Kirche von Tschechien und der Slowakei
Die Orthodoxe Kirche von Tschechien und der Slowakei entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als einzelne Tschechen und Slowaken, die von der Idee des ‚Panslawismus‘ begeistert waren, zur Orthodoxie konvertierten. 1874 wurde eine erste orthodoxe Gemeinde in Prag gegründet. Diese und weitere orthodoxe Gemeinden in den tschechischen Kurorten wurden zunächst von orthodoxen Priestern aus Russland betreut, die neben den russischen Kurgästen bald auch tschechische Konvertiten in ihre Gemeinden aufnahmen. Im Jahr 1904 schloss sich eine größere Gruppe tschechischer Altkatholiken der Orthodoxen Kirche an. Als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 die Tschechoslowakei als unabhängiger Staat begründet wurde, entstand eine weitere Orthodoxe Kirche, die größtenteils aus konvertierten Katholiken bestand. Während sich die eine Gruppe dem Ökumenischen Patriarchat unterstellte, unterstand die zweite der Jurisdiktion des Serbischen Patriarchats.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vereinigten sich die beiden Zweige zu einer einheitlichen Kirchenstruktur, die sich zunächst dem Moskauer Patriarchat unterstellte. Durch die 1950 von staatlicher Seite verfügte Auflösung der Griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei vergrößerte sich die Zahl der Gläubigen aufgrund des Übertritts zahlreicher griechisch-katholischer Christen zur Orthodoxie erheblich. Auf dieser Basis verlieh das Patriarchat von Moskau der Orthodoxen Kirche in der Tschechoslowakei im Dezember 1951 den Status der Autokephalie. Das Patriarchat von Konstantinopel erkannte diesen einseitigen Schritt Moskaus lange Zeit nicht an und bestätigte erst im September 1998 die Autokephalie der Orthodoxen Kirche von Tschechien und der Slowakei.
Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes und der Aufteilung der Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten wurde die Struktur der Orthodoxen Kirche 1993 durch die Bildung zweier Kirchenprovinzen den neuen Gegebenheiten angepasst. Der theologische Nachwuchs wird in der Orthodoxen Theologischen Fakultät an der im Januar 1997 neu begründeten Universität von Prešov ausgebildet. Nach dem Rücktritt von Metropolit Kryštof (2006-13) kam es unter den Bischöfen zu Streitigkeiten über die Nachfolge im Amt des Ersthierarchen, die erst im Januar 2016 zugunsten von Metropolit Rastislav von Prešov beendet werden konnten.