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Franz König

Pro Oriente

Kardinal Schönborn lädt äthiopisch-orthodoxen Patriarchen zu Österreich-Besuch ein

„Pro Oriente“-Delegation unter Leitung von Bischof Scheuer überbrachte die Einladung – Patriarch Abuna Mathias und Kardinal Souraphiel würdigen Einsatz von „Pro Oriente“ für den Dialog und die Verständigung zwischen katholischer Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen

Addis Abeba, 25.02.16 (poi) Von drei Höhepunkten war die Äthiopien-Reise einer offiziellen „Pro Oriente“-Delegation unter Leitung des Linzer Diözesanbischofs Manfred Scheuer in den letzten Tagen geprägt: Von der Begegnung mit Abuna Mathias, dem Patriarchen der äthiopisch-orthodoxen Kirche, dem Gottesdienst mit dem äthiopisch-katholischen Erzbischof von Addis Abeba, Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel, und vom "Ecumenical Encounter on 'Unity in Faith'", einer ökumenischen Begegnung hochrangiger Vertreter beider Kirchen auf Einladung des österreichischen Botschafters Andreas Melan. Im Rahmen der Begegnung mit Abuna Mathias überreichte Bischof Scheuer eine Einladung von Kardinal Christoph Schönborn an den Patriarchen zu einem Besuch in Wien. In dem Schreiben von Kardinal Schönborn wurde an die „tiefen Wurzeln der äthiopischen Kirche in der Frühzeit des Christentums“ erinnert. Wörtlich heißt es in dem Schreiben des Wiener Erzbischofs weiter: „Als Österreicher bewundern wir immer die Standfestigkeit Ihrer Kirche sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart, was dazu geführt hat, dass Äthiopien eine wahrhaft christliche Nation auf dem afrikanischen Kontinent geblieben ist, eine Nation mit einer großen Geschichte und einer leuchtenden Zukunft“. Zugleich würdigte Kardinal Schönborn die Präsenz einer lebendigen äthiopisch-orthodoxen Gemeinde in Wien.

Der Patriarch erinnerte in seinem Grußwort an die Rolle der äthopisch-orthodoxen Kirche in der Gründungsphase des Ökumenischen Rates der Kirchen und an ihre Teilnahme an den inoffiziellen „Pro Oriente“-Konsultationen sowie an den Besuch des Patriarchen Abuna Paulos in Wien. Der Patriarch würdigte den "wichtigen Beitrag der Stiftung ‚Pro Oriente‘ zu einem tieferen theologischen Verständnis der beiden Kirchen füreinander und zum Vorantreiben des offiziellen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen". In diesem Zusammenhang betonte er außerdem die Wichtigkeit der Arbeit der neuen „Pro Oriente“- Commission for Ecumenical Encounter between the Catholic Church and the Oriental Orthodox Churches“.

Abuna Mathias zeigte sich sehr gut informiert über die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde in Wien und bedankte sich für die Unterstützung seiner Kirche - auf Gemeindeebene wie auch im Hinblick auf die Förderung äthiopisch-orthodoxer Studierender durch Stipendien. Der Patriarch und die Delegationsmitglieder stimmten darin überein, dass die Förderung durch Stipendien und die Unterstützung durch Ausbildung ein wichtiges und zukunftsträchtiges „Modell ökumenischer Zusammenarbeit“ darstellt.

Auf Einladung des österreichischen Botschafters Andreas Melan fand am 22. Februar in der Botschaftsresidenz das „Ecumenical Encounter on 'Unity in Faith'" unter Teilnahme von rund 30 Vertreterinnen und Vertretern der äthiopisch-orthodoxen Kirche und der äthiopisch-katholischen Kirche (Kardinal Souraphiel), des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Luigi Bianco, und der „Pro Oriente“-Delegation statt. Nach der ökumenischen Grußadresse von Bischof Scheuer berichtete Präsident Johann Marte über die „Pro Oriente“-Errungenschaften im Dialog zwischen katholischen und orientalisch-orthodoxen Christen. Marte erinnerte an die Gründung der Stiftung durch Kardinal Franz König vor mehr als 50 Jahren und unterstrich, dass angesichts der weltweiten Verfolgung und Diskriminierung von Christen sowie anderer heutiger Herausforderungen die Tätigkeit von „Pro Oriente“ notwendiger denn je sei.

P. Frans Bouwen (Jerusalem) gab eine Einschätzung der aktuellen Situation des offiziellen theologischen Dialogs zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen (er ist Mitglied der entsprechenden internationalen Kommission): "Im Zuge unserer Studien und unseres theologischen Austausches im Dialog sind wir zur Erkenntnis gelangt, dass ‚communio‘ (Gemeinschaft) mehrdimensional ist und nicht nur auf eine offizielle, hierarchische ‚communio‘ reduziert werden darf. Wir haben gelernt, dass ‚communio‘ sich in verschiedenen und charakteristischen Weisen ausdrückt: in gegenseitiger Verantwortung, durch den Austausch von Briefen und wechselseitige Besuche, in Liturgie und Gebet, durch gemeinsame Zeugenschaft und Martyrium, im Mönchtum und durch die Heiligenverehrung. Viele der Verbindungen, die unter den Kirchen in den ersten Jahrhunderten bestanden, bestehen trotz der Trennungen bis heute oder wurden in letzter Zeit neu belebt. Die Aufgabe der Kommissionsmitglieder wird darin bestehen, in positiver Weise noch bestehende Divergenzen in Lehre und Praxis zwischen den Kirchen zu untersuchen und sorgfältig zu prüfen, inwieweit diese Divergenzen als legitim und die Essenz des Glaubens nicht gefährdend gelten dürfen. Sie werden sich die Frage stellen müssen, wie weit die Wiederherstellung der Beziehungen, die in den ersten christlichen Jahrhunderten existierten, für eine Wiedergewinnung der vollen sakramentalen Gemeinschaft heute ausreichend ist“. Im Auftrag des Patriarchen referierte Daniel Seifemicahel die äthiopisch-orthodoxe Perspektive zur jüngst in Kairo stattgefundenen Vollversammlung der internationalen Dialogkommission und zur Situation der Ökumene in Äthiopien.

Am Sonntag, 21. Februar, feierte die „Pro Oriente“-Delegation die von Kardinal Souraphiel geleitete Liturgie in der äthiopisch-katholischen Kathedrale von Addis Abeba mit. Bei der anschließenden Begegnung würdigte der Kardinal die wertvolle Arbeit von „Pro Oriente“ in den letzten 50 Jahren: "‘Pro Oriente‘ hat einen wesentlichen Beitrag für die ökumenische Bewegung erbracht und das bessere Verständnis und die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den orientalisch-orthodoxen Kirchen im Nahen Osten und hier in Äthiopien gefördert“. Der Kardinal sieht eine wesentliche Aufgabe von „Pro Oriente“ darin, zur Festigung der christlichen Solidarität beizutragen und die Bestrebungen nach Einheit und enger Kooperation der beiden Kirchen in Äthiopien zu unterstützen. Wörtlich meinte der äthiopische Kardinal: „Wir möchten Solidarität, Einheit und enge Zusammenarbeit mit der äthiopisch-orthodoxen Kirche vorantreiben, mit der wir so viel gemeinsam haben. Es ist wichtig, auf lokaler Ebene zusammenzuarbeiten und unser gemeinsames Erbe zu schützen und zu nützen, damit wir die Herausforderungen der Gegenwart, einschließlich der Auswirkungen der Globalisierung, bestehen können“.

Zum Abschluss ihrer Äthiopien-Reise besuchte die „Pro Oriente“-Delegation die berühmten Felsenkirchen von Lalibela. (forts mgl)