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Die Ökumene muss
weitergehen!

Franz König

Pro Oriente

Offizielle „Pro Oriente“-Reise nach Äthiopien

Bischof Manfred Scheuer führt die Delegation an, die u.a. mit dem äthiopisch-orthodoxen Patriarchen Abuna Mathias und mit Kardinal Souraphiel zusammentreffen wird

Wien-Addis Abeba, 16.02.16 (poi) Eine hochrangige „Pro Oriente“-Delegation stattet von 18. bis 25. Februar Äthiopien einen offiziellen Besuch ab. Die Delegation wird vom Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer geleitet, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für die Ökumene zuständig ist. Begegnungen sind u.a. mit dem äthiopisch-orthodoxen Patriarchen Abuna Mathias und mit dem äthiopisch-katholischen Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, vorgesehen. „Pro Oriente“ pflegt den inoffiziellen Dialog mit der äthiopisch-orthodoxen Kirche seit 1971. In der äthiopisch-orthodoxen Kirche ist die Erinnerung an den Besuch von Kardinal Franz König im Jahr 1983 bis heute in guter Erinnerung.

Der „Pro Oriente“-Delegation gehören Präsident Johann Marte, Vizepräsident Prof. Rudolf Prokschi, die junge Wiener Ostkirchen-Expertin Andrea Riedl (als weiteres „Pro Oriente“-Vorstandsmitglied), der Salzburger Ostkirchen-Experte em. Prof. Peter Hofrichter und der Jerusalemer Theologe P. Frans Bouwen (ein Mitglied der Internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen) an. Der Besuch beginnt mit einem inoffiziellen Theologen-Symposion am 18. Februar, zu dem Österreichs Botschafter Andreas Melan in seine Residenz einlädt. Dort werden orthodoxe und katholische Experten (u.a. der Ökumene-Referent des Patriarchats, P. Daniel Seifemicael, Kardinal Souraphiel und P. Bouwen) über den Stand des Dialogs zwischen katholischer Kirche und orientalisch-orthodoxen Kirchen – insbesondere im Hinblick auf die jüngste Vollversammlung der Internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen in Kairo - referieren.

Die Delegation aus Österreich wird am Samstag, 20. Februar, vom Apostolischen Nuntius, Erzbischof Luigi Bianco, empfangen. Am Abend besuchen die Delegationsmitglieder die orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale und wohnen dem orthodoxen Abendgebet bei. Am Sonntag, 21. Februar, nehmen die Delegationsmitglieder am Gottesdienst in der katholischen Kathedrale teil; anschließend ist die offizielle Begegnung mit Kardinal Souraphiel angesetzt. Der offizielle Besuch bei Patriarch Abuna Mathias ist für Montag, 22. Februar, vorgesehen. Am 23./24. Februar hält sich die Delegation aus Österreich in Lalibela mit seinen berühmten Felsenkirchen auf.

Ziel der Reise ist es, die Beziehungen zwischen der äthiopisch-orthodoxen Kirche und der katholischen Kirche in Österreich zu vertiefen. Von 1971 bis 1998 hatte die äthiopisch-orthodoxe Kirche am von „Pro Oriente“ initiierten inoffiziellen theologischen Dialog über christologische, ekklesiologische und pastorale Themen intensiv mitgearbeitet. Nach der Gründung der Internationalen Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen war der inoffizielle Dialog vorübergehend in den Hintergrund getreten.

Im Vorjahr ergriff „Pro Oriente“ die Initiative und es kam – unter Mitarbeiter der äthiopisch-orthodoxen Kirche - zur Gründung der „Commission for Ecumenical Encounter between the Catholic Church and the Oriental Orthodox Churches“. Diese neue „Pro Oriente“-Kommission wird im heurigen November eine Konsultation zum Thema „Signs of Communion and Communication after the Division“ (Zeichen von Gemeinschaft und Kommunikation nach der Trennung) veranstalten. Mit der neuen „Pro Oriente“-Kommission soll der offizielle Dialog begleitet und unterstützt werden. Insbesondere werden drei Ziele angestrebt: 1. Reflexion über die Resultate des offiziellen Dialogs, um sie in den Kirchen stärker zu verbreiten, 2. Studium der nichttheologischen Faktoren, die eine Annäherung der Kirchen bremsen, auch im Zusammenhang mit Diaspora, Migration und Integration, 3. Vorbereitung der nachwachsenden Generationen für den ökumenischen Dialog.

Die äthiopisch-orthodoxe Kirche gehört zur orientalisch-orthodoxen Kirchenfamilie, die sich nach dem Konzil von Chalcedon allmählich von der römischen Reichskirche getrennt hat. Zu dieser Kirchenfamilie gehören auch die koptisch-orthodoxe, die eritreisch-orthodoxe, die syrisch-orthodoxe, die indisch-orthodoxe und die armenisch-apostolische Kirche. Äthiopien ist das einzige Land des nördlichen Afrika, das nicht islamisiert wurde. Die kommunistische Herrschaft nach dem Sturz von Kaiser Haile Selassie brachte für die äthiopisch-orthodoxe Kirche eine schwere Verfolgungszeit, aus der sie aber gefestigt hervorging. Sie ist heute eine der stärksten Institutionen in Äthiopien, über ihre Diaspora ist sie – wie die anderen orientalischen Kirchen – auch weltweit präsent. (forts mgl)