihrem Geburtstag, dem 22. Juni, laden deshalb die Erzdiözese Wien, der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und die Stiftung PRO ORIENTE zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in den Wiener Stephansdom (16 Uhr). Gleixner verstarb am 30. November 2015 nach kurzer schwerer Krankheit. Sie wurde wegen ihres vielfältigen Einsatzes für Verständigung und Versöhnung zwischen den getrennten Christinnen und Christen als "Mutter der Ökumene" bezeichnet. 

Dem Gottesdienst im Stephansdom werden Erzbischof Josef Grünwidl und zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen gemeinsam vorstehen. Weggefährtinnen und Weggefährten werden an Oberin Gleixner und ihre vielfältigen Verdienste erinnern. Mit dabei sind u.a. die evangelischen Altbischöfe Michael Bünker und Michael Chalupka, der syrisch-orthodoxe Chorepiskopus Emmanuel Aydin, die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, die methodistische Pastorin Esther Handschin, Domdekan und PRO ORIENTE-Vizepräsident Rudolf Prokschi, der orthodoxe Erzpriester Wolfgang Nikolaus Rappert und der frühere Direktor der Katholischen Sozialakademie P. Alois Riedlsperger. 

Weiters werden auch die langjährige Wiener Diözesanarchivarin und Sekretärin von Kardinal Franz König, Annemarie Fenzl, der Präsident des Verfassungsgerichtshofes, Christoph Grabenwarter, der Journalist Peter Wesely und die Ökumene-Referentin der Erzdiözese Wien, Raphaela Pallin, das Wort ergreifen. 

"Ökumene auf Augenhöhe"

Christine Gleixner trat von Anfang an für eine "Ökumene auf Augenhöhe" ein - und fand schon in den 1960er Jahren in Kardinal Franz König, dem orthodoxen Metropoliten Chrysostomos Tsiter und dem evangelisch-lutherischen Bischof Gerhard May kongeniale Partner. Eines von Gleixners großen Verdiensten bestand darin, dass die Katholische Kirche 1994 Vollmitglied im ÖRKÖ wurde, was zu diesem Zeitpunkt noch in keinem anderen europäischen Kirchenrat der Fall war. Gleixner war überzeugt, dass Christsein auch eine "politische" Dimension haben muss. In überzeugender Weise brachte sie das etwa bei ihrem Einsatz für das im Advent 2003 veröffentlichte "Ökumenische Sozialwort" der Kirchen zum Ausdruck. 

In jenen Jahren war sie aber auch im Hinblick auf den Österreich-Konvent politisch aktiv. Im Österreich-Konvent vom Juni 2003 bis Jänner 2005 war sie namens der Kirchen in der Diskussion über Vorschläge für eine grundlegende Staats- und Verfassungsreform wesentlich tätig. 

Der Ostkirchen- und Ökumene-Experte Prof. Prokschi hielt gegenüber dem PRO ORIENTE-Informationsdienst zu Oberin Gleixner fest: "Sie war überzeugt von der notwendigen Einheit der Kirchen als Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft. Sie hat dieses Ziel nie aufgegeben, es immer mit Zähigkeit und Standfestigkeit verfolgt und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen." Das Argument "Das ist einfach nicht möglich" habe es bei Gleixner nicht gegeben. 

Allen Kirchenvertretern sei sie mit Respekt und Wertschätzung begegnet und habe immer nach Wegen gesucht, dass durch die ökumenische Zusammenarbeit alle Beteiligten profitieren. Prokschi: "Als gebildete Theologin hat sie auf hohem Niveau argumentiert. Sie hat aber auch immer Fachleute zur Unterstützung beigezogen." 

Ein Leben für die Ökumene

Christine Gleixner wurde am 22. Juni 1926 in Wien geboren. Sie wuchs als einziges Kind einer sehr liberalen Familie in kritischer Distanz zur Kirche und zur damaligen Gesellschaftsordnung auf. Nach dem Studium der Biologie in Wien trat sie 1949 in Bloemendaal (Niederlande) in die Kongregation der Frauen von Bethanien (CFB) ein, studierte dort und in Nijmegen, Utrecht und Paris Theologie und kehrte 1962 nach Wien zurück, wo sie die Verantwortung für die Niederlassung ihres Ordens übernahm. 

In der Erzdiözese Wien, in ganz Österreich und darüber hinaus war Gleixner auf verschiedenen Ebenen der Ökumene tätig: etwa als langjähriges Mitglied und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der Diözesankommission für ökumenische Fragen der Erzdiözese Wien, der Gemeinsamen Katholisch-Evangelischen Kommission oder auch in der Vorbereitung und als Delegierte bei den Europäischen Ökumenischen Versammlungen (Basel 1989, Graz 1997, Sibiu 2007). 

Gleixner baute das Ökumenische Forum Christlicher Frauen in Österreich mit auf, war ab 1990 Konsultorin der Stiftung PRO ORIENTE und wirkte von 1997 bis 2001 an der Vorbereitung der "Charta Oecumenica" mit. Sie gestaltete lange Zeit die ORF-Radioreihe "Ökumenische Morgenfeier" mit, die nach den Worten des früheren Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl zur "ökumenischen Drehscheibe in Österreich" wurde. 

Großen Wert legte Gleixner auch auf den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen, vor allem auf das besondere Naheverhältnis zum Judentum. 

Viele Jahre war Gleixner in der Vorbereitung des "Österreichischen Ordenstages", bei "Österreichischen Katholikentagen" und beim Weltgebetstag der Frauen engagiert. 1969-1971 war sie Delegierte bei der Wiener Diözesansynode. 1986 begleitete sie die KSZE-Konferenz in Wien. Ab 1990 war sie Mitglied im Beirat der Kontaktstelle für Weltreligionen. Von 1996 bis 2004 war sie Mitglied in der Kommission Iustitia et Pax der Österreichischen Bischofskonferenz. 

Die Republik Österreich ehrte Gleixner im Jahr 2000 mit dem Professorentitel. 2006 erhielt sie das Ehrendoktorat der Katholisch-Theologischen Fakultät der Katholischen Privatuniversität Linz, 2008 die Ehrenmitgliedschaft bei der Bildungsinitiative PILGRIM, 2009 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, und ebenfalls 2009 die Ehrenmitgliedschaft des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Im gleichen Jahr wurde sie auch mit dem Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis der im ökumenischen Dialog mit den Ostkirchen stark engagierten Benediktinerabtei Niederaltaich (Niederbayern) ausgezeichnet.