Pro Oriente
Die Orthodoxe Kirche / Patriarchat von Georgien

Patriarchat von Georgien

Die Georgische Orthodoxe Kirche zählt zu den ältesten christlichen Kirchen. Bereits zu Beginn des 4. Jahrhunderts gab es christliche Gemeinden an der georgischen Schwarzmeerküste im von den Griechen beherrschten West-Georgien. Ost-Georgien, von den Griechen Iberien genannt, stand dagegen unter persischer Vorherrschaft. Die Christianisierung Ost-Georgiens vollzog sich vor allem mit Unterstützung der armenischen Kirche. Der Legende nach hat der georgische König Mirian das Christentum in Iberien um 337 zur Staatsreligion erklärt, nachdem die Hl. Nino, eine aus Kappadokien stammende Christin, seine Frau von einer Krankheit geheilt hatte. Durch die Rezeption der Beschlüsse des Konzils von Chalcedon trennte sich die georgische Kirche zu Beginn des 7. Jahrhunderts von der armenischen Kirche und geriet infolgedessen stärker unter byzantinischen Einfluss. Trotz mehrfach wechselnder Fremdherrschaft konnte die georgische Kirche, vor allem durch das Mönchtum, ihre Identität bewahren. Im 18. Jahrhundert geriet Georgien zunehmend unter russischen Einfluss und wurde schließlich 1801 dem Russischen Reich einverleibt. 

Im Zuge der staatlichen Neuorganisation 1917-21 erlangte die georgische Kirche ihre Selbstständigkeit wieder. Nach der Lockerung der restriktiven sowjetischen Religionspolitik während des Zweiten Weltkrieges erkannte das Patriarchat von Moskau 1943 die Autokephalie der Georgischen Orthodoxen Kirche an. Doch erst nach dem Tod Stalins, der als gebürtiger Georgier selbst einmal Schüler des Priesterseminars von Tbilisi gewesen war, konnte sich die Georgische Orthodoxe Kirche allmählich reorganisieren und wieder in Kontakt mit anderen christlichen Kirchen treten. 

Einen wesentlichen Beitrag zur Erneuerung des kirchlichen Lebens in Georgien leistete der seit 1977 (bis heute) amtierende Patriarch Ilia II., der sich auch im Ökumenischen Rat der Kirche engagierte. Im März 1990 bestätigte das Ökumenische Patriarchat die Autokephalie der Georgischen Orthodoxen Kirche. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und der Unabhängigkeitserklärung der Republik Georgien 1991 gewinnt die Orthodoxe Kirche in Georgien wieder zunehmend an Einfluss auf die Gesellschaft. Damit verbunden ist auch eine Wiederbelebung des Mönchtums in Georgien, das allerdings sehr kritisch gegenüber ökumenischen Kontakten eingestellt ist, was im Mai 1997 zum Austritt der Georgischen Orthodoxen Kirche aus dem ÖRK führte.