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weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Gregorianischer Kalender

[Gregorianisch, der gregorianische Kalender, gregorianisch]

Als erster bemerkte Beda Venerabilis im 8. Jh., dass sich die astronomischen Frühlingsäquinoktien wieder in die Zeit vor dem 21. März verschoben hatten. Diskutiert wurde darüber erstmals 1215 auf dem vierten Laterankonzil. Aber erst Ende des 16. Jh.s war es nach den Berechnungen von Nikolaus von Kues, Regionmontanus, Nikolaus Kopernikus und den Späßen des deutschen Mathematikers Adam Riese in gelehrten Kreisen Europas ein offenes Geheimnis, dass der Kalender um mehr als 10 Tage vom astronomischen abwich. Doch wagte es zunächst niemand, sich dieser Herausforderung zu stellen. Erst der große Reformpapst Gregor XIII. (1572 – 85) ließ neben vielen anderen Reformen (Jesuitenmission in Japan und China, Gründung der Päpstlichen Universität Gregoriana, Statut für die italo-albanische Kirche, Edition des Canon Iuris Canonici u.a.) auch die Kalenderfrage klären und den Julianischen Kalender durch den „Gregorianischen“ ersetzen.
Man wusste, dass 1596 der dritte große Osterzyklus (3 x 532 Jahre) zu Ende ging. Daher korrigierte man den kleinen Fehler des Julianischen Kalenders dahingehend, dass man auf die Einfügung des 366. Schalttages in den Jahren der Jahrhundertwende (1700, 1800, 1900, 2100, 2200) verzichtete, sie aber alle 400 Jahre beibehielt 1582 folgte auf den 4. Oktober der 15. Oktober statt des 5. Oktobers (). Von Luigi Giglio kam die Idee, einfach 10 Tage wegzulassen! Kepler und Newton waren vom wissenschaftlichen Standpunkt aus damit einverstanden.
Es sollte jedoch mehr als 100 Jahre dauern, bis sich außerhalb der südeuropäisch katholischen Welt die neue Kalenderrechnung durchsetzte. Das anglikanische Großbritannien, das protestanti-sche Deutschland, Dänemark und Schweden wehrten sich lange dagegen, den neuen Kalender einzuführen, obwohl er nur eine technische Verbesserung bedeutete. Erst im 18. Jh. stellte man im Norden um. In Russland und im Osmanischen Reich blieb der neue Kalender bis 1918 bzw. 1928 außer Gebrauch, weil man der eigenen Tradition den Vorzug gab. Erst Lenin führte ihn für die Sovjetunion ein, weshalb heute der Tag der „Oktoberrevolution“ am 7. November begangen wird (nach dem alten Kalender der 26. Oktober!). Der griechische Staat und die griechisch-orthodoxe Kirche (Patriach Meletios) führten den neuen Kalender 1923 ein, als sich abzeichnete, dass Atatürk für die Türkei diesen Schritt plante. Er gilt aber nur für die festen Feiertage (neojulia-nisch). Die beweglichen werden weiter nach dem Julianischen gefeiert! Prompt kam es innerhalb der griechischen Kirche zur Krise, worauf eine kleine Gruppe von „Altkalendariern“ die Kirche verließ. Ostern wird daher bis heute in allen orthodoxen Ostkirchen – ausgenommen Finnland und Estland (die estnische Gruppe) – nach dem Julianischen Kalender gefeiert.
Sollten die heutigen Strukturen noch 15 000 Jahre gelten, wird der derzeitige Julianische Kalender so weit vom Gregorianischen abweichen, dass die Orthodoxen ihr Osterfest zu den katholischen Weihnachtstagen feiern, also mitten im Winter. Schon in den kommenden 1000 Jahren wird ihr derzeitiger Osterrahmen (4. April – 8. Mai nach dem Gregorianischen Kalender) „platzen“ und ihr Frühlingsvollmond beginnen, in den gregorianischen Mai „hineinzuwandern“.
Deshalb sind in allen Kirchen zuletzt wieder intensive Überlegungen zu einem allen gemeinsamen Osterdatum angestellt worden. Nach den heute einfach durchführbaren Berechnungen fal-len orthodoxen und die abendländischen Ostertermine ohnedies im Schnitt 25 – 30 mal in jedem Jahrhundert zusammen, meist über eine Zeitspanne von 15/16 Jahren alle drei Jahre, gefolgt von einer acht- oder elfjährigen Unterbrechung: 1990 – 2001 war kein gemeinsamer Ostertermin, 2001 – 2017 sind sieben gemeinsame Termine, anschließend erst wieder 2025 ein gemeinsamer Termin.